HOME

Brandts UN-Rede: "Der Weg könnte besser sein"

Vor über 30 Jahren sprach Willy Brandt als erster deutscher Regierungschef vor der UN-Vollversammlung in New York. Viele Sätze der legendären Rede, die Brandt damals sagte, haben auch heute noch Gültigkeit.

Am 26. September 1973 hatte Willy Brandt als erster deutscher Regierungschef im Hochhaus am New Yorker East River eine legendäre Rede gehalten. Erst mehr als 30 Jahre später, im September 2003, war es dann Bundeskanzler Gerhard Schröder, der eine Rede vor der UN-Vollversammlung halten durfte. Der Kanzler hob darin die Bedeutung der Vereinten Nationen für den Weltfrieden hervor.

Bemühen um Entspannung

Erst wenige Tage vor der Ansprache Willy Brandts waren die Bundesrepublik und die DDR in die Weltorganisation aufgenommen worden. Brandts Rede war geprägt von dem Bemühen um Entspannung, nachdem die Teilung Deutschlands und der Welt sowie der Kalte Krieg Herde permanenter Weltkrisen waren. Aber viele Sätze, die Brandt damals sagte, könnten auch heute noch angesichts der gespannten Lage in Irak und Nahost von einem Deutschen vor der Weltorganisation gesagt werden.

Etwa der: "Wir sind nicht hier her gekommen, um die Vereinten Nationen als Klagemauer für die deutschen Probleme zu betrachten oder um Forderungen zu stellen, die hier ohnehin nicht erfüllt werden könnten. Wir sind vielmehr gekommen, um auf der Grundlage unserer Überzeugungen und im Rahmen unserer Möglichkeiten weltpolitische Mitverantwortung zu übernehmen."

Der Streit um eine "Schlüsselrolle" oder eine "entscheidende" oder eine "wichtige Rolle" für die Vereinten Nationen in Irak scheint in einer anderen Passage Brandts anzuklingen: "Manche Kritik an den Vereinten Nationen klingt bitter, zynisch, ist von fast jubilierendem Pessimismus - so, als hoffe man heimlich, dass die Schwächen der Organisation Idee und Ziel widerlegten. Doch Rückschläge auf dem Weg zu einem Ideal beweisen nicht notwendig, dass jenes Ideal falsch war, sondern oft nur, dass der Weg besser sein könnte."

Über den bis heute ungelösten Nahost-Konflikt sagte Brandt damals: "Meine Regierung teilt die Hoffnung, dass die internationale Gemeinschaft vor den Möglichkeiten einer Vermittlung nicht resigniert."

1976 erstmals im Sicherheitsrat

In den 30 Jahren UN-Mitgliedschaft sticht 1976 die erste Wahl der Bundesrepublik als nicht-ständiges Sicherheitsratsmitglied für die Sitzungsperiode 1977 bis 1978 hervor. 1980-1981 wird die DDR nicht-ständiges Mitglied in dem exklusiven Gremium und 1987-1988 erneut die Bundesrepublik.

Die UN-Botschafter beider deutscher Staaten wurden auch zu Präsidenten von Generalversammlungen gewählt: der Vertreter Bonns, Rüdiger von Wechmar, im Jahre 1980 und der Vertreter Ost-Berlins, Peter Florin, 1987. Mit dem Tag der Vereinigung am 3. Oktober 1990 entfiel die Mitgliedschaft der DDR, die Bundesrepublik firmiert bei den UN seither unter dem Begriff "Deutschland".

1992 beteiligt sich Deutschland erstmals an Materiallieferungen für die UN-Friedenstruppe UNPROFOR im ehemaligen Jugoslawien. Im selben Jahr kommt es zum ersten deutschen Blauhelmeinsatz in Kambodscha. Es folgen unterschiedliche UN-Einsätze in Somalia (1993/94), Kuwait und Irak (1995), im Rahmen von IFOR im ehemaligen Jugoslawien (1996), SFOR in Bosnien (1997), KFOR und UNMIK in Kosovo sowie UNAMSIL in Sierra Leone (1999).

Nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat

2001 arrangierte die Bundesrepublik auf dem Petersberg bei Bonn die UN-Afghanistan-Konferenz über die Bildung einer Übergangsregierung unter dem Paschtunenführer Hamid Karsai nach der Vertreibung der Taliban von der Macht. Ein Jahr später wurde das geeinte Deutschland zum zweiten Mal nach 1994 für zwei Jahre als nicht-ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat gewählt. Vor dem Beginn des Irak-Krieges am 20. März warnte Außenminister Joschka Fischer mehrfach durch persönliche Auftritte im Sicherheitsrat vor den unabsehbaren Risiken eines militärischen Vorgehens für die Region.

Frieder Reimold/AP / AP / DPA