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Thailand zehn Jahre nach dem Tsunami: Khao Lak blüht auf, Phuket hat Probleme

Vor zehn Jahren brachten die Tsunami-Killerwellen Tod und Zerstörung an Thailands Westküste. Jetzt boomt im Ferienort Khao Lak der Tourismus. Urlauber auf der Insel Phuket haben derweil andere Sorgen.

Von Michael Lenz, Phuket

Touristenattraktion in Khao Lak: Das vor zehn Jahren weit ins Hinterland gespülte Boot der Küstenwache.

Touristenattraktion in Khao Lak: Das vor zehn Jahren weit ins Hinterland gespülte Boot der Küstenwache.

War da was? Vor zehn Jahren rollte der Tsunami über die Ferienparadiese Phuket und Khao Lak hinweg. In Thailand starben mehr als 8000 Menschen, darunter viele Urlauber aus Deutschland und Skandinavien. Hotels, als auch ganze Thaidörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Fluchtartig verließen die überlebenden Touristen damals Phuket und Khao Lak. Der Tourismus an der Küste der Andamannsee schien in den Monsterwellen versunken zu sein.

Inzwischen haben Phuket als auch Khao Lak ein bemerkenswertes Comeback hingelegt. Außer an Jahrestagen spielt der Tsunami im Alltag kaum eine Rolle. "Keiner unserer Gäste fragt, ob Khao Lak sicher oder wie groß die Gefahr eines neuen Tsunami ist", erzählt Stefan Fässler, Generalmanager des Ramada Khao Lak Resort.

Eine Blitzumfrage unter Deutschen bei einem Straßenfest in Khao Lak, mit dem der Tourismusverband Ende November die Hochsaison einläutete, ergab: "Ach ja, stimmt, das war ja hier" oder "Passieren kann überall was". Die Tsunami-Denkmäler gehören zum Urlaubsprogramm wie Schnorchelausflüge zu den Riffen der Andamanensee oder Elefantenreiten im Dschungel.

Probleme mit der korrupten Polizei

Auch der zehnte Jahrestag des Tsunami selbst hat keine Auswirkungen auf den Tourismus von Khao Lak und Phuket. Weder gebe es "Tsunami-Gedenkenbuchungen" noch hätten Urlauber deswegen Reisen storniert, sagen übereinstimmend die Hotelmanager beider Urlaubsziele. Sie treiben vielmehr andere Sorgen um. Die Buchungen zur Hauptsaison sind wegen Putsch und Kriegsrecht schwächer als in den Vorjahren. Hinzu kommen in Phuket die hausgemachten Probleme wie die exorbitant hohen Preise für Fahrten mit Tuk Tuks und Taxis, die betrügerische Jet-Ski-Mafia an den Stränden, die aggressiven Schneiderschlepper, Massagedamen und Souvenirverkäufer.

Wer sich auf Phuket gegen Nepp und Betrug wehrt, riskiert seine Gesundheit, wie die Berichte in der Lokalpresse über Gewalt gegen Touristen zeigen. Hilfe von der Polizei ist kaum zu erwarten. Und wenn doch, dann kostet sie. Die thailändische Polizei gilt als durch und durch korrupt. Das belegte der Fall mehrerer hochrangiger Polizisten, die in Bangkok wegen Bestechlichkeit verhaftet worden waren. In den Häusern der Polizeioffiziere hatten die Ermittler säckeweise Bargeld und Stapel von Goldbarren gefunden.

Strandete am Waldrand: dasselbe Boot kurz nach der Tsunamiwelle im Januar 2005.

Strandete am Waldrand: dasselbe Boot kurz nach der Tsunamiwelle im Januar 2005.

Die Polizei hatte auch im Fall des Doppelmords an britischen Urlaubern auf der Insel Koh Tao versagt. Statt zu ermitteln, wurden flugs birmanische Migrantenarbeiter zu Sündenböcken erklärt, während der Hauptverdächtige weiterhin auf freiem Fuß ist. Der Mann ist halt der Sohn des Bürgermeisters. "Trauen Sie der thailändischen Polizei?", fragte im Dezember die "Phuket Gazette" ihre Leser. 69 Prozent der Umfrageteilnehmer - Thais, Touristen und auf Phuket lebenden Ausländer - sagten, "Nein, den meisten Polizisten kann man nicht trauen" beziehungsweise "Nein, thailändischen Polizeibeamten kann man gar nicht trauen".

Touristen werden erpresst

Auf Phuket und in Bangkok sieht sich die Polizei dem Vorwurf der Erpressung von Touristen ausgesetzt. Auf der Sukhumvit Road, einem der touristischen Zentren Bangkoks, werden laut Berichten australischer und amerikanischer Medien Ausländer auf der Straße willkürlich von Polizisten festgehalten und erst nach Zahlung einer Strafe wieder freigelassen. Wie die Tageszeitung "Bangkok Post" berichtete, wurden wegen dieser Vorwürfe gar schon die Botschafter Australiens und Großbritanniens bei Thailands Putschregierung vorstellig.

Über ähnliche Polizei- und Beamtenwillkür berichtet die "Phuket Gazette". "Hier auf Phuket muss sich die Einwanderungsbehörde endlich zu den Vorwürfen der Erpressung von Ausländern in ihrem Büro äußern...Die Antikorruptionskommission hat noch immer nicht das Resultat ihrer Untersuchung der Vorwürfe der Erpressung der Betreiber von Tauchschulen in Patong durch die Polizei geäußert", klagte die "Phuket Gazette" Mitte Dezember.

