Unruhen in Kirgistan Übergangspräsidentin befürchtet 2.000 Tote


191 Tote. Mit diesem Wert bezifferte das kirgisische Gesundheitsministerium bislang die Opfer der jüngsten Unruhen im Süden des Landes. Bei ihrem Besuch der Krisenregion hat Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa diesen Wert nun weit nach oben korrigiert. Sie rechnet mit rund 2.000 Toten.

Die Zahl der Todesopfer bei den jüngsten Unruhen in Kirgistan könnte nach Einschätzung von Übergangspräsidentin Rosa Otunbajewa bei fast 2.000 und damit deutlich höher als bislang angegeben liegen. Das kirgisische Gesundheitsministerium hatte die Zahl der Getöteten zuletzt mit 191 beziffert. "Ich würde die offizielle Zahl mit zehn multiplizieren", erklärte Otunbajewa nach Angaben ihres Sprechers, Farid Nijasow. Beobachter hatten bereits erklärt, dass sie die offiziellen Angaben für zu niedrig halten.

In der gesamten Region benötigen nach Schätzungen der Vereinten Nationen bis zu eine Million Menschen Unterstützung. Zu den Bedürftigen zählte die Organisation unter anderem Menschen, die nach Usbekistan geflüchtet sind, innerhalb Kirgistans Vertriebene sowie Familien, die den Betroffenen Unterschlupf gewähren. Die Sprecherin des Flüchtlingshilfswerks UNICEF, Christiane Berthiaume, sagte am Freitag in Genf, die Zahl diene Hilfsorganisationen für deren Planung und könne tatsächlich höher oder niedriger sein.

Otunbajewa besuchte am Freitag die in weiten Teilen verwüstete Großstadt Osch. Dort waren die Unruhen im Süden des Landes in der vergangenen Woche ausgebrochen. Sie sicherte zu, sich für die Rückkehr der Bewohner einzusetzen, die in der Region zu Hunderttausenden vor der Gewalt geflüchtet waren. Dafür müssten die Bedingungen geschaffen werden, sagte Otunbajewa. Mit gutem Willen könnten Angehörige der kirgisischen Bevölkerungsmehrheit und der usbekischstämmigen Minderheit die Feindseligkeiten überwinden.

Die bisher genannte, niedrigere Opferzahl erklärte Otunbajewa mit der Tatsache, dass jene Toten nicht mitgezählt worden seien, die nach muslimischer Sitte noch am Tag ihres Todes beigesetzt wurden. Bei den Opfern handelt es sich überwiegend um Usbeken. Beobachter vermuten, dass die in der vergangenen Woche ausgebrochenen Unruhen bewusst angezettelt wurden, um das Land zu destabilisieren. Der Verdacht fällt auf den gestürzten Präsidenten Kurmanbek Bakijew. Er soll aus dem Exil daran arbeiten, ein für den 27. Juni geplantes Referendum zu verhindern, das der Übergangsregierung mehr Legitimität geben würde.

APN APN

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