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Rundreise durch Spaniens Norden: Wandern, bummeln, baden - wo Spanien nicht von Touristen überlaufen ist

Barcelona bricht aus allen Nähten, Mallorca ist überlaufen: Spanien gehört zu den Lieblingsreiseländern der Deutschen. Dabei hat der Mittelmeerstaat noch mehr zu bieten. Im Norden kann man noch ohne Touristenansturm urlauben.

Rundreise Asturien und Galicien

Wandern in Astruien, bummeln in Galicien: Der Norden Spaniens hat viel zu bieten - wie das schöne Bergpanorama in den Picos de Europa oder die Kathedrale in León.

Auf der Gabel stecken glibberige, weiße Fleischknubbel, die sich an den Kanten wellen. Soße tropft herunter auf das Schälchen, wo noch mehr von diesen liegen. So widerlich der Snack auch aussieht, er riecht köstlich. Nach Fleischeintopf, nach langem Schmoren, nach Gewürzen, Gemüse und viel Liebe. Es hilft nichts - man muss probieren. Und so wandert die Gabel mit den schlapprigen Stückchen in den Mund.

Was dort von den Zähnen zermalmt wird, nennt sich "oreja y morro" - grob übersetzt: Ohren und Schnauze und ist eben genau das. Die Teile des Schweins, die es hierzulande schwer in der Auslage beim Schlachter haben, sind in Galicien ein ganz alltägliches Essen. Und so kaut man die zähen Fetzen minutenlang weiter und spült sie mit einem großen Schluck saftigen Weißwein aus der Region herunter. Um eine Erfahrung ist man reicher - und um keinen Euro ärmer, denn das Essen gab es gratis zum Getränk dazu. Tapas-Kultur auf galicische Art.

Willkommen in Spaniens Norden, einer bislang etwas übersehenen Ecke des Landes. Lediglich die Spanier selbst lieben diesen Landstrich und kommen in den heißen Sommermonaten, um sich hier ein wenig Abkühlung (Auch hier werden locker 30 Grad erreicht) abzuholen. Reisende aus anderen Ländern trifft man nur selten. Und so verwandeln sich die Plätze und Straßen der Dörfer und Städte im Nordwesten allabendlich zu kleinen Flaniermeilen. Es gibt  Musik und Gelächter, laute Unterhaltungen und spielende Kinder, regionales Bier und Wein, Schinken, Käse - und eben Ohren und Schnauze in Soße.

oreja y morro

"Oreja y morro" - in Galizien kommt Deftiges auf den Tisch

Der Norden ist beim deutschen Urlauber bislang wenig im Fokus. Barcelona, die Costa del Sol oder die Balearen sind die bevorzugten Ecken. Lediglich ein paar Wanderer, die sich über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela schleppen, kennen die Ecke. Dabei hat der Norden viel zu bieten - und ist vor allem nicht so fürchterlich überlaufen. 

Schon die Ankunft ist überraschend. Denn der Flughafen in Oviedo ist winzig, eher wie ein Busbahnhof. Hier drängeln keine Touris am Gepäckband. Die Entschleudnigung beginnt direkt nach der Landung. Wer den Norden Spaniens bereisen will, sollte ein Auto mieten. Nur so gelangt man in die Dörfer an der Küste. 

Direkt am Meer entlang führt die Autobahn. Statt Bettburgen locken hier kleine Hotels und Pensionen mit rustikalen Häusern und ländlichem Charme. Von hier aus lassen sich prima Tagesausflüge zu Leuchttürmen wie dem Faro da Estaca de Bares oder dem Faro de Cabo Ortegal machen. Die kleinen Städte Viveiro oder O Vicedo bieten kleinen Stadtstrände, in den Bistros werden fangfrische Fische oder Meeresfrüchte angeboten. 

Meeresfrüchte zum Mittag

Meeresfrüchte zum Mittag: Ein großer Teller Scampis kosten mittags rund 12 Euro.

Als nächster Zwischenstopp bietet Santiago de Compostela Geschichte zum Anfassen. Wer mit dem Auto anreist, stellt dieses am besten außerhalb der alten Stadtmauern auf einen der bewachten Parkplätze. Wer keine Lust hat, das Gepäck wieder hoch zur Stadt zu schleppen, fährt bei der Unterkunft vorbei, wirft den Koffer ab, und parkt dann. Durch die Wanderer gibt es in Santiago Unterkünfte in allen Preiskategorien, allerdings ist in den Sommermonaten auch schon viel ausgebucht. Wer ein Zimmer ergattern konnte, flaniert dann am besten durch die schmalen Gassen und schaut dem Schauspiel vor der Kathedrale zu: Hier endet der der Camino de Santiago, der Jacobsweg. Gruppen sonnenzerbrutzelter Wanderer fallen sich in die Arme, es wird geweint, der Platz geküsst. 

Faro de Fisterra

Der Faro de Fisterra markiert des westlichsten Punkt Spaniens.

