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42. Bundesliga-Saison: FC Bayern ein wahrer Champion

Die 42. Bundesliga-Saison wird einen besonderen, aber nicht den besten Platz in der deutschen Fußball- Geschichte einnehmen. Der Wett- und Betrugsskandal, die Beinahe-Insolvenz von Borussia Dortmund und das dürftige Abschneiden in den europäischen Wettbewerben warfen dunkle Schatten.

Der Begeisterung der Fans tat dies ein Jahr vor der Weltmeisterschaft in Deutschland jedoch keinen Abbruch: Mit 11 494 764 Millionen Besuchern bei 306 Spielen (Schnitt: 37 565) wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Dabei hielt sich angesichts der Dominanz des FC Bayern München, der bereits am 31. Spieltag den 19. Titelgewinn perfekt gemacht hat, die Spannung im Kampf um die Meisterschaft in Grenzen. Schließlich hatte das Ensemble von Trainer Felix Magath am 14. Spieltag die Tabellenführung übernommen und die Spitze nur noch einmal nach der 25. Partie an Schalke 04 abgegeben. Trotz Weißbierduschen und Partys gaben sich die Bayern aber bis zum Abpfiff keine Blöße, gewannen auch das Südduell beim VfB Stuttgart souverän mit 3:1 - und erwiesen sich als wahrer Champion.

Schwächen der Bayern-Jäger

Magath & Co. profitierten bei ihrem Durchmarsch in der Rückrunde aber auch von eklatanten Schwächen der Bayern-Jäger. Schalke 04 gewann beide Partien gegen die Münchner, drohte aber am Ende noch aus den Champions-League-Rängen zu rutschen. Dank zweier Tore von Marcelo Bordon feierten die "Königsblauen" beim SC Freiburg (3:2) ein Happy End und die Vizemeisterschaft. Nun wollen sie am Samstag mit dem dritten Saisonsieg über die Bayern den DFB-Pokal in Berlin gewinnen und eine insgesamt gute Spielzeit krönen. "Wir haben eine wunderbare Ausgangsposition. Der kleine Popelclub spielt gegen den großen FC Bayern", sagte Schalke-Manager Rudi Assauer und konterte damit Aussagen des Kollegen Uli Hoeneß. Der ist sicher: "Sie werden uns nicht zum dritten Mal besiegen."

Werder Bremen in der Champions-League-Qualifikation

In Glückseligkeit schwelgte auch der entthronte Titelträger Werder Bremen nach dem "kleinen Meisterstück". Durch das 2:1 beim 1. FC Kaiserslautern kletterten die Hanseaten unverhofft noch von Platz fünf auf drei - und in die Champions-League-Qualifikation. "Es war eine positive Saison, in der bislang etwas fehlte. Der dritte Platz ist ein kleiner Trost", sagte Bremens Sportdirektor Klaus Allofs. Ein gutes Ende gab es auch für Bayer 04 Leverkusen, das mit einem 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach die UEFA-Cup-Teilnahme perfekt machte und 2005/2006 angreifen will. "Am liebsten wäre mir, wenn wir in der nächsten Saison drei Spieltage vor Schluss Meister wären", sagte Bayer-Trainer Klaus Augenthaler halb im Scherz und halb im Ernst.

Die Verlierer

Es gab aber auch zwei große Verlierer in der Bundesliga-Spitze. Der VfB Stuttgart verspielte mit Larifari-Fußball die Champions League - und viel Reputation. "In den letzten sechs Spielen haben wir versagt. Es ist, als fährt ein Zug direkt an deine Rübe", meinte VfB- Chefcoach Matthias Sammer. Katzenjammer gab es bei den "Remis- Königen" von Hertha BSC, die mit einer Nullnummer gegen Hannover 96 Champions-League-Millionen verschenkten. "Die Enttäuschung ist groß", so Manager Dieter Hoeneß, dessen Team 13 Mal unentschieden spielte.

UI-Zubrot für den BVB

Die UI-Cup-Teilnahme befriedigt nur Borussia Dortmund (2:1 gegen Hansa Rostock). Nun darf der BVB nach dem Finanz-Horror wenigstens auf ein kleines Zubrot hoffen. "Es war die schwierigste Zeit, die der BVB jemals durchlitten hat", resümierte BVB-Geschäftsführer Hans- Joachim Watzke. Imponierend war der Schlussspurt der Westfalen, die mit 37 Punkten zweitbestes Rückrunden-Team hinter den Bayern sind. Enttäuscht ging die Saison für den auf den UEFA-Cup schielenden Hamburger SV (0:1 gegen VfL Bochum) und den VfL Wolfsburg (2:1 bei Arminia Bielefeld) zu Ende. Der finale Erfolg wird VfL-Coach Erik Gerets wohl nicht mehr im Amt halten. Gehen muss bei Absteiger Bochum Trainer Peter Neururer, der für sich selbst hofft: "Das Gute kehrt zurück." In der laufenden Saison waren insgesamt sechs Cheftrainer ausgetauscht worden.

Kein Ostclub mehr in der Liga

Verabschieden müssen sich aus der Bundesliga auch Hansa Rostock und der SC Freiburg. Mit den Abschied der Rostocker gehört erstmals seit der deutsch-deutschen Fußball-Einheit kein Ostclub mehr der Eliteklasse an. Die Freiburger gehen als schlechtester Absteiger seit Einführung der Drei-Punkte-Regel 1995 in die 2. Liga. Bewährt und beeindruckend geschlagen haben sich hingegen die Aufsteiger FSV Mainz 05, Arminia Bielefeld und der 1. FC Nürnberg. Aus den Reihen der Franken kommt erstmals auch der neue Torschützenkönig: Mit 24 Treffern war Marek Mintal der zielsicherste Stürmer vor Roy Makaay (München/22) und Dimitar Berbatow (Leverkusen/20).

Andreas Schirmer/DPA

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