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Bayerische Polit-Rebellin: Tschüss, Gabriele!

Sie hatte Pläne ohne Ende. Erst stieg Gabriele Pauli bei der CSU aus und bei den Freien Wählern ein. Nun will sie in den Bundestag - mit einer eigenen Partei. Die Freien Wähler hatten die Faxen dicke und schmissen sie kurzerhand raus. Hans Peter Schütz wundert es nicht. Ein Kommentar.

Ein paar Tränchen müssen wir schon wegdrücken. Wie hat sie sich doch mit den Machos und Altvorderen der CSU angelegt. Wie hat sie CSU-Parteitage, die in aller Regel nur hundertprozentige, langweilige Zustimmung zur Parteiführung kennen, aufgemischt. Wie hat sie die in der Vergangenheit in Bayern bei Landtagswahlen erfolglosen Freien Wähler geschultert und huckepack in den Landtag geschleppt. Mit lockerem Sprung überwand sie die Fünf-Prozent-Hürde. Irgendwie musste man ein Fan dieser Gabriele Pauli sein, einer ebenso gut aussehenden wie mutigen Frau in der Politik.

Sie fährt gerne Motorrad - und fuhr durch die Politik wie ein Easy Rider. Schon die CSU hatte es nicht leicht gehabt mit der ehemaligen Landrätin, weil Solidarität ihr fremd und Abstimmungsniederlagen unerträglich waren. Die Freien Wähler (FW) wiederum mussten sich erst mühsam daran gewöhnen, wie konsequent sie sich jedem ihr unbequemen Parteiwillen entzog. Als die FW sie auf einem Parteitag für die Landtagswahl nominierten, ließ sie einen Parteifreund ihre Bewerbungsrede halten. Derartige Rituale der Demokratie selbst wahrzunehmen, dafür hatte sie keine Zeit. Nach dem Wahlerfolg in München flog sie am liebsten nach Berlin, um sich dort politisch bewundern zu lassen. Unterm Strich blieb der Freie-Wähler-Fraktion im Landtag letztlich keine Wahl - raus mit ihr, Schluss mit der Pauli-Show.

Eine eigene Pauli-Partei?

Die Ankündigung, eine eigene Partei zu gründen, die schon zur Bundestagswahl antreten soll, konnte Gabriele Pauli wohl nur einfallen, weil ihr visionäres Sendungsbewusstsein jedweden Stand auf real existierendem Boden unmöglich macht. Ein Programm gibt es noch nicht, eine Satzung ebenso wenig. Ende Juni laufen die vorgeschriebenen Fristen für die Teilnahme von Parteien an der Wahl ab. Und selbst wenn sie wieder die Lattex-Handschuhen anziehen würde, dürfte sie den Sprung in den Bundestag im Alleingang nicht schaffen. Selbst ein Programm, bei dem die Forderung nach einer maximal siebenjährigen Ehedauer im Mittelpunkt stünde, für die Frau Pauli heftig wirbt, dürfte ein solches Wahlwunder nicht bewirken.

Warten wir also ab, ob sie - auf welche Weise auch immer - den bisherigen Unterhaltungsfaktor fortsetzen kann. An Selbstunterschätzung leidet sie gewiss nicht, so dass wir vielleicht sogar noch eine Kanzlerkandidatin Pauli erleben dürfen. Und wer wollte bestreiten, dass sie in einer gemeinsamen Runde mit den Kanzlerkandidaten der anderen kleinen Parteien eine brillante Figur angeben würde. Oskar Lafontaine und Guido Westerwelle dürften sich vermutlich nur mit größtem Zögern einer solchen Herausforderung stellen. Denn Frau Pauli wäre auch im Kreise dieser hoch begabten und sehr erfahrenen politischen Selbstdarsteller das Gesicht, das man mit größtem Wohlwollen betrachten würde.

Leider wird es so nicht kommen. Schade!