Ein Halbtagesausflug führt an des westlichsten Punk Spaniens, nach Fisterra - das Ende der Welt. Durch alle Epochen und Religionen war dieser Ort etwas besonders und wurde verehrt. Im alten Leuchtturm ist ein Restaurant und Café untergebracht. Es empfiehlt sich, vor den Reisebussen anzukommen, denn die Tische auf der zur Seeseite gewandten Terrasse haben einen großartigen Blick auf den Atlantik.

Zurück nach Santiago geht es entlang der Küste bis zum Praia de Carnota, einem kilometerlangen Sanstrand, der inzwischen unter Naturschutz steht. Er darf aber betreten werden - doch wer hier Müll liegen lässt, kriegt es schnell mit den Einheimischen zu tun. Die nämlich achten auf dieses Idyll. Mit dem Ergebnis: Fast karibisch mutet dieses Fleckchen Erde an. 

Praia de Carnota

Willkomen am Praia de Carnota in der Hauptreisezeit. Allerdings ist das Wasser mehr als nur erfrischend. Aktuell hat das Wasser nicht einmal mehr 20 Grad.

Wer nicht direkt bis León mit dem durchbrettern will, macht noch einen Abstecher nach Ponferrada. Das geht auf dem direkten Weg über den N547 und die N VI. Die Straßen sind top ausgebaut, das Reisen ist angenehm. Und die Strecke in gut 40 Minuten überwunden. 

Wer sich traut, nimmt den Weg über Ourense und die alte Landstraße N120. Die Wege kräuseln sich um Hügel und kleinere Flüsse, Serpentinen schlängeln sich über Berge und an Stauseen entlang. Mit gut einer Stunde braucht man auch auf diesem Weg nicht sehr lange. In Ponferrada selbst lohnt ein ungläubiger Blick auf die Burg, bei der seit dem 12. Jahrhundert unzählige Male um- und angebaut wurde, so dass ein flirrender Stilmix entstand. Nicht immer ganz hübsch, aber über Geschmäcker lässt sich ja streiten.  

Ponferrada

Die Burg von Ponferrada

Weiter geht es nach , Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Universitätsstadt ist quirrlig, Touristen und Einheimische prägen gleichermaßen das Straßenbild. Gerade am Abend verlegt sich das Leben in León auf die Straße: Auf den Parkbänken schnattern ältere Damen, Kinder spielen auf den Plätzen, Studenten klampfen auf Gitarren, aus den Tapasbars dringt Gelächter. Wirklich Essen gehen lohnt kaum, denn wer in den Tavernen oder Kneipen etwas zu trinken bestellt, bekommt winzig kleine Biere - und immer ein Häppchen zu essen. Mal sind es Stockfischkroketten, mal Schinkenbrote, mal Käse, mal Mayo-Salate. Und so kann man einen sehr vergnüglichen Abend in den Altstadtgassen mit Snacks und Cañas (ein kleines Glas Bier) haben. 

Wer hier Station macht und fürstlich residieren möchte, sollte im Parador einchecken. Die staatliche Hotelkette bietet Übernachtungsmöglichkeiten in historischen Bauwerken an. In León nächtigen Urlauber im Convento de San Marcos, einer alten Klosteranlage aus dem 16. Jahrhundert. Wo einst Pilger untergebracht wurden, residieren heute Gäste mit allerlei Annehmlichkeiten. Allerdings teilt auch dieses Parador-Hotel das Schicksal vieler weiterer: Sie sind ein wenig in die Jahre gekommen und könnten eine kleine Modernisierung vertragen.

Wandern in Asturien

Wandern in Asturien

Dann geht es weiter Richtung Asturien und somit zurück an die Küste. Doch neben dem maritimen Einfluss zählt dieser Landstrich noch ein ganze anderes Natur-Highlight sein Eigen: Die Picos de Europa, also die Gipfel Europas. Dieses Gebirge bietet rund 200 Gipfel über 2000 Metern. Als Ausgangspunkt bietet sich der Ort Cangas de Onís an, in dem früher die Könige von Asturien residierten. Abgeschiedene Berghütten sind perfekt für Familien und Paare, die sich erholen wollen. 

Picos de Europa

Großartige Aussicht in den Picos de Europa

Übernachten kann man in einsamen Berghütten oder Fremdenzimmern. Großen Komfort sollte man allerdings nicht erwarten, hier macht das Rustikale den Charme aus. Bei Airbnb oder auf Portalen für Ferienwohnungen wird man schnell fündig. Eine Übernachtung gibt es schon für 20 Euro.

Die letzte Etappe führt wieder zurück nach Oviedo und damit zurück zum Flughafen. Und wieder: Keine Gedränge, eine leere Halle. Nur ein Stand verkauft Brötchen und Kaffee, dazu frisch gepressten Orangensaft und Obst. Man sitzt draußen, wie in einem Café, mitten im nirgendwo. Und so wird selbst der Abschied zur Entspannung. 

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