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1. Bundesliga: Bundesligaanalyse - Der große Abstiegscheck

Statistisch gesehen können noch neun von 18 Bundesligisten absteigen. Und Statistik, da stehen wir bekanntlich drauf. Also haben wir die Hälfte der Liga unserem großen Abstiegscheck unterzogen: Was spricht für, was gegen jedes Kellerkind? Restprogramme und Punktehochrechnungen ergänzen das Paket.

Die halbe Liga steckt im Abstiegskampf, sagt man ja gerne so dahin. Im aktuellen Fall stimmt das zumindest theoretisch und statistisch genau. Neun von 18 Clubs in der Bundesliga haben 30 Punkte oder weniger nach 24 Spieltagen. Seit Einführung der Dreipunkteregel ist das die höchste Marke, mit der jemand in den letzten zehn Spieltagen noch abgestiegen ist.

Es traf den SSV Ulm 1846 in der Saison 1999/2000 - nach 24 Spieltagen noch 12. mit 30 Zählern, am Saisonende als 16. damals noch direkt abgestiegen. Gehen wir davon aus, dass dieser bislang einmalige Einzelfall zumindest in dieser Saison nicht überboten wird, so können wir genau neun Bundesligisten als im Abstiegskampf befindlich klassifizieren. Wobei es für den aktuellen Zehnten Hoffenheim schon sehr schlecht laufen müsste, um noch in den Keller zu rutschen.

Diese neun Teams haben wir nun genauer unter die Lupe genommen. Wie sieht das Restprogramm aus? Was sagt die Form der vergangenen zehn Spiele aus, bevor es in die letzten zehn geht? Was spricht für den Klassenerhalt? Was dagegen?

10. TSG Hoffenheim (30 Punkte, Torverhältnis -1)

Restprogramm: Bayern A, Stuttgart H, Mönchengladbach A, Schalke H, Kaiserslautern A, HSV H, Freiburg A, Leverkusen H, Nürnberg H, Hertha A.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 12 Punkte

Was spricht für Hoffenheim?
Vor allem die Statistik: Historisch gesehen sind die Chancen der Badener, mit ihrem jetzigen Punktstand noch abzusteigen, kaum größer als zwei Prozent. Auch hat die Mannschaft unter dem neuen Coach Markus Babbel praktisch noch kein schlechtes Spiel gezeigt.

Was spricht gegen Hoffenheim?
In jedem Spiel unter Babbel wurde nach Führung noch der Ausgleich kassiert. Diese mangelnde Effizienz spiegelt sich auch in der Chancenverwertung wider: Aus 64 Torschüssen unter Babbel erzielte Hoffenheim nur fünf Treffer.

11. VfL Wolfsburg (28 Punkte, Torverhältnis -16)

Restprogramm: Leverkusen H, Nürnberg A, HSV H, Hertha A, Dortmund H, Hannover A, Augsburg H, Mainz A, Bremen H, Stuttgart A.

Bilanz vergangene zehn Spiele: 12 Punkte

Was spricht für Wolfsburg?
Neben der relativ guten Ausgangslage, was das Punktekonto angeht, bei aller Kritik an Felix Magaths Personalpolitik die Qualität des Kaders: das stärkste Spielermaterial aller Teams aus der unteren Tabellenhälfte, und die meisten Alternativen im Fall von Verletzungen oder Sperren.

Was spricht gegen Wolfsburg?
Die katastrophale Auswärtsbilanz (erst ein Sieg), die besonders bedenklich ist vor dem Hintergrund des Restprogramms: Mit Ausnahme von Augsburg und dem HSV finden alle verbleibenden Spiele gegen Abstiegskonkurrenten auswärts statt und die Heimspiele erscheinen eher schwerer (Leverkusen, Dortmund).

12. Mainz 05 (27 Punkte, Torverhältnis -3)

Restprogramm: Nürnberg H, Augsburg A, Hertha H, Bremen A, Stuttgart A, Köln H, Bayern A, Wolfsburg H, HSV A, Mönchengladbach H.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 12 Punkte

Was spricht für Mainz?
Mohamed Zidan. Das gute Torverhältnis, das praktisch einen zusätzlichen Punkt gegenüber allen direkten Konkurrenten bedeutet. Und die nächsten drei bis sechs Spiele, in denen bei aktueller Form die Basis für den Klassenerhalt gelegt werden könnte (und sollte).

Was spricht gegen Mainz?
Weniger, als man zu Saisonbeginn gedacht hätte. Zwar fehlt Thomas Tuchel und seinem Team echte Erfahrung im Abstiegskampf, den Mainz seit dem Wiederaufstieg bisher immer vermeiden konnte, aber man hatte zuletzt nicht den Eindruck, die Mannschaft sei damit überfordert. Abhängigkeit von Zidan? Das lässt sich so nicht sagen, grundsätzlich gibt es relativ gute Alternativen in allen Mannschaftsteilen, auch in der Offensive.

13. Hamburger SV (27 Punkte, Torverhältnis -14)

Restprogramm:
Schalke A, Freiburg H, Wolfsburg A, Kaiserslautern A, Leverkusen H, Hoffenheim A, Hannover H, Nürnberg A, Mainz H, Augsburg A.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 13 Punkte

Was spricht für den HSV?
Das Restprogramm ist relativ angenehm. Nach dem Schalke-Spiel, das angesichts der Schalker Formschwäche auch nicht zum falschen Zeitpunkt kommt, wartet kein Gegner mehr, gegen den der HSV in der Hinrunde nicht gepunktet hat. Trainer Thorsten Fink wusste bisher auf Rückschläge besonnen zu reagieren: Unter seiner Ägide verloren die Hamburger nie zweimal in Folge.

