Gotland: Sonnenreich
Einmal besuchte ich den schwedischen Bestseller-Autor Jonas Jonasson auf Gotland. Sein Erfolgsroman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hatte mich neugierig gemacht, auf den Schriftsteller und sein Habitat. Wir verstanden uns gut, er führte durch seine Schriftsteller-Einsiedelei, vorbei an Himbeerbüschen, Schreibhäuschen, Hühnerstall und beheiztem Pool in die Küche: Kamin, wuchtige Bauernmöbel, rote Karodecke auf dem Tisch. Wer hier Astrid Lindgrens Werke verfilmen wollte, hätte nur die teure Schweizer Kaffeemaschine hinaustragen müssen. Wir schwärmten gemeinsam über Gotland, erst er, dann ich. Die Sonne wird auf der größten schwedischen Insel von den Kalkfelsen an der Westküste reflektiert; das Licht, rief Jonasson, erinnere ihn an Griechenland. Die Strände im Osten sowieso. Die Insel sei als sonnenreichster Ort des Landes bekannt, es werde hier deutlich wärmer als auf dem Festland. Und die Hauptstadt Visby, ergänzte ich – wie entsprungen aus einer Kinderbuchwelt: Stadtmauer, Fachwerkhäuser, Kaufmannshöfe. Unesco-Weltkulturerbe. Wie gesagt, wir verstanden uns gut. Dann führte Jonasson zu einer Scheune. „Hier kommt der Helikopter rein“, sagte er. „Damit ich schneller nach Stockholm komme.“ Er wollte dieses Paradies auch mal verlassen? Hier verstand ich den Schriftsteller dann doch nicht mehr. Nicholas Büchse
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