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"Drittes Reich": Wie Hitler Kunst sammelte

Adolf Hitler hat von einem großen Museum im österreichischen Linz geträumt, das den Kunst-Kanon der Nazis widerspiegeln sollte. Des einstigen Kunstmalers Scheitern als Feldherr machte den Plan zunichte.

Der Maler Adolf Hitler hatte ein ganz persönliches Anliegen: Ein großes Museum in Linz an der Donau, das den völkischen Kunst-Kanon der Nationalsozialisten im weitesten Sinne widerspiegelte. Des Malers Scheitern als Feldherr machte den Plan schließlich zunichte. Das Schicksal der 4700 Kunstwerke, die dafür zusammen kamen, hat der Berliner Historiker Hanns Christian Löhr untersucht und die Ergebnisse in seinem Buch "Das Braune Haus der Kunst" veröffentlicht. Das Buch birgt dank eines angehängten Katalogs von 191 bislang verschollenen Werken einigen Sprengstoff: Erstmals wird es damit für Kunsthändler möglich, einen Überblick über "Beutekunst" zu erlangen und eventuelle Angebote auf Seriosität hin zu untersuchen. "Der Verdacht von Beschlagnahmung und Zwangsverkauf belastet viele Kunstwerke und ihre Eigentümer", heißt es im Waschzettel des Buches.

Löhr berichtet von Bildern, die jetzt in Museen und Sammlungen hängen und noch mit dem Stempel des Berliner Führerbaus versehen sind, in dem sie seinerzeit lagerten. Das Gebäude wurde damals geplündert; die Alliierten beschlagnahmten viel und gaben nicht alles zurück; vieles fiel Kunsträubern in die Hände; einiges wurde von der Bundesregierung in Bonn, anderes von der österreichischen Bundesregierung versteigert, und in vielen Sammlungen dieser beiden Staaten, Frankreichs, der Niederlande oder auch der Vereinigten Staaten finden sich Bilder aus der Sammlung. Unter ihnen sind Werke von Künstlern wie Carl Spitzweg oder Franz von Stuck, aber auch ausländische Gemälde, etwa niederländischer Künstler aus niederländischem Besitz, die dennoch teilweise von den jetzigen Inhabern nicht zurückgegeben wurden.

"Sonderauftrag Linz"

Wichtig für die Frage von Entschädigung ist auch, wie die Sammlung zu Stande kam. Hitler sammelte zunächst selbst. Später erteilte er den "Sonderauftrag Linz" und ließ Dresdner Museumsdirektoren sammeln. Allein die zugehörige Geschichte ist lesenswert. Löhr merkt zwar an, dass der Diktator selbst anfangs meist "Wald- und Wiesen-Bilder" etwa der Münchner Schule des 19. Jahrhunderts sammelte. Sein Verlagsleiter Gerhard Giesler sagte, in der Regel habe Löhr aber bei seiner Arbeit eher nach den Karteikarten des Bildes als nach der künstlerischen Qualität geschaut.

Löhrs Recherchen ergaben darüber hinaus, dass entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil nur ein kleiner Teil der Sammlungen - etwa zwölf Prozent - aus Beschlagnahmen oder Enteignungen stammte. Der weitaus größte Teil kam aus dem Kunsthandel, der sich allerdings vielfach die Situation der Verfolgten zu Nutze gemacht habe. Es seien auch Fälle belegt, in denen die Beauftragten Hitlers - der als "bildergierig" beschriebene preußische Ministerpräsident Reichsmarschall Hermann Göring gehörte dazu - die von den Nazis verfemte "entartete Kunst" erwarben und im Ausland, etwa in der Schweiz, wieder verkauften, um so den Bestand des geplanten Linzer Museums zu refinanzieren.

Thomas Rietig/AP / AP