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"Hirntot, aber Herz schlägt noch" Angegriffener Busfahrer in Frankreich: Mehrere Tausend Menschen gehen für ihn auf die Straße

6000 Menschen bei Marsch in Frankreich
Rund 6000 Menschen bei einem Marsch in Frankreich für den lebensgefährlich verletzten Busfahrer
© Bob Edme / DPA
In Frankreich gingen mehrere Tausend Menschen für den lebensgefährlich verletzten Busfahrer auf die Straßen. Er hatte Menschen an der Bushaltestelle aufgrund von fehlender Corona-Schutzmaßnahmen abgewiesen und wurde dann von ihnen am Kopf verletzt.

In Bayonne im Südwesten Frankreichs sind laut Medienberichten rund 6000 Menschen auf die Straßen gegangen und haben an einem Marsch für den lebensgefährlich verletzten Busfahrer teilgenommen. 

Sie habe nicht mit so viel Unterstützung gerechnet, sagte die Frau des verletzten Busfahrers dem Fernsehsender BFMTV. Sie könne nicht sagen, dass es ihrem Mann besser gehe, aber es gebe ein wenig Hoffnung. Die Justiz werde ihr helfen, ihren Mann zu rächen, sagte die Frau Journalisten. In Paris, Straßburg, Bordeaux und weiteren Städten stoppten Berichten zufolge Busse um 19.30 Uhr für eine Schweigeminute. 

Busfahrer in Frankreich angegriffen

Der Angriff auf den 59 Jahre alten Busfahrer hatte in Frankreich für Entsetzen gesorgt. Berichten zufolge hatte der Fahrer am Sonntag im nahe der Grenze zu Spanien gelegenen Bayonne mehreren Menschen an einer Haltestelle zurückgewiesen. Sie wollten demnach trotz Maskenpflicht ohne Schutzmasken und gültige Fahrscheine in den Bus einsteigen. Die Zurückgewiesenen griffen den Busfahrer an; er wurde heftig auf den Kopf geschlagen. Er sei hirntot, aber sein Herz schlage noch, sagte seine Frau. 

Am Rande einer Demonstration von Mitarbeitern des Gesundheitswesens am Dienstag in Paris hat die französische Polizei Tränengas eingesetzt. Hintergrund der Demonstration war die Forderung für bessere Arbeitsbedingungen des Pflege- und Gesundheitspersonals in Frankreich. Das französische Gesundheitssystem ist während der Corona-Pandemie an seine Grenzen geraten. Und offiziellen Angaben zufolge sind rund 29.000 Menschen bisher an den Folgen der Pandemie gestorben. Daher fordern die Mitarbeiter des Gesundheitswesens nun vehement die von der Regierung versprochenen Veränderungen. Landesweit wurde zu Protesten aufgerufen. Nach Angaben der Gewerkschaften fanden rund 220 Versammlungen statt. Allerdings kam es in einigen Fällen wie hier in Paris zu Ausschreitungen. Nach Einschätzung der Polizei waren dafür gewalttätige Gruppen verantwortlich, die versucht haben, die friedliche Demonstration zu stören.
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Vier Tatverdächtige seien festgenommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP in Berufung auf die Staatsanwaltschaft von Bayonne. Demnach befanden sie sich in Untersuchungshaft. Gegen zwei von ihnen, einem 22- und einen 23-Jährigen, werde wegen versuchten Totschlags ermittelt, gegen die zwei weiteren Verdächtigen wegen unterlassener Hilfeleistung. 

Der Bus fuhr für einen Verkehrsverbund in der ländlichen Region im Département Pyrénées-Atlantiques. Als Reaktion auf den Angriff auf ihren Kollegen haben Busfahrer des Verbunds zu Beginn der Woche von ihrem Recht Gebrauch gemacht, wegen hoher psychischer Belastung ihre Arbeit zeitweise niederzulegen.

deb DPA

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