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Follow Me: Randale an Bord: Die erschreckenden Zahlen über Zwischenfälle im Flieger

Als am Wochenende einer Schweizerin an Bord eines Fluges kein Champagner mehr ausgeschenkt wurde, attackierte sie die Crew. Das Flugzeug musste außerplanmäßig landen. Kein Einzelfall: Über Zwischenfälle dieser Art liegen jetzt erschreckende Zahlen vor.

Ryanair: Passagiere prügeln sich - Pilot unterbricht Flug für Festnahme

Der Airbus A320 war am Samstagabend auf dem Weg von Moskau nach Zürich fast am Ziel. Doch weil eine Passagierin der Business Class keinen Champagner mehr bekam und die Dame gegenüber der Crew handgreiflich wurde, sah der Pilot die Sicherheit an Bord nicht mehr gewährleistet und entschloss sich zu einer außerplanmäßigen Zwischenlandung in Stuttgart - Luftlinie nur 160 Kilometer vom Flughafen Zürich-Kloten entfernt.

Die 44-Jährige musste von Bord, 5000 Euro Strafe zahlen und ihre Weiterreise selbst organisieren. Nach einem 45-minütigen Aufenthalt setzte der Airbus A320 seine Reise mit den verbliebenen 43 Fluggästen fort. Der Flug LX1327 erreichte Zürich mit einer Verspätung von fast eineinhalb Stunden.

Kurz vor Zürich legte am Samstagabend der Swiss-Flug LX1327 eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Stuttgart ein, um eine störende Passagierin von Bord zu lassen.

Kurz vor Zürich legte am Samstagabend der Swiss-Flug LX1327 eine außerplanmäßige Zwischenlandung in Stuttgart ein, um eine störende Passagierin von Bord zu lassen.


Für die Airline jedoch ist der Schaden größer als die aufgebrummte Strafe. Es entstanden mehrere zehntausend Euro Kosten. Denn in so einem Fall verpassen die Umsteigepassagiere ihre Anschlussflüge, müssen umgebucht und teilweise im Hotel untergebracht werden.

Folgekosten bis zu 200.000 Euro

Zwischenlandungen wegen medizinischer Notfälle oder aggressiver Reisender gibt es immer wieder. Doch die Vorfälle mit "unruly passengers", so die Bezeichnung in der Luftfahrtbranche für renitente Passagiere, haben in jüngster Zeit zugenommen.

In einer gerade von der International Air Transport Association (IATA), dem Dachverband der Fluggesellschaften, veröffentlichten Statistik wurden zwischen 2007 und 2016 insgesamt 58.000 Zwischenfälle gemeldet.

"Renitente Passagiere sind ein schwerwiegendes Problem", sagt Tim Colehan von der IATA. Mehr als die Hälfte der 250 in der IATA organisierten Airlines haben in den vergangenen fünf Jahren eine deutliche Zunahme registriert. "In 20 Prozent der Fälle muss sogar die Polizei eingreifen", berichtet Colehan.

Es ist nur eine kleine Minderheit von Passagieren, die "Gewalt gegenüber anderen Passagieren oder gegenüber der Crew ausüben", sagt Colehan. Aber die Vorfälle sind teuer und verursachen Kosten bis 200.000 US-Dollar. Denn jede außerplanmäßige Landung zieht einen Schneeballeffekt nach sich, weil Flugpläne und die Umlaufzeiten der Flugzeuge durcheinander geraten.

Passagiere werden kaum zur Rechenschaft gezogen

Zwei Trends sind zu beobachten: Nicht nur Quantität, sondern auch die Qualität der Vorfälle hat zugenommen. Sogenannte Level-2-Vorfälle erhöhten sich überproportional. Dazu zählen körperliche Übergriffe, obszönes Verhalten, verbale Drohungen, Belästigungen oder Eingriff in die Notfallsysteme an Bord. Die IATA unterscheidet zwischen vier Stufen von Zwischenfällen: von der Nichteinhaltung der Sicherheitsvorschriften (Level 1) bis zur Attacke im Cockpit (Level 4).

Erschwerend kommt hinzu, dass die entstandenen Kosten nur in den seltensten Fällen auf die Übertäter abgewälzt werden können. Zu unterschiedlich ist die Rechtslage in den jeweiligen Ländern, in denen die nicht eingeplanten Zwischenlandungen stattfinden und Festnahmen erfolgen. "Durch die Lücken im internationalen Recht kommen die widerspenstigen Passagiere, die schwere Straftaten begangen haben, ungestraft davon", sagt Coleman. Nach dem geltenden Völkerrecht ist eigentlich das Land, in dem das Flugzeug registriert ist, für den Schuldigen zuständig – und nicht der Zielort, wo die Zwischenlandung erfolgt.

Störungen durch Alkoholmissbrauch

Laut IATA-Statistik gibt es pro 1200 Flügen einen Zwischenfall. Oft ist Alkohol mit im Spiel, der nicht nur an Bord, sondern bereits im Flughafen konsumiert wird. Daher sei es wichtig, dass Fluggesellschaften, Flughäfen und lokale Behörden eng zusammenarbeiten, um zu verhindern, dass Probleme entstehen, bevor Fluggäste in den Flieger einsteigen.

Nach Angaben der britischen Civil Aviation Authority ist die Anzahl der Vorfälle mit störendem Verhalten von Passagieren bei allen Airlines, die von und nach Großbritannien fliegen, um 600 Prozent gestiegen.

Deshalb forderte der Pressesprecher von Ryanair im September 2017, dass der Verkauf von Alkohol in Flughafenbars und Restaurants für Passagiere während ihrer Wartezeit aufgrund von Flugverspätungen pro Bordkarte auf ein Maximum von zwei alkoholischen Getränken begrenzt wird. "Es ist völlig ungerecht, dass die Flughäfen von diesem unbegrenzten Verkauf von Alkohol profitieren und der Umgang mit den sicherheitsrelevanten Konsequenzen den Airlines überlassen wird."

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