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Und jetzt... Django Asül: Chronische Eurodermitis

Der eine will Frankfurt retten, der andere den Euro. Und das bedeutet: Christoph Daum ist der Wolfgang Schäuble des Fußballs. Oder umgekehrt.

Eine satirischer Spielbericht von Django Asül

Wäre Wolfgang Schäuble ein Fußballtrainer, würde er wohl derzeit Christoph Daum heißen und in Frankfurt tätig sein. Als Daum unlängst bei der Eintracht anheuerte, war er sich sicher, dass Frankfurt zu Beletage des deutschen, wenn nicht gar europäischen Fußballs gehört und daher ein möglicher Abstieg in die zweite Liga überhaupt nicht erwähnens-, geschweige denn bedenkenswert sei. Jedem, der auch nur ganz vorsichtig die Gefahr einer Abwärtsspirale in Erwägung zog, fuhr der Motivationskünstler souverän über den Mund und wiederholte mantraförmig die bombastischen Aussichten, die dieser prächtige Verein besitze.

Das Ende vom Lied: Es sieht, Stand Freitag, 13. Mai, nicht gut aus. Und das ist noch sehr euphemistisch formuliert. Und während alle Welt in und um Frankfurt sich fragt, wie es weitergehen soll, verkündet Daum, dass es ja ein Klacks sei, mit diesem tollen Team sofort wieder aufzusteigen und dem Fußballkosmos das Fürchten zu lehren. Dem Verdacht, dass er die Situation zu realistisch einsetzt, setzt er sich dadurch nicht aus.

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Die Eintracht von Schäuble ist die EU im Allgemeinen und der Euro im Besonderen. Der Finanzminister sieht sich als Siegelbewahrer der europäischen Einheit. Und seine Hauptaufgabe ist die Gesundung der Gemeinschaftswährung. Er verbindet sogar sein politisches Schicksal mit der Einrichtung eines dauerhaften Stabilitätsmechanismus für den Euro. Daraus lässt sich ableiten, wie sehr die Attribute wahnwitzig und konsequent schlussendlich zwei Seiten derselben Medaille sind. Und so, wie Daum in einem erfrischenden Anfall von Verfolgungswahn die Medien zusammenstauchte, weil sie es schließlich seien, die alles schlechtredeten und damit gute Resultate verhinderten, muss nun Schäuble auch auf einen Sündenbock zurückgreifen, um das nahende Desaster nicht ganz so nah wirken zu lassen.

Irgendwie scheint es dem Finanzminister bisher entgangen zu sein, dass kein vernünftiger oder auch nur semivernünftiger Mensch noch einen Pfifferling auf eine brauchbare Euro-Politik setzt. Das muss er auch nicht. Wer auf Fakten steht, sollte lieber arbeiten und die Politik meiden. Schäubles Sündenbock ist jedoch leider nicht greifbar. Schäuble weiß nur: Irgendwer hat ein wichtiges und geheimes Papier zur griechischen Tragödie sehr nondiskret behandelt. Das sorgte für gute Stimmung bei den Banken, die dann gleich noch ein paar Prozent draufsattelten bei neuen Anleihen für Griechenland.

Schäuble ist außer sich vor Wut, weil er weiß: Nur wer die Wirklichkeit ausblendet, kann den Euro Realität bleiben lassen. Europa kann nur glaubwürdig bleiben, wenn die Politik die Wahrheit eisern unter Verschluss hält. Für Schäuble ist es eine Schande, dass jetzt jeder Depp, der bis drei zählen kann (und das können viele EU-Haushälter schon mal nicht, wie die letzten Jahre beweisen), erkennt: Die EU ist ein Förderverein zur Insolvenzverschleppung. Und Deutschland ist der Zahlmeister. Dagegen spricht generell nichts. Denn Europa bedeutet, sinnvolle Regeln aufzustellen, an die sich keiner zu halten braucht. So kann man Freizügigkeit auch definieren. Und wenn jedes Volk die Regierung bekommt, die es verdient, dann muss der Europäer an sich schon gewaltig viel auf dem Kerbholz haben. Im Prinzip ist der Europäer hochgradig illegal. Und damit auch zu jeder Schandtat bereit. Aber weil er die Macht über den Umweg Bundestag nach Brüssel abgegeben hat, müssen auch die Schandtaten von diesen Stellen begangen werden. Denn auch Unrecht hat ein Recht auf ordnungsgemäße Handhabung.

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Zu dieser gehört jedoch nicht, dass irgendwelche Spaßfanatiker vertrauliche Dokumente rausgeben. Da versteht auch Schäuble keinen Spaß. Den Maulwurf will er folgerichtig dingfest machen. Der Finanzminister, bekannt für seinen einfühlsamen Umgang mit Personal, will sein ministerielles Umfeld ins Kreuzverhör nehmen und empfiehlt, lieber die Wahrheit zu sagen, wenn schon der Chef für so manche Euro-Wahrheit unterschlägt. Dabei sollen neueste Erkenntnisse aus der Transpirationsforschung angewandt werden. Denn, so Schäuble, der Schurke müsse feuchte Hände kriegen. Da will man allen Beschäftigten des Finanzministeriums wünschen, dass keine angeborenen Schweißdrüsenfehlfunktionen vorliegen. Fiskalmediziner sind sich nämlich sicher: Mittelfristig können Brüllattacken von Schäuble nicht nur zu psychosomatischen Schweißdrüsenirritationen führen, sondern auch zu chronischer Eurodermitis.