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Vorzeitiger Heimflug statt Insel-Hopping Kreuzfahrt und Corona: Ein Restrisiko reist an Bord immer mit

Seit Mittwoch, den 29. Dezember, liegt die "Aida Nova" von Aida Cruises im Hafen von Lissabon.
Seit Mittwoch, den 29. Dezember, liegt die "Aida Nova" von Aida Cruises im Hafen von Lissabon.
© Soeren Stache
Die "Aida Nova" ist kein Einzelfall: Mehrere Reedereien mit Passagieren aus Deutschland mussten wegen Corona ihre Kreuzfahrten vorzeitig beenden. Wer jetzt einen Urlaub auf dem Wasser geplant hat, muss flexibel bleiben.

Sie sind auf dem Rückweg nach Deutschland, statt wie ursprünglich geplant neue Häfen in Augenschein zu nehmen: Die knapp 3000 Gäste an Bord des Kreuzfahrtschiffes "Aida Nova", das seit mehreren Tagen in  Lissabon festhängt, weil sich 60 Crew-Mitglieder und acht Passagiere mit Covid-19 infiziert haben, in Quarantäne an Land mussten und nicht genügend Ersatzpersonal zur Verfügung stand.

Auch die Passagiere der "Mein Schiff 6" von Tui Cruises, die eigentlich im Persischen Golf ihre Reise fortsetzen wollten, werden am Montag zusammen mit den in Dubai planmäßig von Bord gehenden Gästen zurück in ihre Heimat geflogen. Das Schiff "unterbricht" die Cruise wegen "vereinzelter Fälle von Covid-19 an Bord", teilte die Reederei in Hamburg mit und spricht von einer "Vorsichtsmaßnahme zum Schutz der Passagiere und der Crew".

Wer in diesen Wochen eine Kreuzfahrt antritt, muss sich auf kurzfristige Änderungen einstellen. Eine Garantie, dass alle geplanten Landgänge, der ursprüngliche Reiseablauf eingehalten und der Ort der Ausschiffung mit der im Katalog beschriebenen Angabe identisch ist, gibt es nicht, wie seit Weihnachten mehrere Beispiele auf den Weltmeeren zeigen.

45 Passagiere der "MSC Grandiosa" in Genua unter Quarantäne

Bereits kurz vor dem Jahreswechsel hatte es mehrere positiv getestete Passagiere an Bord der Luxusschiffe "MS Europa" und "MS Europa 2" der Reederei Hapag-Lloyd Cruises gegeben. Die Schiffe waren zu eine Routenänderung beziehungsweise zum Abbruch der Reise in Dubai gezwungen. 

Kreuzfahrthafen Dubai
Am Hamdan Bin Mohammed Cruise Terminal im Hafen von Dubai liegen am 3. Januar 2021 sechs Kreuzfahrtschiffe (v.l.n.r.): "Costa Atlantica", "Costa Mediterranea", "MS Europa 2", "Le Jaques Cartier", "MS Europa" und "Mein Schiff 6".
© Screenshot Marine Traffic

Am Montagabend bestätigte auch MSC Cruises, dass im Hafen von Genua die aus Marseille eingetroffene "MSC Grandiosa" mehrere Coronafälle an Bord habe. Die betroffenen Personen seien von Bord, medizinisch versorgt oder isoliert worden. Die in Genf ansässige Reederei spricht von 45 positiv Getesteten, italienische Medien nennen dagegen 150 Fälle. Das Schiff wird am Dienstagmorgen im Hafen von Civitavecchia erwartet.

Trotz Abstandsregeln, Maskenpflicht und im vergangenen Jahr eingeführter und bewährter Hygienekonzepte sowie 2G-Regeln kommt es seit Mitte Dezember vereinzelt bei Routinechecks auf Kreuzfahrtschiffen zu positiven Corona-Testergebnissen. Analysen, wie hoch der Anteil der Omikron-Variante unter den Infizierten ist, liegen noch nicht vor.

Mitgehangen, mitgefangen

Die Häufung positiver Testergebnisse in jüngster Zeit bedeutet nicht, dass Kreuzfahrtschiffe generell "schwimmende Petrischalen" sind, sondern unterstreicht vielmehr die Tatsache, dass die jüngste Corona-Variante zurecht als hochansteckend gilt. Für die Kreuzfahrtbranche dürfte sich Omikron zum neuen Problem entwickeln. Große Megaliner mit mehreren tausend Menschen an Bord sind wie Kleinstädte auf dem Wasser und spiegeln daher auch das Infektionsgeschehen wie an Land wider.

Die angeblich "milden Symptome" beim Personal der "Aida Nova" sprechen für einen Ausbruch der Omikron-Variante. Doch wenn plötzlich für wichtige Bereiche an Bord erfahrene Crew-Mitglieder fehlen, wie zum Beispiel in der Maschine – bei der "Aida Nova" handelt es sich um das weltweit erste mit Flüssigerdgas betriebene Kreuzfahrtschiff – und keine Ersatzcrew aufgetrieben werden kann, wird der Fahrplan aus dem Rhythmus gebracht. Nach Reederei-Angaben wird die "Aida Nova" erst ab dem 15. Januar von Gran Canaria aus wieder in See stechen.

Es reicht schon ein Covid-19-Fall im beliebten Kidsclub, in dem auf Kreuzfahrtschiffen die Kinder betreut werden. Bis zum Alter von zwölf Jahren wird von den Reedereien keine Impfung, sondern nur ein negativer Test vor dem Boarding verlangt. Doch sollte auch nur ein Kind aus Schule oder Kindergarten eine schlummernde Infektion eingeschleppt haben, kann sich das Virus über die Familienkabinen und die Eltern rasch an Bord verbreiten.

Im Charterflugzeug vorzeitig zurück

Für die Reedereien wie Aida, Tui, MSC und Hapag-Lloyd Cruises treten die Neuinfektionen an Bord zur Unzeit auf. Das häufige Umdisponieren von Passagierströmen und Chartern von Flugzeugen wie im Fall der "Aida Nova" für 2844 Gäste von Lissabon nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz erfordert einen zusätzlichen personellen und finanziellen Aufwand.

Die Zeiten, dass Kreuzfahrtschiffe hohe Renditen einfahren, sind längst Geschichte. Das neue Jahr beginnt für manche Reederei heftig, zumal das Geschäftsmodell mit nur einer geringen Auslastung von 60 bis maximal 70 Prozent an Bord in Frage gestellt ist.

Traditionell ist der Monat Januar für die Reiseindustrie und besonders für die Kreuzfahrtbranche der wichtigste Buchungsmonat im Jahr. Eigentlich wird jetzt der Sommerurlaub geplant.

Da drücken die Corona-Hiobsbotschaften auf Stimmung und Buchungsbereitschaft. Und neues Geld fließt eh weniger auf die Konten der Reedereien, da viele der momentanen Passagiere ihre zum Teil mehrmals verschobenen Kreuzfahrten nur nachholen oder ihre Reisegutscheine eingelöst haben – wenn die Reise nicht vorzeitig abgebrochen wird.

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