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Sieg im Confed-Cup-Finale: Als Löw bei der Rudelbildung mitmischen wollte

Das Confed-Cup-Finale gegen Chile war in der zweiten Halbzeit ein wildes Spiel. Mit zunehmender Spieldauer wurden die Südamerikaner immer wütender, es gab Ellenbogenchecks und Rudelbildungen - bei einer mischte sogar der Bundestrainer mit.

Joachim Löw

Da hielt es ihn nicht mehr an der Seitenlinie: Joachim Löw lief auf den Platz, wo es eine Rudelbildung gab

Es lief die 90. Minute im Confed-Cup-Finale in St. Petersburg. Emre Can, der kurz zuvor beim Stand von 1:0 für die DFB-Elf von Bundestrainer Joachim Löw eingewechselt worden war, fiel nach einem Zweikampf auf den Ball - und wollte ihn nicht mehr herausrücken. Schließlich war die Führung für die Deutschen nur hauchdünn, da gehören Spielverzögerungen jeglicher Art zum Standardrepertoire von Fußball-Profis.

Can tat also alles, um die chilenischen Spieler in Rage zu versetzen. Erst lag er bäuchlings auf dem Ball, dann klemmte er ihn zwischen den Beinen ein. Die Chilenen umringten den Deutschen wie ein Rudel Wölfe, auch Keeper Claudio Bravo war aus seinem Kasten geeilt und mischte kräftig mit. Die Chilenen zerrten an Can und versuchten ihm den Ball zu entreißen. Es ging fast wie bei einem Ringkampf zu. Am Ende gesellten sich noch zahlreiche deutsche Spieler dazu.

Joachim Löw lässt sich von der Hektik anstecken

Das Geschehen spielte sich nahe der deutschen Bank ab. Da hielt es auch den Bundestrainer nicht mehr an der Seitenlinie. Löw ging auf das Rudel zu und wollte seinen Spieler schützen. Verteidiger Gonzalo Jara hielt ihn davon ab, er drängte Löw beschwichtigend zurück. Zum Glück für Löw - Spieler haben bei einer Rudelbildung nichts zu suchen, und Trainer schon gar nicht. Das kann schnell peinlich werden. Danach beruhigten sich die Gemüter wieder. Das Spiel ging weiter, Marc-André ter Stegen parierte noch einen Freistoß von Alexis Sanchez und fünf Minuten später pfiff Schiedsrichter Milorad Mazic ab. Deutschland gewann die Mini-WM.

Der deutsche Nationalspieler Emre Can ist von chilenischen Spielern umringt

Attacke von hinten: Die Chilenen lassen nichts unversucht, um Emre Can den Ball zu stibitzen


Die Szene war symptomatisch für ein Duell, das in der zweiten Halbzeit zunehmend hitziger wurde und von vielen Fouls geprägt. war. In Halbzeit eins waren die Chilenen überlegen und hatten einige gute Torchancen, dennoch gingen die Deutschen nach einem schweren Fehler von Marcelo Diaz durch Lars Stindl in Führung - es war überhaupt erst die erste Torschuss der Deutschen. Nach Wiederanpfiff wurden die Südamerikaner immer wütender, je länger sie vergeblich gegen das deutsche Tor anrannten und die Löws Mannschaft ihrerseits zu guten Torchancen kamen.

Joshua Kimmich und Arturo Vidal legen sich an 

Es gab noch zwei weitere große Aufreger: In der 59. Minute legte sich Joshua Kimmich erst mit Torhüter Claudio Bravo an, dann rangelte er mit seinem Klubkameraden Arturo Vidal vom FC Bayern. Die beiden machten nicht den Eindruck, als wenn sie sich bei der anstehenden Saisonvorbereitung ein Zimmer teilen werden. Die Hitzköpfe sahen dafür die gelbe Karte. Wenige Minuten später versetzte Gonzalo Jara Timo Wagner einen veritablen Kinnhaken mit dem Ellenbogen. Schiedsrichter Masic forderte den Videobeweis und Jara sah Gelb.

Die Stimmung war also ordentlich aufgeheizt, als Can schließlich den Ball tapfer und regelwidrig gegen die aufgebrachten Chilenen verteidigte. Zum Glück für Löw blieb sein Rudel-Einsatz ohne Folgen, am Ende benahmen sich alle wie Profis. Doch eines zeigt die ruppige Partie: Der in Deutschland vor Beginn belächelte Confed Cup wurde von den Favoriten ernst genommen, Chile wie auch die deutsche Elf wollten diesen Titel unbedingt. Und spannend war es auch.


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