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Nachwuchssuche Giffey und Schwarz werben für Ausbildung in Handwerksberufen

Franziska Giffey (SPD), Regierende Bürgermeisterin, steht vor einem Haus, das mit Solarpanel ausgestattet wird.
"Handwerk hat goldenen Boden, das gilt heute mehr denn je", sagt Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey
© Wolfgang Kumm / DPA
Franziska Giffey rührt nun die Werbetrommel für Handwerksberufe. Denn zum Start des neuen Ausbildungsjahrs sind in Berliner Betrieben Tausende von Lehrstellen unbesetzt geblieben. 

Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und Wirtschaftssenator Stephan Schwarz haben für eine Ausbildung im Handwerk geworben. Von berlinweit insgesamt 15.000 Ausbildungsplätzen seien in diesem Sommer noch mehr als 7000 nicht besetzt, gerade in den Handwerksberufen seien noch viele frei, sagte Giffey am Dienstag bei einem gemeinsamen Besuch des Lehrbauhofs Fachgemeinschaft Bau in Berlin-Marienfelde. Bei der Berufswahl habe das Handwerk mehr Beachtung verdient. Es sei jetzt der richtige Zeitpunkt, sich noch dafür zu entscheiden.

Franziska Giffey selbst ein Handwerkerkind

"Handwerk hat goldenen Boden, das gilt heute mehr denn je", sagte Giffey, selbst ein Handwerkerkind, wie sie betonte. Handwerkliches Geschick – so viel Spaß muss sein – durfte sie vor Meistern und Azubis in Marienfelde dann gleich mehrfach zeigen: beim Ankleben einer Fliese oder beim Pflastern etwa. Und auch einen Nagel haute sie mit präzisen Hammerschlägen in den Holzbalken.

Der Fachkräftemangel sei enorm, gerade in der Baubranche, sagte Giffey. Die durchschnittlich 20.000 neuen Wohnungen im Jahr, die in Berlin nach dem Willen des Senats neu gebaut werden sollen, seien nicht zu schaffen, wenn im Handwerk der Nachwuchs fehle. "Wir können viele tolle Ziele aufschreiben. Wenn wir nicht die Leute haben, die wirklich bauen, wird es nicht gelingen", erklärte die SPD-Politikerin. "Genauso wie der Klimaschutz nicht gelingt, wenn man nicht die Energietechniker und die Bauelektriker hat. Deshalb halte ich es für extrem wichtig, dass wir das Handwerk unterstützen."

Wirtschaftssenator Schwarz (parteilos) ergänzte, Berufe im Handwerk seien traditionell, aber gleichzeitig auch extrem modern und auch mit Blick auf den Klimawandel immer wichtiger: Wer etwas für die Klimawende tun wolle, für den Schutz der Natur und des Planeten, der sei im Bauhandwerk richtig.

Handwerksberufe sind krisensicher

Schwarz wies auch auf die Berufsaussichten hin: "Wenn man sich perspektivisch die nächsten Jahre anschaut, werden wir immer einen Riesenbedarf an Handwerkerleistungen haben", so der Senator. Handwerksberufe seien absolut krisensicher. "Das war nicht immer so. Wir hatten in den 80er Jahren auch viele arbeitslose Handwerker. Aber das wird es in den nächsten Jahren nicht geben." Wer eine Ausbildung im Handwerk gemacht habe, müsse keine Angst vor Arbeitslosigkeit haben – im Gegenteil, sie sei die beste Versicherung dagegen.

Einer der Stahlbetonbauer-Auszubildenden warf dem Senat vor, landeseigene Wohnungen zu Schnäppchenpreisen verkauft zu haben. Heute seien die Mieten für Leute wie ihn kaum bezahlbar. Im sozialen Wohnungsbau werde auf der anderen Seite viel zu wenig investiert, kritisierte er. Giffey wies darauf hin, dass die angesprochenen Wohnungsverkäufe weit vor ihrer Zeit gewesen seien und versicherte, Rot-Grün-Rot werde mehr für bezahlbaren Wohnraum unternehmen.

Giffey und Schwarz informierten sich bei einer Tour durch Berlin über Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk, im Lehrbauhof in Marienfelde etwa über die Arbeit von Betonbauern, Fliesenlegern und Stuckateuren. Anschließend stand ein Besuch in einer Bio-Bäckerei in Charlottenburg und bei einem Gebäudetechnik-Betrieb in Kaulsdorf, der auf die Installation von Solaranlagen spezialisiert ist, auf dem Programm.

lhi dpa

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