Was spricht gegen den HSV?
Der wahrscheinlich lange Verzicht auf Paolo Guerrero. Die schon drei jeweils klaren Heimniederlagen in der Rückrunde, die nicht zur Verbesserung der Stimmung rund um den Club beigetragen haben. Die Alles-oder-nichts-Mentalität, die dazu führt, dass Rückstände entweder egalisiert werden oder in Debakel münden. Für den Punktestand objektiv egal, aber für die Moral? Zudem mit nur noch vier Heimspielen. Aber das muss bei der aktuellen Form kein Nachteil sein für die heimschwächste Elf der Bundesliga.

14. FC Köln (25 Punkte, Tordifferenz -15)

Restprogramm: Hertha H, Hannover A, Dortmund H, Augsburg A, Bremen H, Mainz A, Mönchengladbach A, Stuttgart H, Freiburg A, Bayern H.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 9 Punkte

Was spricht für Köln?
Lukas Podolski, so lange er noch da ist. Der beste Spieler aller Clubs in der unteren Tabellenhälfte der Liga in dieser Saison.

Was spricht gegen Köln?
Die Form. Nur zwei Teams holten weniger Punkte aus den letzten zehn Spielen. Mit Ausnahme von Podolski und mit Abstrichen Geromel ist der Kölner Kader kaum besser als die Aufgebote der direkten Konkurrenz im Abstiegskampf. Nach dem Schlüsselspiel gegen Hertha am kommenden Wochenende nur noch Heimspiele gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte. Alle Sechs-Punkte-Spiele auswärts.

15. Hertha BSC (23 Punkte, Torverhältnis -14)

Restprogramm: Köln A, Bayern H, Mainz A, Wolfsburg H, Mönchengladbach A, Freiburg H, Leverkusen A, Kaiserslautern H, Schalke A, Hoffenheim H.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 5 Punkte

Was spricht für Hertha?
Die Chance, in den letzten vier Heimspielen gegen direkte Konkurrenten spielen zu können. Realistisch betrachtet müssen aus den Spielen gegen Wolfsburg, Freiburg , Lautern und Hoffenheim neun Punkte geholt werden, um den Abstieg zu vermeiden. Ob der Sieg gegen Werder einen echten Aufwärtstrend anzeigt, muss abgewartet werden.

Was spricht gegen Hertha?
Trotz des Sieges gegen Bremen noch erfolgloser als Kaiserslautern in den letzten zehn Spielen. Rechnet man die Punkte seit dem 14. Spieltag hoch bis zum Saisonende, wird Hertha 17. Kaum ein Spieler erreicht zurzeit Normalform, es bleiben Zweifel, ob Otto Rehhagel die richtige Ansprache findet, um das zu ändern.

16. FC Augsburg (22 Punkte, Torverhältnis -14)

Restprogramm: Dortmund H, Mainz H, Köln H, Bayern A, Stuttgart H, Wolfsburg A, Schalke H, Mönchengladbach A, HSV H.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 11 Punkte

Was spricht für Augsburg?
Die Mannschaft spielt schon lange nicht mehr wie ein Absteiger. Das Spiel in Leverkusen war das einzige, in dem der FCA wirklich klar unterlegen war. Das ist ein großes Verdienst von Jos Luhukay. Als einziger Abstiegskandidat noch mit sechs Heimspielen. In der Rückrunde schon dreimal nach Rückstand noch gepunktet.

Was spricht gegen Augsburg?
Kaum Alternativen im Kader. Die Reservebank sieht immer noch aus wie die eines Zweitligisten. Von den schon zehn Saisonunentschieden hätten bei besserer Chancenverwertung einige gewonnen werden müssen.

17. SC Freiburg (21 Punkte, Torverhältnis -22)

Restprogramm: Mönchengladbach A, HSV A, Kaiserslautern H, Leverkusen A, Nürnberg H, Hertha A, Hoffenheim H, Hannover A, Köln H, Dortmund A.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 9 Punkte

Was spricht für Freiburg?
Die Leistung gegen Bayern und Schalke. Wenn alles passt, kann diese Mannschaft jeden schlagen. Zumindest zu Hause. Abgang von Papiss Demba Cissé wurde erstaunlich gut kompensiert.

Was spricht gegen Freiburg?
Praktisch kein torgefährlicher Stürmer mehr im Kader, dazu eine Abwehr, die auswärts im Schnitt mehr als drei Gegentore zulässt - eigentlich eine tödiche Mischung. Noch sechs Auswärtsspiele und nur vier Heimspiele. Auswärts aber erst ein Saisonsieg. Das mit Abstand schlechteste Torverhältnis der Liga.

18. FC Kaiserslautern (19 Punkte, Torverhältnis -16)

Restprogramm: Stuttgart A, Schalke H, Freiburg A, HSV H, Hoffenheim H, Leverkusen A, Nürnberg H, Hertha A, Dortmund H, Hannover A.

Bilanz aus den letzten zehn Spielen: 6 Punkte.

Was spricht für Kaiserslautern?
Nicht viel. Das ruhige Festhalten an Trainer Marco Kurz ist im Prinzip nicht falsch, vielleicht die beste Chance, die der FCK noch hat. Immerhin hat der Coach das Ruder schon mehrfach mit dem Team herumgerissen. Die Defensive ist durchaus bundesligatauglich, aber Unentschieden bringen Lautern momentan nicht voran.

Was spricht gegen Kaiserslautern?
Schon vier Punkte Rückstand auf Platz 15 sind nicht ohne. Mit durchschnittlich 0,66 Toren pro Spiel eine der offensivschwächsten Mannschaften Europas. Vor der Viererkette ist kein Spieler auszumachen, dem es zuzutrauen wäre, eine Schlüsselrolle im Abstiegskampt einzunehmen.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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