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Formel 1: Alonso verlässt McLaren-Mercedes

Jetzt ist es amtlich: Die wahrscheinlich unglücklichste Ehe der jüngeren Formel-1-Geschichte ist geschieden. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso verlässt nach einem Jahr McLaren-Mercedes. Für welchen Rennstall der Spanier künftig fahren wird, ist offen. Alonsos Cockpit bei den Silbernen könnte ein Deutscher einnehmen.

Der Rosenkrieg zwischen Fernando Alonso und McLaren-Mercedes hat sein erwartetes Ende gefunden. Nach einer Saison voller Streit und Sticheleien haben sich der entthronte Formel-1- Weltmeister und der britisch-deutsche Rennstall vorzeitig auf die Scheidung ihrer zerrütteten Ehe nach nur einem Jahr geeinigt. "Schon als Junge hatte ich immer davon geträumt, für McLaren zu fahren, aber manchmal funktionieren die Dinge im Leben nicht", wurde der Spanier am Freitag in einer McLaren-Pressemitteilung zitiert.

Ursprünglich lief der mit angeblich jährlich 20 Millionen Dollar dotierte Vertrag bis Ende 2009. Doch der Dauerkonflikt mit McLaren- Chef Ron Dennis und Teamkollege Lewis Hamilton ließen eine gemeinsame Zukunft nicht mehr zu. Mit Platz drei hinter dem 22 Jahre alten Debütanten Hamilton hatte Alonso den Titel-Hattrick verpasst. Beim spannenden Saisonfinale vor zwei Wochen in Sao Paulo hatte sich der finnische Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen überraschend noch die WM gesichert.

Unbeschadet aus dem Vertrag

Beim unvermeidlichen Abschied wollte keine der Parteien mehr nachkarten. "Die Trennung geschah einvernehmlich. Ich wünsche Fernando alles Gute für seine weitere Karriere", sagte Mercedes- Motorsportchef Norbert Haug. Und auch Dennis gab sich zum Abschied milde: "Er ist ein großer Fahrer, aber aus gewissen Gründen hat die Kombination Vodafone McLaren-Mercedes und Fernando nicht wirklich funktioniert", sagte der Brite. "Und am Ende erreichten wir ein Stadium, an dem niemand von uns einen Weg zum Weitermachen finden konnte."

Alonso kommt offensichtlich unbeschadet aus dem Vertrag. Nach Angaben des staatlichen spanischen Rundfunks RNE einigten sich der Rennfahrer und McLaren-Mercedes darauf, dass Alonso wegen der Vertragsauflösung keine Entschädigung zahlen müsse. "Es hat geklappt, alles ist gut ausgegangen", sagte sein Manager Luis García Abad nach angeblich dreitägigen Verhandlungen.

Über Alonsos Nachfolger bei den Silberpfeilen will das Team "zum richtigen Zeitpunkt" informieren. Offen ist auch noch, für wen der 26-Jährige künftig fährt. "Fast alle großen Rennställe sind daran interessiert, den zweimaligen Weltmeister unter Vertrag zu nehmen", schrieb die spanische Zeitung "El Mundo" in ihrer Internetausgabe.

Nico Rosberg Kandidat für Alonso-Nachfolge

Als Favorit gilt weiter Renault. Mit dem Team holte Alonso seine Titel 2005 und 2006. Die spanische Zeitung "Marca" brachte am Freitag noch Red Bull als mögliche Interimslösung ins Spiel, bevor der WM- Dritte der abgelaufenen Saison in einem Jahr zu Ferrari wechseln könnte. Auch Toyota hatte öffentlich Interesse an dem zweimaligen Champion bekundet. Eine kolportierte 40-Millionen-Rekordgage bei den Japanern soll Alonso allerdings abgelehnt haben. Als weitere Kandidaten gelten Williams, Honda und sogar BMW-Sauber.

Schon seit längerem wird darüber spekuliert, wer Alonso im zweiten Silberpfeil-Cockpit neben Hamilton ersetzen könnte. Dabei wurde an erster Stelle Nico Rosberg genannt, der seit 2006 für Williams fährt. Ferner ist der finnische Renault-Pilot Heikki Kovalainen ein Anwärter.

Die Spannungen zwischen dem eigenwilligen Alonso, der sich immer wieder gegenüber dem britischen Senkrechtstarter Hamilton benachteiligt fühlte, und dem restlichen Team hatten sich in den vergangenen Monaten verstärkt. Die Konflikte spitzten sich zunächst in Ungarn mit Alonsos Boxen-Blockade in der Qualifikation gegen Hamilton zu. Seitdem herrschte zwischen Alonso und dem betont beherrschten Dennis Eiszeit. Später stellte sich der Spanier in der Spionage-Affäre um McLaren-Mercedes und Ferrari auch noch als Kronzeuge gegen sein eigenes Team zur Verfügung. Der Rennstall erhielt die Rekordgeldstrafe von 100 Millionen Dollar und wurde aus Konstrukteurs-Wertung gestrichen.

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