Bretagne: Mit Zug zum Wasser
Leere U-Bahnen, kein Gedränge in den Cafés und Bars: Selten ist Paris so unbelebt wie im August. Die Großstadtmüden, sie haben sich aufgemacht, ihre gestressten Seelen zu kurieren, sitzen in Zügen, die ausgebucht sind bis auf den letzten Platz. Wie meinen Freund und mich zieht es sie nach Saint-Malo, in diese Hafenstadt mit Sylt-Charakter. Wir streifen durch Vintage-Boutiquen, machen einen Spaziergang über die Festungsmauer und breiten unsere Handtücher im Sand aus. Wellenrauschen im Ohr, durchschnitten von Möwengeschrei, so könnte das ewig weitergehen. Denn während die Gäste an der Côte d’Azur schwitzen, ist es hier in der Bretagne selbst im Hochsommer meist angenehm kühl. Zwei Tage später fahren wir weiter nach Vannes, laufen durch die mittelalterliche Innenstadt, sehen windschiefe Fachwerkhäuser und Touristen vor Etageren sitzen, vollgepackt mit Meeresfrüchten. An einer Badebucht springe ich ins Meerwasser, schwimme gegen den Strom des Atlantiks an und schon dem Ende des Urlaubs entgegen. In Rennes essen wir ein letztes Mal Galette mit gesalzener Butter und gehen los. Die Hauptstadt der Bretagne wirkt studentisch und urban – das Wappentier, ein weißes Hermelin, schaut als Graffito von einer Wand. Wir fliegen zurück, weil das schneller geht, hätten aber gern noch länger in den Zügen gesessen, die einen pünktlich ans Ziel bringen und wo sogar die Sitzpolster bretonische Streifen haben. Jana Felgenhauer
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