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Broken Hill: Unter Tage im Outback

Ein ausgewanderter Sachse entdeckte 1883 die reichen Silberschätze von Broken Hill. Ein Strom von Glücksrittern folgte ihm in die australische Wüste. Jetzt kommen die Touristen.

Von Brigitte Zander

Nach einer staubigen Ruckelfahrt über rostfarbene Sandpisten landen wir an einer Wellblechhütte mit hölzernem Bohrturm. Daneben ein quadratisches Erdloch. Der düstere Eingang für eine unterirdische Erkundungstour. "Kopf einziehen", mahnt unser Tourguide Kevin White immer wieder. Denn der gewundene, kärglich beleuchtete Pfad schrumpft stellenweise auf Kinderhöhe.

Geduckt stolpert die Gruppe auf den Spuren der ersten Silberschürfer dreißig Meter in die Tiefe. Aus diesen Maulwurfsgängen, deren raue Wände noch viel versprechend glitzern, haben die Pioniere vor gut 120 Jahren Erzklumpen mit Meißel und Hammer geschlagen und tonnenweise ans Tageslicht geschleppt. "Bis die reichen Adern erschöpft waren. Dann buddelten die Männer ihre Löcher woanders", sagt Kevin. Sein "Loch" trägt den stolzen Namen "Day Dream Mine" und ist die einzige noch für Touristen begehbare historische Silbermine von Broken Hill.

Mr. White, ein grauhaariger 54-Jähriger aus Adelaide, ist gelernter Flugzeugingenieur. Mangels Job ging er in den Untergrund, verdiente jahrelang seine Dollars als Mineninspektor und übernahm das "Daydream"-Business, als der Vorgänger in Rente ging. Der karg besiedelte Riesenkontinent zwingt seine Bewohner zu Flexibilität und Mobilität. Die glänzendsten Chancen warten selten daheim. "Aus der Großstadt ins Outback zu ziehen war eine unserer besten Entscheidungen", findet Kevins muntere Ehefrau Beth, die täglich den verschmutzten Besuchern Tee kocht und Erzbrocken als Souvenir verkauft. Das Geschäft mit den Touris blüht.

Go Outback!

Das lange vergessene Bergbaustädtchen Broken Hill und die nahe gelegene Siedlung Silverton am westlichsten Rand von New South Wales, von Sydney gut 1200, von Melbourne 800 und von Adelaide 500 Kilometer entfernt, lockt neuerdings wieder jede Menge in- und ausländische Besucher an. Wer die gängigen Attraktionen Australiens wie Sydneys Opernhaus, den Ayers Rock und das Great Barrier Reef abgehakt hat, giert nach originellen neuen Zielen. "Go Outback" heißt das jüngste Reisemotto.

Das trockene Landesinnere gleicht nur auf den ersten Blick einer öden Marslandschaft aus tiefrotem Sand, bröckelnden Felsen, spärlichen Büschen und Spinifex-Gras unter stahlblauem Himmel. Aufmerksame Outback-Besucher finden jede Menge Naturwunder und spannende Historienstorys.

Gerade Broken Hill hat einiges an Vergangenheit zu bieten. Seinen Namen verdankt der Ort dem berühmten Australienforscher Charles Sturt, der 1844 vorbeireiste und den auffälligen bumerangförmigen Hügelzug als "broken hill" in seine Karte eintrug. An einem Septembertag 39 Jahre später tauchte ein Farmreiter namens Charles Rasp in diesem Eck der Wildnis auf. Der gebürtige Sachse, gelernter Ökonom und Ex-Soldat der Königlich Sächsischen Armee, war 1876 nach Australien ausgewandert. Schlimme Kriegserlebnisse und eine unglückliche Liebe sollen ihn getrieben haben. Er heuerte als Farmarbeiter an. Sein Chef schickte ihn später als Grenzreiter los, die Zäune seiner ausgedehnten Schaffarm zu kontrollieren.

