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Zu Besuch in Deutschland: Gül wünscht EU-Vollmitgliedschaft

Themen gibt es für Abdullah Gül während seines Deutschlandbesuchs genug - wenn er denn zu Wort kommt. Angela Merkel blockt beim Thema EU-Vollmitgliedschaft ab. Seine Rede an der Humboldt-Universität musste sogar wegen einer Bombendrohung verschoben werden.

Am zweiten Tag seines Staatsbesuches ist der türkische Präsident Abdullah Gül mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengetroffen. Im Mittelpunkt des Gesprächs am Dienstag dürften die Beziehungen Ankaras zur Europäischen Union stehen. Gül hatte am Montag bereits zum Auftakt seiner Visite den Wunsch seines Landes nach einer Vollmitgliedschaft in der EU bekräftigt. Merkel hat der Türkei hingegen nur eine "strategische Partnerschaft" angeboten. Das lehnt die Türkei ab.

Überschattet wird der Besuch Güls von einer Bombendrohung. An der Berliner Humboldt-Universität habe die deutsche Seite darauf gedrungen, eine Rede Güls ganz abzusagen, meldeten türkische Zeitungen am Dienstag. Gül habe dies zurückgewiesen: "Entweder halte ich diese Rede, oder ich kehre sofort in die Türkei zurück", wurde er zitiert. Die Ansprache fand schließlich mit zweistündiger Verspätung statt.

Der türkische Präsident machte den Berichten zufolge Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für die Verzögerung und die Bombendrohung verantwortlich. Er werde sich aber "nicht dem Terror beugen", betonte er. Wenn er auf seine Rede an der Universität verzichtet hätte, wäre das ein Erfolg für radikale Kräfte gewesen, die sich dadurch ermutigt gefühlt hätten.

Mit Wulff nach Osnabrück

Gül hielt an der Universität die sogenannte Humboldt-Rede zu Europa. Die Bombendrohung sei 15 Minuten vor dem geplanten Beginn über den Polizeinotruf eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Das Audimax sei daraufhin geräumt worden. Experten fanden jedoch keinen Sprengsatz, sodass die Zuhörer wieder in das Gebäude gelassen werden konnten.

Nach dem Gespräch im Kanzleramt reist Gül mit Bundespräsident Christian Wulff weiter in dessen Heimatstadt Osnabrück. Damit revanchiert sich Wulff für eine Einladung des türkischen Staatspräsidenten im vergangenen Jahr in dessen zentralanatolischen Geburtsort Kayseri. In Osnabrück besuchen die beiden Staatsoberhäupter unter anderem die Universität, die seit einem Jahr den bundesweit ersten Weiterbildungsstudiengang für Imame anbietet.

ono/DPA/AFP / DPA