Jerewan: Armenien für Anfänger
„Krasses Vieh“, sagt mein Zehnjähriger zu einem massigen, verdreckten Straßenhund, der an einem Stromkasten döst. Als er ihm die Hand hinhält, macht sich der Riese so klein, wie er kann, schnuppert sachte und stellt die Ohren auf, als wollte er sagen: Keine Angst, Kleiner, wir Straßenhunde von Jerewan sind kastriert und geimpft, guck, hier meine Ohrenmarke. Es stimmt – in Armeniens Hauptstadt sind sogar die Straßenhunde freundlich und überhaupt ist das hier eine große Freude: keine Touristenhorden, schattige Alleen, viel Grün, dazu Cafés, Galerien und Kunsthandwerk, das alles bei meist strahlendem Himmel und glasklarer Bergluft. Jerewan liegt auf 1000 Metern Höhe, drum herum schneebedeckte Viertausender. Im Laufe der Zeitalter haben Griechen, Römer, Parther, Mongolen, Osmanen und Russen der Stadt ihr reiches kulturelles Erbe an Kunst und Architektur hinterlassen, man staunt an jeder Ecke. Und geht dann gut bis fantastisch essen, etwa im Museumscafé der Malerin Lusik Aguletsi oder im Garten der „Dalan Art Gallery“ („Na klar haben wir spontan einen Tisch für euch!“), wo das Beste des Südkaukasus vom riesigen Grill kommt. Dazu das typisch armenische Lavash-Fladenbrot, Schafskäse, unzählige Gemüse und Salate. Der Wein ist aus Granatäpfeln und so tiefrot wie der Sonnenuntergang über den eisigen Gipfeln am Horizont. Und Körper und Geist sind so satt, wie man es noch nie erlebt hat. Helen Bömelburg
© Damien Butaeye