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Auslosung zur WM 2010 in Südafrika: Krachergruppe oder wieder Losglück?

Am Abend findet in Kapstadt die WM-Gruppenauslosung für das Fußball-Spektakel 2010 in Südafrika statt. Dem DFB-Team ist traditionell das Losglück hold. Aber es kann auch anders kommen.

Von Klaus Bellstedt

Der Countdown läuft: Für 90 Minuten ist Kapstadt am Freitagabend der Nabel der Fußball-Welt. Rund 200 Millionen Fußball-Fans werden die Live-Übertragung der WM-Gruppenauslosung (ab 18.00 Uhr MEZ live bei stern.de sowie im ZDF und bei Sky) in 200 Ländern im Fernsehen verfolgen. Sie blicken mit Spannung der Veranstaltung am Kap der Guten Hoffnung entgegen, das 189 Tage vor dem Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft den Startschuss zur heißen WM-Phase bedeutet.

Die Vorzeichen für den dreimaligen Welt- und Europameister Deutschland sind klar: Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw stellt einen der Gruppenköpfe dar und wurde dem Topf eins mit den Top-Teams sowie Gastgeber Südafrika zugeteilt. "Ich freue mich wahnsinnig auf die Auslosung. Denn dann beginnt für mich das Turnier, dann geht die WM los. Am Freitag werden wir wissen, gegen wen wir spielen, wo wir spielen und vor allem wann wir spielen. Danach können wir mit den konkreten Planungen beginnen", so Löw. Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff orakelte: "Für uns ist alles möglich. Wir können durchaus auf drei schwere Brocken in der Vorrunde treffen."

Algerien, Slowenien, Neuseeland möglich

Bierhoff hat Recht: Denn dem Vize-Europameister droht bei der ersten WM auf dem afrikanischen Kontinent (11. Juni bis 11. Juli 2010) in der Vorrunde im schlimmsten Fall Frankreich, die Elfenbeinküste und die USA. Nationalelf-Manager Oliver Bierhoff: "Das wäre die Hammergruppe." Frankreich ist Vize-Weltmeister. Hat neben Franck Ribéry (Bayern) weitere Superstars wie Thierry Henry (Barcelona) und Nicolas Anelka (Chelsea) im Kader. Star der Elfenbeinküste ist Chelsea-Stürmer Didier Drogba. Die USA gewannen die Qualifikation in Nord- und Mittelamerika souverän. Der schillerndste Spieler der US-Boys ist Landon Donovan (LA Galaxy), der letzte Saison noch sechs Spiele für Bayern bestritt. Aber auch Portugal (mit Weltfußballer Ronaldo), Nigeria und Mexiko wäre eine mögliche Krachergruppe. Genau wie ein Duell mit den deutschen Star-Trainern Rehhagel (Griechenland) und Hitzfeld (Schweiz). "Es herrscht absolute Hochspannung. Ich nehme jede Aufgabe an", sagte Löw wenige Stunden vor der Auslosung.

Was man allerdings nicht vergessen darf: Der deutschen Nationalmannschaft war in der Vergangenheit bei den WM-Auslosungen das Glück meistens hold. Vor vier Jahren erwiesen sich in der Vorrunde Costa Rica, Polen und Ecuador nicht als Stolpersteine beim "Sommermärchen". Mögliche Gegner in einer "Lacher"-Gruppe wären 2010 in Südafrika zum Beispiel Algerien (Weltranglisten-Platz 28), Slowenien (Platz 33) und Neuseeland (Platz 77).

Maradona muss leider draussen bleiben

Der südafrikanische Staatspräsident Jacob Zuma und Fifa-Boss Joseph S. Blatter werden die Live-Show in Kapstadt eröffnen. Moderiert wird die Veranstaltung von Südafrikas Oscar-Gewinnerin Charlize Theron. Englands Fußball-Ikone David Beckham soll ebenso als "Losfee" fungieren wie der äthiopische Leichtathletik-Olympiasieger und Marathon-Weltrekordler Haile Gebrselassi, Makhaya Ntini, der erste dunkelhäutige Spieler in der südafrikanischen Kricket-Nationalmannschaft, John Smit als Kapitän des südafrikanischen Rugby-Weltmeisterteams sowie der glatzköpfige Bafana-Bafana-Abwehrrecke Matthew Booth.

Für den Höhepunkt nach der Auslosung soll das Finale mit 80 Künstlern, einschließlich des berühmten Ensembles Afrika Umoja, sorgen. Zur erwarteten Heerschar der Prominenz zählen die Friedensnobelpreisträger Frederik W. de Klerk und Erzbischof Desmond Tutu sowie die Fußball-Weltstars Franz Beckenbauer, Michel Platini und Roger Milla. Insgesamt 2000 Gäste und über 1700 Medienvertreter haben sich akkreditiert. Nur einer muss draußen bleiben: das argentinische Fußball-Idol Diego Armando Maradona. Der Trainer der "Gauchos" ist von der Fifa aufgrund seiner zweimonatigen Sperre wegen obszöner Beschimpfungen von Journalisten zur "unerwünschten Person" in Kapstadt erklärt worden. "Maradona wird keine Akkreditierung erhalten", ließ die Fifa verlauten. Aber Personalien zählen bei der WM-Gruppenauslosung sowieso nicht. Auf die Loskugeln kommt es an.

Mit SID

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