Madeira: Alles fließt
Es gibt Orte, die man nicht einfach besucht. Man tritt in sie ein. Madeira ist ein solcher Ort. Eine Insel im Atlantik, die nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt, sondern wartet: geduldig, beständig, von Wind und Licht geformt. Vielleicht wird sie in diesem Jahr gerade deshalb zum Trendziel. Weil sie dem Reisenden etwas zurückgibt, das vielerorts verloren gegangen ist: Ruhe ohne Leere, Bewegung ohne Hast. Die Landschaft hilft dabei, den Alltag zu vergessen. Steile Klippen fallen ins Meer, Nebel zieht durch Lorbeerwälder, ein Wasserfall, die Levada das 25 Fontes, mündet in eine grüne Lagune. An schmalen Bewässerungskanälen, den Levadas, wird der Schritt langsamer. Wer hier wandert, hört wieder zu – der Natur, aber auch sich selbst. All das verdichtet sich an einem Ort wie Fajã dos Padres. Eine Seilbahn gleitet fast senkrecht 450 Meter an der Felswand hinab. Unten bleibt ein schmaler, fruchtbarer Küstenstreifen zwischen Atlantik und Basaltklippen. Gärten tragen Bananenstauden, Reben, Avocados und Zuckerrohr. Im „Restaurante Fajã dos Padres“ am Strand schmeckt man die Insel: ein frisch gepresster Orangensaft aus den Meeresgärten, dazu Meeresfrüchte, die noch nach Atlantik riechen. Näher kann man Madeira nicht kommen. Die Brandung rauscht, Zeit verliert ihre Schärfe, Gedanken ordnen sich, man atmet durch. Vielleicht ist es genau das, wonach die Welt gerade sucht. Samira Debbeler
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