Rasps wacher Blick

Während einer Rast an dem dominierenden Berg sammelte Rasp einige der schwarz schimmernden Gesteinsbrocken ein und ließ sie in Adelaide untersuchen. Die Analyse versprach Blei, Eisen, Silber und Bromid. Hoffnungsvoll gründete der Deutsche zusammen mit sechs Kumpels die "Broken Hill Proprietary Company" und bohrte den ersten Schacht in das australische "Erzgebirge".

Die Minenfirma BHP entwickelte sich zu einem der größten globalen Bergbaukonzerne mit einem prächtigen Hauptquartier in Melbourne. Mitbegründer Charles Rasp starb als reicher kinderloser Mann 1907 in Adelaide. Seine deutschstämmige Ehefrau Agnes Klevewahl brachte, den vergilbten Dokumente im Broken Hiller Museum zufolge, sein Erbe mit ihrem zweiten Ehemann, einem Graf von Zedwitz, in Berlin durch.

Broken Hill mit der nahen Bergbau-Sieldung Silverton war mit dem Ansturm der Glücksritter zu einer trubeligen Stadt gewachsen. Eines der bedeutendsten Minenzentren des Kontinents und der wichtigsten Lieferanten von blei-, zink-, und silberhaltigem Erz. Als der Vorrat an Bodenschätzen schrumpfte, geriet Broken Hill als Wüstenkaff in Vergessenheit. Straßennamen wie Bromide-, Sulphide- oder Oxide-Street, eingestürzte Buddelminen und hölzerne Fördertürme erinnern noch an den vergangenen Boom. Der historische Ort Silverton, wo Ende des 19. Jahrhunderts an die 3000 Kumpel hausten, buddelten, tranken und spielten, endete als Geisterstadt. Kirche, Rathaus, Hotel, selbst das Gefängnis und der Pionierfriedhof verfielen.

Genau dieser bröckelnde Charme samt staubiger Geisterstadt-Atmosphäre faszinierte Filmemacher aus aller Welt. Heerscharen von Kameraleuten haben in den vergangenen drei Jahrzehnten ihre Stative vor dem "Silverton Hotel", der strengen Methodistenkirche, dem historischen Gemeindehaus, dem "General Store", und der Post von Anno 1888 aufgebaut. Die verblichenen Fassaden tauchen in berühmten Streifen wie "Mad Max II", "Razorback", "A Town like Alice" und "Dirty Deeds" auf. Für Innenaufnahmen zur kultigen Schwulenkomödie "Priscilla, Queen of the Desert" wurde auch noch "Mario's Palace Hotel" in der Stadt Broken Hill pompös-bunt hergerichtet und die Hoteldecke mit einem sinnlichen Deckengemälde von Boticellis "Geburt der Venus" verziert. Heute verrenken sich Touristen die Hälse, um das gepinselte Prachtwerk über den hölzernen Treppenhaus-Ballustraden zu bestaunen, und anschließend einen Absacker in der schummrigen antiken Bar zu trinken.

Die Filmerei hat Silverton zu neuem Leben erweckt. 41 Künstler, Geschäftemacher und eigenbrödlerische Individualisten haben sich in den Ruinen inzwischen wieder wohnlich eingenistet und ihr "kleines Wüsten-Hollywood" für den wachsenden Besucherstrom aufgeputzt. Vor dem legendären "Silverton Hotel" steht noch immer das Oldsmobil aus "Mad Max II". In der verrauchten Bar serviert Chris Fraser hinter der wuchtigen Theke rosa Drinks. Von der Decke baumeln Bierdosen, Flaggen und Flugzeugattrappen. Chris ist ein exotischer Typ mit Nackentolle und kurzem Pony. Als 20-Jähriger hat er - wie viele Broken-Hill-Einwohner - auch bei Mad Max II mitgespielt: "Ich war ein Radler, der vorbeifuhr. Leider bloß für Sekunden."

Silverton hat sich der Kunst verschrieben

Im "Silverton Tea Room" serviert Margaret Anne Adwards neben Snacks und Cola auch antike Fläschchen und Krüge, die sie und ihr Mann aus den Müllhaufen der Erzsucher gewühlt haben. Im Gästebuch loben ihre Besucher das Angebot: Essen, Flaschenkollektion und Outback-Atmosphäre seien "bloody good".

