stern-Umfrage Wähler honorieren neue SPD-Spitze


Was ein Wochenende bewirken kann: Nach dem Wechsel an der Parteispitze kann die SPD in einer Forsa-Blitzumfrage des stern deutlich zulegen. Die Basis steht mit großer Mehrheit hinter dem neuen Führungsduo Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering. Auch gegenüber der Kanzlerin holt der Außenminister auf.

Der überraschende Führungswechsel und die Kür des Kanzlerkandidaten haben sich für die SPD schon binnen weniger Tage ausgezahlt: In einer Blitzumfrage für den stern und den Fernsehsender RTL steigen die Sozialdemokraten in der Wählergunst um vier Punkte auf 26 Prozent. Bereits in der vorigen Woche hatten sie sich in der wöchentlichen Politumfrage des Hamburger Magazins auf 22 Prozent verbessert. "Das ist ein gutes Signal. Da ist noch viel Potential nach oben, und das werden wir ausschöpfen", sagte Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee, SPD, zu stern.de. Auch Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD, ist hoch zufrieden. "Die Ergebnisse zeigen, dass das Duo Steinmeier und Müntefering große Akzeptanz in der Bevölkerung genießt. Es gibt eine Welle, die Steinmeier ins Kanzleramt tragen wird", sagt er stern.de.

Die anderen Parteien können von den chaotischen Tagen bei der SPD nicht profitieren. Die Union verharrt wie in den Wochen zuvor bei 37 Prozent. Die FDP fällt um einen Punkt auf elf Prozent. Die Grünen, die in den vergangenen Wochen bei zehn Prozent lagen, sanken um zwei Punkte auf acht Prozent. Der Wert für die Linke blieb, immerhin, stabil. Sie kommt auch nach dem Führungswechsel bei den Sozialdemokraten auf 14 Prozent.

Steinmeier gewinnt gegenüber Merkel

Die Situation ein Jahr vor der Bundestagswahl hat sich damit entscheidend gewandelt. In der vergangenen Woche hatte Schwarz-Gelb mit 49 Prozent noch einen Vorsprung von vier Punkten vor dem linken Lager, das nur 45 Prozent erreichte. Nun herrscht ein Patt: Zusammen liegen Union und FDP mit 48 Prozent gleichauf mit SPD, Grünen und Linken.

In dem für den bisherigen Vorsitzenden Kurt Beck oft schmachvollen Direktvergleich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt Frank-Walter Steinmeier nun ein wesentlich besseres Bild ab. Während Beck seit Mai dieses Jahres zwischen zehn und zwölf Prozent dümpelte (und Merkel sich schier unerreichbar knapp unter 60 Prozent hielt), steht Steinmeier direkt besser da: Gefragt, wen sie zum Regierungschef wählen würden, entschieden sich in der Montagsumfrage von stern und RTL 49 Prozent für Angela Merkel und 28 Prozent für Steinmeier. Im Vergleich mit Beck hat Merkel acht Punkte eingebüßt. Vergangene Woche lag sie da bei 57 Prozent, 45 Punkte vor Beck.

Die Wähler beurteilen Umsturz positiv

Auch wenn das Wochenende chaotisch erschien: Generell werden die Personalentscheidungen in der SPD von den Deutschen überwiegend positiv beurteilt. 54 Prozent begrüßen die Lösung mit Steinmeier und dem designierten neuen Parteivorsitzenden Franz Müntefering, nur 32 Prozent finden sie nicht gut. Fast jeder Zweite (49 Prozent) glaubt, dass die beiden die SPD aus der Krise führen können. Ebenfalls die Hälfte der Bürger (52 Prozent) schätzt die Chancen nun größer ein, dass die SPD bei der nächsten Bundestagswahl ein gutes Ergebnis erzielen kann.

Die beiden Neuen, Steinmeier und Müntefering, holen enttäuschte Nicht-Wähler zurück. "Das ist die unmittelbare Wirkung des Führungswechsels", sagte Forsa-Chef Manfred Güllner im stern.de-Videointerview.

Ein Aufatmen geht durch die Partei

Die SPD-Personalentscheidungen, so Güllner, hätten zu einer Polarisierung geführt: Jetzt stünden die eigenen Leute - sowohl SPD-Anhänger als auch die der Union - stärker hinter den Kandidaten ihrer Partei. So würde Steinmeier von 70 Prozent der SPD-Anhänger gestützt, Beck habe nur Werte von weniger als 20 Prozent erreicht. Die Gefahr, dass Müntefering und Steinmeier ebenso wie Beck durch Quertreiber in der Partei beschädigt werden können, sieht Sozialdemokrat Wend nicht. "Die seriöse SPD-Linke weiß: Wir haben unsere letzte Patrone verschossen. Wenn die 2009 nicht trifft, haben wir verloren", sagt er zu stern.de.

In der Partei, die in den vergangenen Monaten heftig durchgeschüttelt wurde und von einer krisenhaften Situation in die nächste rutschte, ist ein Aufatmen zu spüren. Mehr als drei Viertel der SPD-Anhänger finden das neue Führungsduo gut. Und es gibt, nachdem die SPD monatelang in den Umfragen am Boden lag, ein neues Gefühl des Aufbruchs. Knapp drei Viertel der SPD-Sympathisanten sind sich sicher, dass Steinmeier und Müntefering die Partei aus der Krise führen können. Die Wahlchancen, sagen 73 Prozent der Anhänger, sind nun gestiegen.

hil/mw

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