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Wahlkampfabschluss in Niedersachsen: Schröder, Merkel und Maffay

SPD und CDU setzten zum Abschluss auf das gleiche Konzept wie zu Beginn des Wahlkampfes. Bei der Union dominierten die Reden der Spitzenpolitiker, die SPD präsentierte eine Mischung aus Popmusik, Talk-Show und Politik.

Zum Schluss zogen sie noch einmal alle Wahlkampfregister: Mit letzten Großveranstaltungen versuchten die Parteien unmittelbar vor der niedersächsischen Landtagswahl am Sonntag nochmals ihre Anhängerschaft zu mobilisieren. In Braunschweig kam Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Donnerstagabend dem bedrängten Ministerpräsidenten Sigmar Gabriel vor rund 8000 Genossen zur Hilfe. Zeitgleich stärkte in Hannover CDU-Chefin Angela Merkel vor rund 4000 Anhängern Spitzenkandidat Christian Wulff den Rücken.

Die Botschaften an die eigene Gefolgschaft und die Bürger im Land auf den letzten Metern vor dem Wahltag waren nicht mehr überraschend. «Sigmar Gabriel muss niedersächsischer Ministerpräsident bleiben», verkündete Schröder unter lautstarkem Beifall. «Wenn Christian Wulff Ministerpräsident wird, kann Niedersachsen endlich wieder beweisen, wozu es fähig ist», konstatierte Merkel vor nicht weniger begeisterten Fans.

Auch inhaltlich war längst alles gesagt - was die Spitzenleute nicht daran hinderte, alles noch einmal zu wiederholen. So warnte Gabriel in der Volkswagenhalle in Braunschweig: «Niedersachsen soll missbraucht werden, um im Bundesrat eine stärkere Blockademehrheit hinzubekommen.» Am 2. Februar gehe es um eine «Richtungsentscheidung» für Deutschland und Niedersachsen. 60 Kilometer entfernt in der Eilenriedehalle in Hannover wetterte Wulff gegen Rot-Grün in Berlin. «Wir müssen diesen Dilettanten das Handwerk zu legen. Und das geht nur durch eine starke Union im Bundesrat.»

«Die haben fertig»

Natürlich schwangen die aktuellen Meinungsumfragen, die seit Wochen der SPD eine herbe Niederlage und der CDU einen strahlenden Sieg voraussagen, in beiden Veranstaltungen mit. «Die haben fertig», rief Wulff mit schon heiserer Stimme, warnte aber vor verfrühter Siegeszuversicht. «Lasst uns bis zuletzt um jede Stimme kämpfen, damit wir in diesem Land wieder die Regierung übernehmen können.»

Gabriel appellierte ebenfalls an seine Genossen, in den letzten Tagen vor der Wahl nochmals alle Kräfte zu mobilisieren. «Es ist nichts entschieden.» Die Sozialdemokraten müssten jetzt «den Mundfunk in Gang setzen» und die 20 Prozent der Menschen ansprechen, die noch nicht wissen, ob sie überhaupt zur Wahl gehen. Auch Kanzler Schröder machte der Partei in seiner Heimat Mut: «Wir sind wirklich Experten im Gewinnen auf der Zielgeraden.»

Kurz vorher wollte Schröder am Freitag noch ein letztes Mal in Hannover für Gabriel in den Ring steigen. Zeitgleich mit dem FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle, den die Liberalen zu ihrer Abschlussveranstaltung in der Landeshauptstadt eingeladen hatten. Der Wahlkampf der Grünen hatte schon am Mittwoch mit einem Auftritt von Außenminister Joschka Fischer in Hannover seinen Höhepunkt erlebt.

Mischung aus Popmusik, Talk-Show und Politik

SPD und CDU setzten zum Abschluss auf das gleiche Konzept wie zu Beginn des Wahlkampfes. Während bei der CDU in Hannover die Reden der Spitzenpolitiker im Vordergrund standen, präsentierte die SPD in Braunschweig eine Mischung aus Popmusik, Talk-Show und Politik. Für Gabriel spielten unter anderem Peter Maffay und Udo Lindenberg auf. Letzterer riet seinem alten Freund, dem «Harzer Rock’n’Roller» und seiner Partei: «Liebe Leute, keine Panik, alles klar für Sigmar.»

Michael Kirner und Ulrich Steinkohl / DPA