Im ehemaligen "General Store" hat das Malerehepaar Albert und Bronwren Woodroffe seine "Horizon Gallery" eröffnet. Als Albert vor zwanzig Jahren aus einer Heimatstadt Sydney nach Broken Hill reiste, erwartete der gelangweilte Städter rote Sandstürme, endlose Weite, und bröckelnde Häuser. Stattdessen überwältigte ihn die magische Schönheit des Outbacks, das schillernde Licht und wechselnde Farbspiel. Auch die kumpelhafte Herzlichkeit der Bewohner überraschte ihn positiv. Albert experimentierte mit Kamera und Pinsel, um die bunte Wüste auf Bildern festzuhalten. Später heiratete er die junge Malerin Bronwren, und gründete die "Horizon Gallery". Heute verschifft der rustikale Fünfzigjährige Kunstwerke aus Broken Hill in die ganze Welt.

Derzeit schaffen rund dreißig hauptamtliche Künstler unentwegt, um Straßen, Pubs, Bergwerke, Vögel, Wolken und die Erdkrümmung am endlos weiten Wüstenhorizont auf Leinwand, Fotopapier, Steine oder Holzplanken zu bannen. Das Stilspektrum reicht von akribischer Naturpinselei über gewaltige Landschaftsorgien in Rot-Blau-Lila-Orange bis zum alternativen Mineralien-Feder-Puzzle.

Der berühmteste Maler von Broken Hill ist der vor einem Jahr verstorbene Bergmann Pro Hart, Begründer der australienweit bekannten Kunstschule "Brushmen of the Bush". Die "Pro Hart Gallery" mit seiner Privatsammlung und einem poppig bemalten Rolls-Royce davor wird heute von seiner Tochter weitergeführt. Kritische Ästheten halten sich an die "Regional Art Gallery", die eine Auswahl der bekanntesten weißen und Aborigine-Maler aus dem Westen präsentiert.Abends, wenn alle Galerien ihre Türen schließen, beenden Reisende ihren erlebnisreichen Tag stilvoll in der "Living Desert", dem Open-Air-Kunstgelände auf dem Gipfel der nahen Hügelkette. Dort haben zwölf Bildhauer auf Einladung von Broken Hill vor ein paar Jahren Fantasie-Skulpturen aus dem lokalen Sandstein gehauen. Die Werke wirken insbesondere bei Sonnenuntergang, wenn die letzten Strahlen die Kolosse vor dem endlosen Wüstenpanorama golden färben.

Broken Hill lebt aber längst nicht mehr nur von Kunst und vergangenem Ruhm. Dank moderner Schürftechnologie und explodierender Rohstoffpreise lohnt sich erneut der Abbau der noch in der Erde ruhenden Schätze. Die Stadt ist wieder auf rund 21.000 Einwohner angewachsen. In die Schächte des innerstädtischen Bergwerke "Delprats Underworld", jahrelang nur für neugierige Touristen reserviert, fahren wieder echte Bergleute ein. Und Frachtzüge voller Erz und Eisenplatten rattern vom Bahnhof Richtung Küste.

Auf Rasps "Erzgebirge" steht heute ein feines Bergrestaurant mit der Aussicht auf das Lichtermeer der Stadt. Und hoch auf dem Gipfel erinnert eine moderne Denkmalhalle an die 795 seit 1885 getöteten Bergleute. Ihre Namen und die Art des Unglücks sind hinter dickem Glas aufgelistet. Die "Miner" verloren ihre Leben durch Explosionen, Herzattacken, Gas- oder Bleivergiftung, und Stürze in ungesicherte Abgründe. Sie wurden in den Schächten von Felsen erschlagen, von Loren überfahren oder unter rutschenden Erzladung begraben. "Trotzdem hat der mögliche Reichtum immer neue Arbeiter angelockt", weiß Kevin White, der für die Führungen durch seine "Daydream-Mine" alle alten Dokumente studiert hat.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(