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Bundesliga-Transfers: In Europa Oldies, in Deutschland Stars

Die Bundesliga deckt sich mit Stars ein. Kurz vor Ende der Transferperiode sind mit Huntelaar, Silvestre und Camoranesi weitere bekannte Gesichter auf dem Weg nach Deutschland. Allerdings gehören viele schon zum alten Eisen. Ist mehr für die Bundesliga-Klubs nicht möglich?

Von Daniel Barthold

Auf dem Transfermarkt tut sich derzeit einiges. Am Dienstag schließt das Transferfenster. Vor allem auf Schalke verstärkt man sich nach dem Fehlstart in der Bundesliga noch kräftig. Klaas-Jan Huntelaar wechselt für 14 Millionen Euro vom AC Mailand nach Gelsenkirchen und für 11 Millionen Euro kommt auch der spanische Mittelfeldspieler Jose Manuel Jurado von Atletico Madrid. Die Liga verstärkt sich und genießt weltweit einen guten Ruf.

Auch Raúl, Mikael Silvestre und Mauro Camoranesi, alle 33 Jahre alt, spielen in der Bundesliga. Klangvolle Namen - aber Topstars sind sie nur auf den ersten Blick. Denn diese Spieler gehören schon fast zum alten Eisen. Fakt ist: Bei Real Madrid, Juventus Turin oder Arsenal London wollte man diese Spieler nicht mehr haben. Für die Bundesliga scheint es aber noch zu reichen. Echte Stars wie Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney oder Didier Drogba würden einen Wechsel nach Deutschland wohl kaum in Erwägung ziehen. Dafür gibt es auch gute Gründe. Einer davon: Die Bundesliga ist erst wieder auf dem Weg, sich international zu etablieren.

Bundesliga auf dem Weg nach oben

Nach dem letzten Champions-League-Sieg des FC Bayern 2001 befand sich der deutsche Vereinsfußball international auf dem absteigenden Ast. Auch wenn es sportlich im vergangenen Jahr durch die Final-Teilnahme der Bayern in der Königsklasse erfreulich lief, lockt die Bundesliga mit anderen Reizen. Es geht um Atmosphäre, gut geführte Vereine und sichere Gehälter. Die WM 2006 in Deutschland hat viele internationale Spieler aufhorchen lassen. Das hat auch Raúl zum Wechsel zum FC Schalke bewogen.

Dem 33-Jährigen war sehr wohl bewusst, dass es aufgrund seines Alters für Real Madrid nicht mehr reichen würde, er wollte die Atmosphäre in Deutschland erleben. In der Bundesliga treffen Raúl, Ruud van Nistelrooy und Co. auf ein ruhigeres Umfeld. Zwar ist der Erfolgsdruck hier ähnlich hoch, doch die Premier League ist im Vergleich dazu ein Haifischbecken. Stimmt die Leistung nicht, sitzen Spieler auf der Ersatzbank – egal wie sie heißen. Die Scheichs und Milliardäre in Manchester, Liverpool und London zeigen sich wenig geduldig. In der Bundesliga ist das anders.

Europa hat die Stars, macht aber auch Schulden

Die Bundesliga ist dabei, sich eine völlig eigene Identität zu schaffen. Der neidische Blick in die Premier League ist längst verflogen. Denn die großen Stars braucht man nicht zwangsläufig. Ziel ist es, junge deutsche Spieler aufzubauen, die übrigens gut von den Alt-Stars lernen können. So sieht es auch Werders Neuzugang Mikael Silvestre. "Ich möchte einer der führenden Spieler dieser Mannschaft sein, an dem sich junge Spieler orientieren können, damit sie ihre Ziele leichter erreichen können", so der Franzose. Auch hier spielen mittelfristige Ziele eine Rolle, die es in Madrid oder Manchester nur kurzfristig gibt. Zudem agiert man in Deutschland mit realistischen Investitionen.

Bayern München, Werder Bremen oder der Hamburger SV stehen wirtschaftlich blendend dar. Die Bayern sind wohl der bestgeführte Verein Europas. Damit das so bleibt, sind Mega-Transfers in der Bundesliga nicht möglich - das ist im Grunde positiv. Auch der Lernfaktor für junge deutsche Spieler ist da - das ist ebenfalls gut. Stimmt die Leistung jedoch nicht, darf man auch in der Bundesliga nicht davor scheuen, Alt-Stars auf die Bank zu setzen. Denn in den europäischen Ligen ist eines noch überall gleich: Qualität setzt sich durch.

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