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Was mich bewegt: 100 Tage NSU-Prozess

Kann, oder will sich niemand erinnern? Im NSU-Prozess kommt die Wahrheit nur schleppend ans Licht, stattdessen wird geschwiegen - nicht nur für die Angehörigen der Opfer eine quälende Tortur.

Von Lena Kampf

Kommt die Wahrheit je ans Licht? Nach 100 Tagen NSU-Prozess und somit 100 Tagen Wahrheitssuche habe ich meine Zweifel. Seitdem Freunde, Nachbarn und mögliche Helfer der mutmaßlichen Rechtsterroristen im Zeugenstand sitzen, ist der Prozess schier unerträglich geworden.

Quälend, wenn der Satz „Ich kann mich nicht mehr erinnern“ immer wieder fällt. Ich denke: Man will sich einfach nicht erinnern. #link;http://www.stern.de/politik/deutschland/nsu-prozess-zeuge-verweigert-aussage-2100549.html;Diejenigen, die nah dran waren am Trio, verweigern sich dem Gericht#.

Eine Tortur - nicht nur für die Angehörigen der Opfer

Ein enger Freund von Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt sagt allen Ernstes, damals, in den 90er Jahren, hätte sie Gorleben und die Atommüll- Frage am meisten bewegt. Eine Nachbarin aus Zwickau behauptet, Beate Zschäpes politische Einstellung sei „normal“ gewesen. Genauso normal wie ihre eigene wohl – sie klickt bei Facebook auf „gefällt mir“, wenn gegen Asylbewerber im Landkreis Stimmung gemacht wird. Einer, der den drei Flüchtigen eine Wohnung besorgte, gibt zu Protokoll, ihm sei es „egal, ob die nun einen Schokoriegel geklaut haben oder jemanden umgebracht“. „Normal“, „egal“! Ich finde, solche Aussagen sind eine Tortur, #link;http://www.stern.de/panorama/gamze-kubasik-heute-beim-nsu-prozess-ich-will-nicht-weinen-vor-denen-2069155.html;nicht nur für die Angehörigen der Opfer#. War das wirklich alles? Drei mutmaßliche Terroristen, ein paar vereinzelte Helfer und Sicherheitsbehörden, die nicht genau genug hingeschaut haben? Gut ein Jahr wird der Prozess noch dauern. Den Hinterbliebenen kann er nur gerecht werden, wenn die Mauer des Schweigens endlich durchbrochen wird.

Die Kolumne ...

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