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Und jetzt ... Django Asül: Obama lässt NRW im Stich

Barack Obama kämpft gegen Extremisten, die Atomwaffen haben wollen. In NRW kämpft Hannelore Kraft gegen bereits verstrahlte Extremisten von FDP und Linkspartei.

Ein satirischer Frontbericht von Django Asül

Das Beruhigende vorweg: Atomwaffen in den Händen von Terroristen sind unerwünscht. Zu dieser Resolution hat sich die Weltgemeinschaft bei einer gemütlichen Kaffeerunde bei Obamas auf dem Sofa durchgerungen. Und zwar ohne Gegenstimme. Jetzt muss dieser Entschluss nur noch an den Dachverband der Terroristen gefaxt werden. Wenn das Schriftstück dann unterschrieben zurück kommt, herrscht endgültig Ruhe auf dem volatilen Plutoniummarkt. Überhaupt dürfte sich in Zukunft eine Ausbildung zum Plutoniumhändler kaum mehr rentieren. Die Möglichkeit, trotz guter Abschlussprüfung ohne Festanstellung zu bleiben, ist nicht von der Hand zu weisen. Laut jüngstem Ab- beziehungsweise Umrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland sollen Atomwaffen nur noch der Abschreckung dienen. Mit anderen Worten: Es werden nur noch Placebos aufgestellt. Raketen aus Pappe, auf denen hochbezahlte Friedensaktivisten in dicken Lettern: "Dies ist eine Atombombe! Bitte fürchten Sie sich und verzichten Sie auf Selbige!" draufgeschrieben haben. Da können jetzt die Plutoniumbauern zwischen Pakistan und Tadschikistan einpacken. Auf ihren kontaminierten Ackerböden dürfen sie dann höchstens noch Getreide mit leichtem Uranaroma für die Dritte Welt produzieren. Das soll immer noch gesünder sein als genmanipulierter Mais aus deutschen Landen.

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Manipuliert ist in Deutschland allerdings auch der politische Boden. Aber Obama machte null Anstalten, auch hier korrigierend und dirigierend vorzugehen. Die Ausgangslage für die Wahl in Nordrhein-Westfalen ist nicht so, wie sich das die Kanzlerin vorstellt. Das deutet schon arg auf Schiebung hin. Und das ist das Beunruhigende. Wer mit viel Geld spekuliert, setzt auf die Pleite Griechenlands. Wer mit wenig Geld zockt, setzt nicht mehr auf die Meisterschaft für Schalke, sondern auf die Pleite der Union am 9.Mai zwischen Bonn und Bielefeld.

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Es hängt viel davon ab, ob extremistische Gaudivereine wie FDP oder die Linke den Einzug in den Landtag schaffen. Speziell die FDP kann ihr Potenzial kaum einschätzen. Auf den letzten Drücker sollen jetzt bundesweite Aktionen wie "Herr Mronz bleibt daheim und verdient trotzdem Geld" ein neues Wählerreservoir erschließen. Andererseits befürchten liberale Funktionäre, dass der klassische FDP-Wähler sowieso auf diversen Schweizer CDs verewigt ist und den Wahltag entweder auf der Flucht oder in U-Haft verbringt, weil er bei der Hausdurchsuchung noch ein paar zerkaute Reste von Kontoauszügen im Mund hatte. Die Linken wiederum hoffen auf Überläufer von der FDP. Es soll ja Leute geben, die jetzt auf Gerechtigkeit durch Enteignung bauen, nachdem die liberale Gerechtigkeit nur bis zum nächsten Hotel zu reichen scheint. Und das bisschen Steuersenkung, was der FDP jetzt noch vorschwebt, schafft der Normalbürger an einem einzigen Wochenende durch Schwarzarbeit.

Die Linken können so gesehen guter Hoffnung sein. Es sei denn, sie gönnen sich noch eine Sponsoring-Affäre á la Rüttgers. Aber da die Linken mit dem kommerziellen Establishment ohnehin nichts am Hut haben, müsste schon Fidel Castro persönlich mit einem RTL-Kamerateam einen Geldkoffer vorbeibringen, damit die Partei politisch Schiffbruch erleidet.

Der größte Feind der Linken ist jedoch der eigentliche Lieblingspartner: Die SPD. Die sozialdemokratische Spitzenkraft Kraft hält nämlich von den Linken so viel wie Rüttgers' Presseleute von Gratisgesprächen. Und die Grünen wollen eigentlich weder mit Kraft noch mit Rüttgers in Verbindung gebracht werden. Denn die Nie-wieder-Krieg-und-wenn-dann-nur-da-wo-die-Amerikaner-auch-herumbomben-Partei klettert in den Umfragen in ungeahnte Höhen, seit sie sich aus dem politischen Alltag ausgeklinkt hat. Da wären die Grünen schön blöd, wenn sie sich die guten Werte durch eine jämmerliche Regierungsbeteiligung wieder versauen würden.

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Also bleibt für Frau Kraft eigentlich nur noch die große Koalition als realisierbare Option. Das hätte ungemeine Vorteile. Sie könnte mitregieren, ohne so richtig schuld zu sein, wenn nichts weiter geht. Dass das nach hinten los gehen kann, bewies jedoch die große Koalition im Bund. Die SPD in NRW müsste sich also intelligenter anstellen als die Bundes-SPD seinerzeit. Gut, das dürfte wahrlich kein Problem sein.

Als Problem könnte sich eher noch SPD-Chef Gabriel entpuppen. Der feuert auf die Kanzlerin, wo es nur geht. Vor allem will er sie zur Kriegskanzlerin abstempeln. Wenn Frau Merkel meint, dass es in Afghanistan ein Krieg ist, müsse sie auch einen offiziellen Antrag im Bundestag für einen Krieg stellen. Aber angeblich hat die Bundesregierung gar kein Kriegsformular ausgefüllt. Folglich sei das ein Krieg ohne Bundestagsmandat. Das muss man sich mal vorstellen: Da hat die NRW-SPD eine reelle Chance zur Regierungsteilhabe. Und der Parteiboss sucht sein Heil in Wortklaubereien!

Vielleicht ist Gabriel auch nur Realist und weiß, dass 30 Prozent der Wähler in Nordrhein-Westfalen gar nicht wissen, dass am 9.Mai eine Wahl stattfindet. 30 weitere Prozent sind sich nicht sicher, ob und was sie wählen. Und 40 Prozent sind sich nicht sicher, ob es in NRW überhaupt Politiker gibt. Aber 100 Prozent sind sich sicher, dass nach dem 9.Mai nichts geschehen wird, egal was am 9.Mai passiert.

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Laut Sonntagsfrage liegt den Bürgern dort nur eines am Herzen: Dass Köln und Bochum nicht absteigen. Und Schalke und Dortmund spielen nächste Saison im Europapokal. Wenn das klappt, regiert in NRW ab dem 9. Mai nur einer. Und der heißt Magath.