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Sriwijaya Air Boeing-Unglück in Indonesien: Warum in Indonesien so viele Flugzeuge abstürzen

Sriwijaya-Air-Absturz: Für Angehörige des Fluges SJ182 wurde am Flughafen von Jakarta ein Krisenzentrum eingreichtet.
Sriwijaya-Air-Absturz: Für Angehörige des Fluges SJ182 wurde am Flughafen von Jakarta ein Krisenzentrum eingreichtet.
© Oscar Siagian / Getty Images
Am Wochenende ist in Indonesien erneut ein Passagierflugzeug kurz nach dem Start ins Meer gestürzt. Es ist nicht der erste Totalverlust der Fluggesellschaft Sriwijaya Air. Warum passieren so viele Unglücke in Südostasien?

Nur wenige Minuten nach dem Start auf dem Flughafen der indonesischen Hauptstadt Jakarta verschwand am Samstag die Boeing 737-500 von den Radarbildschirmen. An Bord waren 62 Menschen, die auf dem Weg nach Pontianak auf der Insel Borneo waren.

Schon am Sonntag empfingen Suchtrupps mit Sonargeräten die Signale der beiden Flugschreiber. Taucher fanden das Wrack in 23 Metern Tiefe und bergen seitdem Trümmerteile, persönliche Gegenstände des Fluges SJ182, sowie menschliche Überreste.

Die Ursache für das Unglück ist noch unklar. Zum Zeitpunkt des Unglücks gab es heftige Niederschläge – in dem Inselreich herrscht zur Zeit Regenzeit. Aufgrund der Wetterlage war der Jet auch mit einer Stunde Verspätung zum Start am Soekarno Hatta International Airport gerollt. Nur vier Minuten nach dem Abheben brachen der Kontakt der Fluglotsen zur Cockpitbesatzung und auch der Steigflug der Jets in einer Höhe von 3300 Meter ab.

Der fünfte Totalverlust von Sriwijaya Air

Bei dem Flugzeug mit der Kennung PK-CLC handelt es sich um eine knapp 27 Jahre alte Boeing 737-500, die zunächst von Continental Airlines in Dienst gestellt und ab 2012 von der indonesischen Fluggesellschaft Sriwijaya Air geleast wurde.

Zur Flotte der vor 17 Jahren gegründeten Fluggesellschaft gehören knapp 20 Jets unterschiedlicher Versionen der Boeing 737 – jedoch keine der umstrittenen Boeing 737 Max, die bis vor Kurzem mit einem weltweiten Flugverbot belegt war.

Bereits im Jahr 2008 kam es zu einem schweren Unfall. Eine Boeing 737-200 schoss in Jambi über die Landebahn hinaus und wurde so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr repariert werden konnte.

Zu ähnlich missglückte Landungen kam es 2011 und 2012: Die Piloten gelang es nicht, die Maschine jeweils rechtzeitig vor dem Ende der Landebahn zu stoppen. Auch diese beide Boeing-Jets musste Sriwijaya Air abgeschreiben. Nach Angaben des Hamburger Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre (Jacdec) handelt es sich jetzt um die fünften Totalverlust der Airline.

Glücklicherweise kamen bei allen Vorfällen keine Passagiere ums Leben, nur ein Bauer auf einem Feld wurde getötet. Nach Medienberichten waren 40 Passagiere an Bord, darunter sieben Kinder und drei Babys sowie zwölf Crew-Mitglieder.

Die Abstürze von Lion Air

Eine weitere Fluggesellschaft in Indonesien ist für eine hohe Zahl von Unglücken bekannt: Lion Air. Am 29. Oktober 2018 stürzte ein Jet des Billigfliegers kurz nach dem Start vor Java ins Meer. Es handelte sich um den ersten Absturz eine neuen Boeing 737 Max 8. Das mit 189 Personen voll besetzte Flugzeug war von Jakarta auf dem Weg nach Pangkal Pinang.

Auf dem Flughafen in Bali kam es zu mehreren Unglücken. Unter anderem schoss im April 2013 der Lion-Air-Flug 904 auf Bali über die Landebahn hinaus, stürzte ins Meer. Das Flugzeug zerbrach in zwei Teile. Im selben Jahr prallte eine aus Jakarta landende Boeing von Lion Air in Gorontalo auf der Insel Sulawesi mit einer Kuh zusammen und rutschte von der Landebahn.

Die Liste mit Flugzeugunglücken nur der Fluggesellschaft Lion Air ließe lange fortsetzten. Bei der erst 1999 gegründeten Billigfluglinie handelt es sich um die größte private Airline Indonesiens, die mit ihrer Flotte von mehr als 140 Flugzeugen 60 Ziele anfliegt. Sie gehört neben der staatlichen Garuada Indonesia und dem indonesischen Ableger von Air Asia zu dem Rückgrat des Luftverkehrs im Inselreich.

Air Asia Indonesia verlor Ende Dezember 2014 einen Airbus A320 auf dem Flug von Juanda auf Java nach Singapur bei schlechtem Wetter, wobei alle 162 Insassen ums Leben kamen. Als Grund wurde später der Ausfall eines Computersystems zur Steuerung der Ruder angeben. Oft wird bei Flugzeugunglücken in Indonesien eine Verkettung von Fehlern der Cockpit-Crew im Zusammenhang mit Wetterumständen und technischen Pannen als Ursache angegeben.

Das Flugzeug als das Verkehrsmittel zwischen den Inseln

Wie kaum ein anderes asiatisches Land sind die 264 Millionen Indonesier auf den Flugverkehr als Transportmittel angewiesen. Mit seiner Ausdehnung von Sumatra über Java und Bali bis Borneo und Neuguinea und mehr als 17.000 Inseln gilt Indonesien als größter Inselstaat der Welt.

Wegen Sicherheitsbedenken standen ab 2007 sieben indonesische Airlines auf der "schwarzen Liste" der Europäischen Union. Das bedeutete: keine Starts und Landungen auf Flughäfen der EU. Die aktualisierte schwarze Liste der EU-Kommission weist keine Fluggesellschaften aus dem südostasiatischen Land mehr aus.

Bis heute warnt die Website des Auswärtiges Amtes in Berlin Indonesien-Reisende: "Die Verkehrsinfrastruktur in Indonesien entspricht nicht europäischem Niveau. Straßen-, See- und Luftverkehr sind unfallträchtig. Verkehrswege sind nach Naturkatastrophen und zunehmenden Problemen mit Überschwemmungen in der Regenzeit in vielen Landesteilen zusätzlich beeinträchtigt. Es kommt nicht selten zu Unfällen mit Todesfolge, an denen Ausländer beteiligt sind", heißt bei den allgemeinen Reiseinformationen zu Indonesien.

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