Auch um die Sicherheit von Urlaubern und Einwohnern ist es auf Phuket nicht gut bestellt. 18 Prozent antworteten glattweg mit einem Nein auf die Frage, ob sie sich nachts sicher fühlen. 12 Prozent gaben an, sich "selten sicher" zu fühlen. 29 Prozent sahen ihre Sicherheit nur in Gegenden gewährleistet, "die wir kennen". Nur 11 Prozent fühlten sich überall auf der Insel rundum sicher.

Zehn Jahre nach dem Tsunami ist Khao Lak größer und schöner denn je.

Zehn Jahre nach dem Tsunami ist Khao Lak größer und schöner denn je.

Nepp ist in Khao Lak ein Fremdwort

In Khao Lak hingegen ist alles anders. Tuk-Tuk-Fahrer sind freundlich, die Straßen sind ruhig und sicher, Nepp ist ein Fremdwort, Rotlicht leuchtet keines. Zehn Jahre nach dem Tsunami ist Khao Lak schöner denn je. Große Hotelketten haben inzwischen Häuser eröffnet und damit den Massentourismus in das einstige Mekka für vorwiegend deutsche Urlauber gebracht, die in einfachen Strandbungalows Urlaub machten.

Auch in den Dörfern sind die Spuren der Zerstörung lange beseitigt. Viele Spenden hatten es Hilfsorganisationen wie den Maltesern aus Deutschland ermöglicht, erst humanitäre Soforthilfe zu leisten und dann die Wiederaufbauprojekte zu starten. "Neben dem Bau von Häusern haben wir dazu beigetragen, Lebensgrundlagen neu zu schaffen und Projekte der Katastrophenvorsorge auf den Weg gebracht", sagt Marie-Teres Benner, die seinerzeit die Wiederaufbauprojekte der Malteser in Khao Lak leitete.

Vorbeitungen für den Ernstfall

Für die Urlauber mag der Tsunami kaum eine Rolle spielen. Für das Management der großen Hotels aber ist er ein Thema. "Wir haben unsere Lektion gelernt", sagt Jayne MacDougall. Die Australierin ist Direktorin für Risikomanagement des in einer schönen Bucht zwischen Patong Beach und Kata gelegenen Le Meridien Hotels.

Die Australierin Jayne MacDougall ist die Direktorin für Risikomanagement des Le Meridien Hotels auf Phuket.

Die Australierin Jayne MacDougall ist die Direktorin für Risikomanagement des Le Meridien Hotels auf Phuket.

MacDougall hat ein umfangreiches Programm für den Katastrophenfall entwickelt. Tsunami-Fluchtwege zu sicheren Evakuierungsstellen sind ausgeschildert; am Hotelstrand sind Sirenen installiert; Notfallausrüstungen stehen an strategisch günstigen Punkten. Die Listen der Zimmerbelegung mit Daten der Gäste werden ständig aktualisiert, ausgedruckt und zudem als digitales Back-up an sicheren Stellen aufbewahrt. "Wir müssen im Ernstfall genau wissen, wer sich wo aufhält."

Für das Personal werden alle drei Monate Katastrophenübungen durchgeführt. In den Gästezimmern liegen Tsunami-Infomappen aus, mit denen es allerdings ein Problem gibt, wie MacDougall weiß: "Die werden von den Gästen gerne als Souvenir mitgenommen."

Katastrophenschutz mit Hilfe aus Deutschland

Das Risikomanagementprogramm des Le Meridien ist so hoch entwickelt und ausgefeilt, dass es als ein Model für die "Globale Initiative Katastrophenmanagement" gilt, das die deutsche Entwicklungshilfeagentur GIZ derzeit in mehreren Ländern Asiens entwickelt. Schwerpunkte sind der Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, Schutz von Infrastruktur und Wirtschaftskreisläufen und Frühwarnsysteme.

Entlang der Westküste Thailands stehen Funkmasten mit Lautsprechern, um die Menschen im Falles eines drohenden Tsunamis warnen zu können

Entlang der Westküste Thailands stehen Funkmasten mit Lautsprechern, um die Menschen im Falles eines drohenden Tsunamis warnen zu können

"Extreme Naturereignisse wie Stürme, Hochwasser oder Erdbeben habe im letzten Jahrzehnt zugenommen und vermehrt zu Katastrophen geführt", sagt Stefan Huppertz, Leiter des Projekts in Asien auf der sonnenbeschienenen Terrasse des Le Meridien. "Da gilt es, zur Schadensminimierung vorbereitet zu sein." Ein Aspekt des Projekts, so Huppertz, sei die Entwicklung von Standards für Hotels und Resorts zum Management von Katastrophen- und Klimarisiken.

Am Strand des Le Meridien dösen derweil Urlauber auf Liegestühlen unter Sonnenschirmen. Andere vergnügen sich an der Bar oder schwimmen im Meer. Es ist die perfekte Urlaubsidylle. Gerade so, wie sie es noch am Morgen des 26. Dezember 2004 war. Bis der Tsunami den Urlaubstraum versenkte. Gott sei Dank war im Le Meridien niemand ums Leben gekommen.

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