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G20-Randale Krawall um jeden Preis - das ist der Schwarze Block

Schwarzer Block Schanze
So sieht es aus, wenn der Schwarze Block in Aktion tritt: es geht, wie fast immer, um die Konfrontation mit der Polizei
© Matthias Schrader/AP
Nicht jeder im Schwarzen Block ist ein Gewalttäter, aber viele Gewalttäter sind im Schwarzen Block. Die linksextremen Protest-Profis sind berüchtigt für Krawall. Gewalt nennen sie verherrlichend "Widerstand".

Als die Polizei begonnen hatte, die "Welcome to Hell"-Demo am Hamburger Fischmarkt aufzulösen, als die Wasserwerfer begannen, ihre Ladungen in die Menge zu schießen und die Polizei in die Menschenmassen stürmte, da sah jeder, der halbwegs bei Verstand war zu, schnell wegzukommen. Für die Randaleprofis aber war es das Signal, auf das sie schon gewartet hatten. Aus Hausecken und Gebüschen sprinteten sie plötzlich hervor, zogen schwarze Halstücher hoch- und Sturmmasken herunter. In Dreier-, Vierer- und Fünfergrüppchen stürmten sie den Massen entgegen, dorthin wo es gleich wehtun wird.

Im Schwarzen Block kann jeder abtauchen

Es sind solche "erlebnisorientierten Jugendlichen", wie die Polizei die Krawallmacher nennt, die die Anti-G20-Demo am Donnerstag zur gefürchteten Veranstaltung machten. Dabei war es noch gar nicht losgegangen, denn die Sicherheitskräfte hatten den Zug aus gut 10.000 Leuten schon wieder gestoppt. Offizielle Begründung: Verstoß gegen das Vermummungsverbot. In Hamburg eine Straftat. Vermummung aber ist das Markenzeichen des sogenannten Schwarzen Blocks: schwarze Mützen, schwarze Sonnenbrillen, schwarze Hosen und Oberteile, schwarze Masken. Es gibt ihn auf jeder größeren Linken-Demo, er wirkt furchteinflößend, ist er auch, nur homogen, das ist er nicht.

Unter den martialisch uniformierten Demonstranten gibt es sowohl Gewalttäter als auch normale Aktivisten, es gibt Jugendliche und Senioren, selbst Rechte mischen sich mittlerweile darunter - im Schwarzen Block kann jeder abtauchen, der irgendwie, irgendwas gegen "das System" hat und dies auf der Straße kundtun will. "Der Schwarze Block ist eine Aktionsform, eine Taktik für Demonstrationen", sagte der Protestforscher Simon Teune von der TU Berlin in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Durch einheitliche Kleidung, Sonnenbrillen und Kapuzen und durch Front- und Seitentransparente will man kompakt auftreten, nicht identifizierbar sein und Eingriffe der Polizei verhindern."

Angekündigt war der "größte Schwarze Block Europas"

Der Verfassungsschutz schreibt auf seiner Internetseite, dass der Schwarze Block ein "punktueller Zusammenschluss gewaltorientierter Linksextremisten" sei. Zu den Anti-G20-Protesten in Hamburg gingen Aktivisten und Polizei davon aus, dass rund 8000 von ihnen aus ganz Europa nach Hamburg anreisen würden. Vollmundig wurde der "größte Schwarze Block Europas" angekündigt. Die Plakate für den "Welcome to Hell"-Protestzug, die schon Wochen vor dem Gipfel in den einschlägigen Ecken wie St. Pauli und dem Karoviertel aufgehängt worden waren, zeigen die brennende Silhouette Hamburgs. Es hätte auch das Werbeposter für Roland Emmerichs neuen Blockbuster sein können.

Die Hansestadt ist unter den Linksautonomen beliebtes "Auswärtsspiel" weil sie hier auf viele gleichgesinnte Freunde treffen. Neben Griechen und Franzosen gelten Italiener als besonders geübt in solchen Auseinandersetzungen. Anwohner des Schanzenviertels, das am Freitag unter anderem von schwarz gekleideten Randalierern in Schutt und Asche gelegt wurde, berichteten davon, dass einige der Plünderer und Steinewerfer kein Deutsch gesprochen haben.

