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Umstrittenes US-Einreiseverbot : "Lassen Sie mich durch, ich bin Anwalt"

Hunderte von USA-Besuchern werden an der Einreise gehindert. Durch Eilentscheidungen einiger US-Gerichte bleibt die Lage unübersichtlich. Aber in den Staaten wächst der Widerstand gegen Trumps Einreise-Dekret.

Iraner wartet am Flughafen von Los Angeles auf seinen Bruder

Sie wollte zurück, zu ihrem Haus und Hund in Washington D.C. Doch sie kam nur bis Dubai: Nazanin Zinouri hatte vorige Woche ihre Verwandten im Iran besucht, als sich dort die Nachricht von Trumps Einreise-Dekret für Menschen aus sieben arabischen Ländern wie ein Lauffeuer verbreitete.

"Obwohl ich meine Familie nicht verlassen wollte, buchte ich schnell ein Ticket für den nächsten Flug zurück." Nur wenige Stunden später flog Zinouri nach Dubai, um dort in eine Maschine von Emirates nach Washington D.C umzusteigen. Bei der Kontrolle am Gate wurde sie jedoch rausgewunken. Aus "Sicherheitsgründen" sei ihr das Boarding verweigert worden. "Nachdem ich fast sieben Jahre in den USA lebe, wurde ich deportiert", schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite von Dubai aus.

"Niemand warnte mich, als ich aufbrach, niemand interessierte sich, was mit meinem Hund oder meinem Job oder meinem Leben dort geschehen wird. Niemand hat mir gesagt, was mit meinem Auto, das immer noch auf dem Parkplatz am Flughafen steht, geschehen soll. Oder mit meinem Haus und all meinen Sachen", empört sich die gebürtigere Iranerin. 

Unklare Lage an den Flughäfen

Die Geschichte von Nazanin Zinouri ist nur eine von Hunderten. Am Freitag hatte Präsident Donald Trump den 90-tägigen Einreisestopp für Menschen aus Syrien, dem Iran, dem Irak, dem Sudan, Somalia, Libyen und dem Jemen verfügt. Die menschlichen Dramen spielen sich nicht nur im Ankunftsbereich der US-Airports ab, sondern schon an den Ausgangsflughäfen, wie das Beispiel aus Dubai zeigt.

Die kurzfristige Maßnahme ohne jegliche Vorlaufzeit hat auch Airlines verunsichert. So bittet zum Beispiel die niederländische KLM ihre Kunden, "wenn Sie von den neuen Einschränkungen für Reisen in die USA betroffen sind", um Kontaktaufnahme via Social Media oder Service Center. "Unsere Teams helfen Ihnen gerne bei einer Umbuchung oder Rückerstattung."

Nicht nur Passagiere, auch das Personal ist betroffen. Fluggesellschaften aus den Golf-Staaten müssen ihre Dienstpläne umstellen, weil auch deren Piloten und Kabinen-Crews von den Maßnahmen überrascht wurden.

Da in der Nacht zum Sonntag ein Gericht in New York einen Teil dieses Einreisestopps für viele Muslime eingefroren hat, ist die derzeitige Lage noch verwirrender. Die Richterin verfügte, dass die seit Freitag in den USA eingetroffenen Flüchtlinge oder Besucher aus den vom Bann betroffenen Ländern zunächst nicht in ihre Heimat zurückgeschickt werden dürfen, wenn sie im Besitz eines gültigen Visums oder einer Greencard sind. Allerdings haben die Gerichte nicht über die Rechtmäßigkeit der Trump-Anordnung an sich entschieden, sondern nur per einstweiliger Verfügung einen Teil der Umsetzung blockiert. Die Klärung soll erst in einigen Wochen erfolgen.

Widerstand im ganzen Land

Das Einreise-Dekret ist Wasser auf die Mühlen der Trump-Gegner. An vielen internationalen Flughäfen in den USA hat sich der Widerstand formiert. Unter den Hashtags #NoMuslimBan und #nobannowall. Neben Demonstrationen bieten Anwälte betroffenen Reisenden ihren Rechtsbeistand an - frei nach dem Motto: "Lassen sie mich durch, ich bin Anwalt."

In den sozialen Netzwerken bedanken sich Menschen wie Murad Awawdeh für die kostenlose Unterstützung von "freiwilligen Rechtsanwälten, die ihre Hilfe anbieten".

Der Einreisestopp stellt auch die US-Wirtschaft vor Probleme. So hat die Internetfirma Google mehr als 100 Mitarbeiter aufgerufen, die aus muslimischen Ländern stammen und sich gerade im Ausland aufhielten, schnell in die USA zurückzukehren.

Auch bei Sportlern und deren Funktionären herrscht Unsicherheit. Der Leichtathlet und mehrfache Olympiasieger Moamed Farah, der in Somalia geboren wurde, die britische Staatsangehörigkeit besitzt und in den USA lebt, gehört zu den prominentesten Gegnern des Trump-Erlasses: "Am 1. Januar wurde ich von der Queen zum Ritter geschlagen. Am 27. Januar hat mich Präsident Donald Trump anscheinend zum Fremden gemacht", schreibt er auf Facebook.

Trotz der Schlappe durch ein US-Gericht gibt es kein Einlenken von Präsident Trump. Auf Twitter legte er bereits nach: "Unser Land braucht starke Grenzen und extreme Sicherheitsüberprüfungen, JETZT."

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