HOME

Pünktlichkeitsziel aufgegeben: Die Deutsche Bahn bleibt zuverlässig unpünktlich

Verspätete Bereitstellung, mehrere Personen im Gleis, ein Lokschaden - die Gründe für Verzögerungen bei der Deutschen Bahn sind endlos. Jetzt gibt sogar Bahnchef Lutz das Pünktlichkeitsziel für dieses Jahr auf.

Bahn-Vorstandschef Richard Lutz:  "Wir sind bei der Pünktlichkeit noch nicht da, wo wir hin wollen."

Bahn-Vorstandschef Richard Lutz:  "Wir sind bei der Pünktlichkeit noch nicht da, wo wir hin wollen."

Die Deutsche Bahn hat sich selbst ein Armutszeugnis ausgestellt: Das für 2017 ursprünglich angepeilte Ziel, dass 80 Prozent der Züge im Fernverkehr pünktlich ihr Ziel erreichen, gilt als verfehlt. "Wir sind bei der Pünktlichkeit noch nicht da, wo wir hin wollen", sagte der neue Bahnchef Richard Lutz der "Süddeutschen Zeitung".

Das Eingeständnis kommt noch vor dem ersten Wintereinbruch. Bekanntlich haben dann die Züge mit Schnee, eingefroren Weichen und vereisten Oberleitungen zu kämpfen. Durch die witterungsbedingten Beeinträchtigungen verkehren die ICE- und IC-Züge noch unzuverlässiger.

Tendenz fallend: Die Pünktlichkeitsrate der Deutschen Bahn 2017 im Fernverkehr

Tendenz fallend: Die Pünktlichkeitsrate der Deutschen Bahn 2017 im Fernverkehr


Doch der Fahrplan geriet schon in diesem Herbst aus dem Takt. Grund waren die beiden Herbststürme "Xavier" und "Herwart", als Strecken teilweise für mehrere Tage gesperrt werden mussten. "Dafür ist zu viel passiert, gerade im zweiten Halbjahr. Das ärgert uns. Wir hatten den Kunden mehr versprochen", sagt Lutz.

Planziel: Nur 15 Prozent der Züge dürfen verspätet sein

Langfristig planen die Bahner eine Pünktlichkeitsrate von 85 Prozent an. "Wir halten daran fest, auch wenn auf dem Weg dorthin beträchtliche Hindernisse zu beseitigen sind", so der Bahnchef. Dazu müsse entlang der Trassen der Baumbestand besser kontrolliert werden.

Die norddeutsche Eisenbahngesellschaft Metronom fordert schon seit langem die Einrichtung eines grünen Tisches "Grünschnitt". "Die Strecken müssen in einem Zustand sein, der jederzeit eine sichere, verlässliche und pünktliche Fahrt zulässt", sagt Pressesprecher. "Dazu gehört auch ein regelmäßiger und präventiver Grünschnitt entlang der Strecken. Die von Bäumen auf den Bahnbetrieb ausgehenden Gefahren müssen beseitigt werden."

Weitere Maßnahmen: Mehr Züge

Bereits in diesem Jahr hat die Bahn eine Pünktlichkeitsoffensive gestartet. Sogenannte Plan-Start-Teams sollen sich an zehn verschiedenen Knotenbahnhöfe um die planmäßige Abfahrt der Züge kümmern. Mit den Knotenkoordinatoren will die Bahn erreichen, dass "bis 2018 an diesen zehn Bahnhöfen 90 Prozent der Züge im Fernverkehr planmäßig abfahren", heißt es in einer Mitteilung.

Ein weiteres Problem hat das Unternehmen mit Lieferungsverzögerungen bei ihrem Beschaffungs- und Modernisierungsprogramm im Fernverkehr. Mit dem Fahrplanwechsel zum Winter werden endlich die ersten Exemplare des ICE4 regelmäßig zum Einsatz kommen. Bis 2023 soll die Flotte auf über 100 Stück anwachsen.

In der Schweiz gilt bereits eine Verspätung von drei Minuten als unpünktlich. An diesen Maßstäben gemessen wäre die momentane Pünktlichkeitsrate der Deutsche Bahn jedoch katastrophal.

Bahn präsentiert ICE 4


Wissenscommunity