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WAS MACHT EIGENTLICH...: ...Margarete Maultasch

Die Herzogin von Kärnten und Gräfin von Tirol hat sich aufs Altenteil nach Wien zurückgezogen und ihr begehrtes Erbe den Habsburgern überlassen

Die Herzogin von Kärnten und Gräfin von Tirol hat sich aufs Altenteil nach Wien zurückgezogen und ihr begehrtes Erbe den Habsburgern überlassen

STERN: Margarete, alle Welt nennt Sie abschätzig »Maultasch« - wegen Ihrer, mit Verlaub, zu groß geratenen Schnauze.

MARGARETE: Eigentlich sollte ich Sie jetzt vierteilen oder in kochendem Öl sieden lassen. Doch soll bei einem Schreiberling Gnade vor Recht ergehen. Zugegeben, ich bin ein wenig in die Breite gegangen, aber die sich vorwulstende Mundpartie, die elende Spötter an mir entdecken wollen, sehen Sie die?

STERN: Nun, einen Kirschmund haben Sie gerade nicht. Und Ihr Kinn ist, mit Verlaub, schon etwas markant ...

MARGARETE: Energisch, würde ich sagen, und meine Freier haben darüber großzügig hinweggesehen ...

STERN: ... weil Sie als Erbin von Tirol, der »Brücke nach Italien«, eine der besten Partien im deutschen Reich waren.

MARGARETE: Genau damit fing der Ärger an. Mein Vater hat mich als Kind gegen windige Geldversprechen an die Luxemburger verschachert. Mein erster Ehemann, der kleine Prinz Johann Heinrich von Luxemburg-Böhmen, erwies sich als totale Niete.

STERN: Von einem Achtjährigen konnte man ja wohl kein großes Stehvermögen im Bett verlangen.

MARGARETE: Stimmt schon. Aber ich war bei der Hochzeit immerhin schon zwölf. In den elf Jahren unserer Ehe war und blieb er ein Simpel, der mich bloß in die Brustwarzen gebissen hat.

STERN: Noch heute erinnert man sich genüßlich an den »Tirolischen Eheskandal«, den Sie damals angezettelt haben.

MARGARETE: Ich habe schlicht die Scheidung beantragt - wegen Nichtvollzugs des ehelichen Beischlafs. In Adelskreisen ein Routineschritt ...

STERN: ... um unfruchtbare Ehefrauen loszuwerden ...

MARGARETE: ... und ich drehte den Spieß halt um. Johann war tatsächlich impotent, und so einen Waschlappen akzeptierten meine wackeren Tiroler nicht.

STERN: Mußten Sie ihn aber vor aller Öffentlichkeit blamieren?

MARGARETE: Nach elf zermürbenden Ehejahren hatte ich das Maul- und Stillhalten einfach satt. Gut, da habe ich ihn eben ausgesperrt, als er von einem seiner zahlreichen Jagdausflüge nach Schloß Tirol heimkehrte.

STERN: War Ihr zweiter Mann auch so ein Versager?

MARGARETE: Nun - als mich mein zweiter Schwiegervater, Kaiser Ludwig, der Wittelsbacher, nach der Hochzeitsnacht fragte, ob sich sein Sohn Ludwig junior als Mann bewährt habe, konnte ich »Bestens!« antworten. Aber geliebt habe ich ihn nicht, er war eher mein Begatter. Doch wir haben uns gegenseitig respektiert.

STERN: Sowohl Ihr zweiter Mann Ludwig als auch Ihr gemeinsamer Sohn Meinhard starben plötzlich und unerwartet. War das Gottes Werk, oder hatten Sie Ihre Hand im Spiel?

MARGARETE: Ein infames Gerücht. Noch so eine Frage, und ich komme auf das siedende Öl zurück

STERN: Nachdem es mit den Luxemburgern und den Wittelsbachern nicht geklappt hat, haben Sie jetzt Tirol an die Habsburger abgetreten. Ohne Heirat. Hat Sie keiner mehr genommen?

MARGARETE: Ich gehe jetzt auf die 50 zu und fühle mich zu alt für die Ehe und für Kinder. Außerdem haben die Habsburger auch ohne Margarete Maultasch genug Probleme mit ihren hängenden Unterlippen.

Verfasser des historischen Romans »Die häßliche Herzogin Margarete Maultasch«:

Lion Feuchwanger

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