Beim G8-Gipfel 2001 in Genua hatte sich der Schwarze Block zwei Tage lang Kämpfe mit der Polizei geliefert, ein Teilnehmer wurde erschossen. Zum Thema Gewalt haben die Protestprofis eine ganz eigene Sicht: "Wir üben keine Gewalt aus, wir leisten Widerstand. Gewalt geht von den herrschenden Verhältnissen aus", sagte Andreas Beuth, linker Anwalt und Versammlungsleiter der "Welcome to Hell"-Demo in einem "Taz"-Interview. Nach den beispiellosen Ausschreitungen im Schanzenviertel einen Tag später sagte Beuth im NDR: "Ich als Sprecher der Autonomen habe gewisse Sympathien für solche Aktionen. Aber doch nicht im eigenen Viertel. Warum nicht in Pöseldorf oder Blankenese?" Es ist auch dieser zynische Umgang mit Leib und Leben der anderen, der den Ruf des Schwarzen Blocks so unappetitlich macht - auch in den eigenen Reihen.

"Es gibt eine Strömung innerhalb der radikalen Linken, die sich von der rituellen Konfrontation mit der Polizei absetzt", sagt Protestforscher Simon Teune. Dieser Teil der Szene habe den Konsens: 'Von uns geht keine Eskalation aus, unser Gegner ist nicht die Polizei.' Diese Heterogenität aber ist Vor- und Nachteil zugleich. Da es im Schwarzen Block kaum Hierarchien, Pläne und koordiniertes Vorgehen gibt und Absprachen oft nur in kleinen Gruppen getroffen werden, ist das Verhalten der Teilnehmer oft schwer vorherzusehen. Während die einen schon vor Beginn auf Zinne sind, entscheiden sich andere, wenn überhaupt, erst spontan zu "Widerstand", oder wählen die sogenannten Out-of-control-Taktik, um den Sicherheitskräften eins auszuwischen. Anwalt Beuth sagt dazu: "Es bringt nichts, super peacig anzufangen und sich dann langsam zu steigern. Wir wollen zeigen: Das läuft so nicht und ihr macht nie wieder einen Gipfel in einer europäischen Großstadt. Um das deutlich zu machen, sind einige Leute bereit, ein gewisses Risiko einzugehen."

Schwarzer Block auch in Ägypten

Die teilweise ausgeklügelten Demo-Taktiken hatten fast 40 Jahre Zeit zu reifen. Der erste Schwarze Block in Deutschland ging am 1. Mai 1980 in Frankfurt auf die Straße. Seitdem ist er fester Bestandteil jeder größeren Aktion von Linken: Ob Gorleben-Proteste, Besetzung der Hamburger Hafenstraße bis zu den traditionellen 1.Mai-Demos - die dunklen Gestalten tauchen so verlässlich auf, wie das Amen in der Kirche. Selbst bei Protesten gegen den damaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi 2013 gab es einen Schwarzen Block. Der sollte nach eigenem Bekunden als eine Art "Sicherheitseinheit" gegen die Schlägertruppen des Regimes dienen.

G20-Krawall: "Kapitalismuskritische" Apple-Fans

Politisch verkauft sich der Schwarze Block als globalisierungs- und kapitalismuskritisch. Wenn es zu Ausschreitungen kommt, sind deshalb auch oft große Geschäftsketten das Ziel von Steinewerfern und Brandstiftern. Manchmal aber auch nicht. Im Schanzenviertel wurde ein Geschäft der Drogeriekette Budnikowski zerlegt, die in Hamburg als Inbegriff des anständigen, sozialen und fairen Händlers gilt. Ein anderes Ziel der Attacken der völlig enthemmten Attackierer war ein Apple-Händler. Zeugen zufolge sollen die Plünderer massenhaft iPads und iPhones rausgetragen haben. Und angeblich gingen sich die Autonomen sogar gegenseitig an die Gurgel im Kampf um die cooleren Modelle. Wenn das stimmt, dann dürfte das endgültig die Bankrotterklärung des linken "Widerstands" sein.


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