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Bundesliga-Finale: "Auf ein Neues!"

Nach dem furiosen Bundesliga-Finale beginnt das Großreinemachen: Zwei Trainer sind plötzlich arbeitslos, Owen Hargreaves wechselt als teuerster Transfer aller Zeiten zu ManU, und Bayern-Manager Uli Hoeneß droht seinen Spielern mit amerikanischen Verhältnissen.

Die 44. Saison der Fußball-Bundesliga wird nach einem der spannendsten Titelkämpfe seit 1963 noch lange in Erinnerung bleiben. Dass am Ende der VfB Stuttgart völlig überraschend den fünften Titel nach 1950, 1952, 1984 und 1992 gewann, fand neidlose Anerkennung in Land und Liga. "Chapeau Stuttgart!", sagte sogar Uli Hoeneß, Manager des entthronten Titelverteidigers Bayern München. "Der VfB ist ein Meister der Moral", sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, fügte aber an: "Tut's mir die Schale schön putzen, denn im nächsten Jahr wird sie wahrscheinlich wieder nach München gehen."

Am Ende haben die Stuttgarter mit acht Siegen in Serie aus dem Windschatten kommend sowohl den FC Schalke 04 als auch Werder Bremen noch auf der Zielgeraden abgehängt. "Das ist ein sehr, sehr gutes Gefühl. Wir haben die ganze Saison konstant und leidenschaftlichen Fußball gespielt", freute sich VfB-Trainer Armin Veh nach dem 2:1 gegen Energie Cottbus über das schwäbische Sommermärchen. Rund 150.000 Zuschauer säumten in der Nacht zum Sonntag die Straßen beim Triumphzug der Stuttgarter Profis. "Das übertrifft sogar noch die WM", sagte Veh, dessen Team am Samstag in Berlin das "Double" im DFB- Pokalfinale gegen den 1. FC Nürnberg perfekt machen kann.

Der FC Schalke 04 hatte vor dem Spiel gegen Arminia Bielefeld den Glauben an ein Fußball-Wunder nicht ganz verloren, war nach dem verlorenen Titelrennen aber nicht am Boden zerstört. "Die erste Enttäuschung haben wir weggesteckt. Die Chance war aber nie so groß", sagte 04-Manager Andreas Müller nach der fünften Vize-Meisterschaft seit 1972, mit der wenigstens die direkte Teilnahme an der Champions League gesichert wurde. "Wir wollen alles Menschenmögliche tun, um wieder konkurrenzfähig zu sein", versprach er, "auf ein Neues!"

Dies hat sich auch der FC Bayern vorgenommen, der nach enttäuschender Saison als Vierter nur den Uefa-Cup erreichte und zum Saisonausklang 5:2 gegen Mainz 05 gewann. "Wir werden alle Kräfte mobilisieren, um eine Mannschaft zu präsentieren, die unsere Ziele erreichen kann", sagte Uli Hoeneß, der zum Abschied von Mehmet Scholl und Hasan Salihamidzic Tränen vergoss. Verlassen wird die Bayern auch Owen Hargreaves.

Er darf nach zähen und langwierigen Verhandlungen als teuerster Verkauf der Bundesliga-Geschichte vom FC Bayern München zum englischen Fußball-Meister Manchester United wechseln. Die Ablösesumme, die Aufsichtsratschef Franz Beckenbauer im Deutschen Sportfernsehen (DSF) mit "ein bisschen mehr" als 25 Millionen Euro bezifferte, will der deutsche Rekordmeister anscheinend unter anderem in eine sofortige Verpflichtung von WM-Torschützenkönig Miroslav Klose vom SV Werder Bremen investieren.

Abschied beim Saisonabschluss-Essen

Der 26-jährige Hargreaves war am Samstagabend beim internen Saisonabschluss-Essen der Bayern-Profis mit der Vereinsführung offiziell verabschiedet worden, wie Aufsichtsrats-Mitglied Helmut Markwort tags darauf im DSF-"Doppelpass" ausplauderte. "Es passt alles zusammen", so Beckenbauer: "Der Wunsch des Spielers, und es kommt viel Geld zurück." Der 39-malige englische Nationalspieler Hargreaves, der noch bis 2010 bei den Bayern unter Vertrag stand, hatte bereits seit Saisonbeginn heftig einen Wechsel forciert.

Neben dem als sicher geltenden Transfer von Weltmeister Luca Toni vom AC Florenz scheint auch ein Klose-Transfer schon in diesem Sommer möglich. "Es wäre schön, wenn er kommen würde", sagte Beckenbauer, verwies aber beim Zeitpunkt zugleich auf dessen Ablösefreiheit im kommenden Jahr. Der Bayern-Vorstand will aber wohl sofort zuschlagen, wie Markwort erkennen ließ: Es stelle sich die Frage, ob Werder Bremen "trotzig" bleibe oder für Klose doch "Geld haben will". Hoeneß kündigte unterdessen nach dem letzten Saisonspiel gegen Mainz 05 einen härteren Umgang mit den Profis an. "Das Heuern und Feuern wird sich vermehrt darstellen", sagte der Manager.

Enttäuschte Bremer

Die Bremer beenden die Saison mit hängenden Köpfen. "Natürlich hatten wir uns mehr erhofft und sind enttäuscht", bekannte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs nach dem 2:0 beim VfL Wolfsburg. Während Bremen als Dritter die Chance hat, über die Qualifikation in die Champions League zu kommen, herrscht beim VfL Wolfsburg Tristesse. Nach dem Rauswurf von Trainer Klaus Augenthaler blicken die grauer gewordenen Wölfe, die als Tabellen-15. dem Abstieg um ein Haar entronnen sind, auf einen Scherbenhaufen.

Bei Absteiger Alemannia Aachen hat Chefcoach Michael Frontzeck nach dem 0:4 beim Hamburger SV frustriert selbst das Handtuch geworfen, weil er kein klares Bekenntnis der Vereinsführung bekam. Insgesamt gab es in der Saison 2006/07 zwölf Trainerwechsel, einen mehr als eine Spielzeit zuvor. Neben den Aachenern müssen auch der FSV Mainz 05 und Borussia Mönchengladbach in die 2. Liga absteigen.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters

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