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Pressestimmen zum Abstiegskampf: "Der wahre Absteiger ist Schalke"

Einige Presse-Kommentatoren trauern Freiburg und Paderborn nach. Andere feiern Hannover, Stuttgart und den HSV, weil die "Verzwergung" der Liga gestoppt sei - und Schalke kommt gar nicht gut weg.

Leidenschaft beim HSV, sportliche Bankrotterklärung bei Schalke: Hamburgs Ivica Olic jubelt über sein Tor gegen die Königsblauen

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"faz.net": Freiburg und Paderborn gehen aufrecht in die zweite Liga, ohne Skandale, ohne wüste Beschimpfungen ihrer Fans, ohne Trainerwechsel – einzig orientiert am Machbaren und nicht in Träumereien verfangen wie in Hannover, Stuttgart und Hamburg. Dort sah man sich zu Saisonbeginn und im Fall Hannover auch zum Rückrundenstart als Kandidat für die Europa League – der HSV benötigte am Ende gleich vier Trainer, um sich wenigstens noch in die Relegation zu zittern.

"Bild am Sonntag"

: VfB Stuttgart gerettet, der HSV in der Relegation. Das Abstiegs-Finale hat die Großen leben lassen. Ist das gut für die Bundesliga? JA! Auch wenn einem der Hamburger Kult um den Dino und die Bundesliga-Uhr ziemlich auf den Wecker geht. Auch wenn der HSV sportlich den Klassenerhalt nicht verdient. Der erste Verein, der mit nur 25 Saisontoren nicht direkt absteigt... Trotzdem! Die Bundesliga braucht Klubs mit der Strahlkraft des HSV und des VfB. Der Prozess der "Verzwergung" ("FAZ") der Liga durch die Kleinen ist gebremst.

"sueddeutsche.de":

Vielleicht hat der Abstieg diesmal zwei Städte erwischt, die bei allem Schmerz immer noch am besten damit umgehen können. In Paderborn und Freiburg stürzen keine Welten ein, es werden sich nun keine Vereins-Ikonen erheben und Köpfe fordern - anders als beim Hamburger SV, dessen größte Leistung im Abstiegskampf war, am letzten Spieltag Schalke 04 zu begegnen; einer Mannschaft, die sich im Moment gerne besiegen lässt. Der HSV muss nun zum zweiten Mal hintereinander in die Relegation, und im Gegensatz zum anderen gefährdeten Traditionsbetrieb, dem VfB Stuttgart, hat sich der HSV dieses Nachsitzen redlich verdient.

"Spiegel online": Es sind dies die bittersten Lehren dieser Saison: dass die unorganisierten, die erratischen und mäandernden, aber doch kalt kalkulierenden Klubs oben geblieben sind. Dass die, die sich wie Unternehmen verhielten, heuerten und feuerten, triumphierten. Dass die sich durchgesetzt haben, die Bedeutung aus Tradition ableiten und Größe aus ihrem Etat. Abgestiegen sind stattdessen der SC Freiburg und der SC Paderborn. Die beiden einzigen Klubs da unten, die ihre Trainer auch dann nicht rauswarfen, als die Lage längst prekär war oder noch schlimmer. Weil sie es sich nicht leisten können, einen zweiten Trainer zu bezahlen oder einen vierten. Oder die sich den Gesetzen des Marktes widersetzen, weil sich sowas einfach nicht gehört.

"Welt am Sonntag":

Der HSV darf weiterleben. Die Relegation wird zeigen wie lange noch. Vor einem Jahr spielte der HSV gegen Greuther Fürth 0:0 und 1:1. Von der knappsten Rettung aller Zeiten wurde gesprochen. Damals hatten die Hamburger vier Punkte weniger auf dem Konto als diesmal der Letzte Paderborn. Nun wird es wieder knapp – für die Hamburger ist das ein Geschenk des Himmels. Beziehungsweise aus Hannover.

"sport1.de"

: Die wahren Absteiger dieser Saison sehe ich aber auf Schalke. Nach der blutleeren und charakterlosen Rückrunde ohne Auswärtssieg geht die Zeit für Trainer Roberto Di Matteo bei S04 zu Ende. Ich gehe fest von seiner Entlassung aus, fragt sich nur noch ob Sportvorstand Horst Heldt gleich mitgehen muss. Heldt war es, der diesen Kader und die Entlassung Jens Kellers zu verantworten hatte.

"Hamburger Morgenpost": Die Uhr im Volkspark tickt weiter. Zumindest noch neun Tage lang. Doch die Art und Weise, wie der HSV den Kopf aus der Schlinge zog, macht Hoffnung. „Wir sind sehr gut mit diesem Druck umgegangen“, lobte Labbadia. Der Dino lebt, beißt und speit Feuer! Und hat nun wieder alles in der eigenen Hand.

"Badische Zeitung":

Die Fassungslosigkeit und die Trauer kommen noch. Es werden schlimme Wochen", sagte Streich nach der 1:2 (0:1)-Niederlage bei Hannover 96. Dann schossen ihm Tränen in die Augen. Und der Charakterkopf, der vorher fast trotzig betont hatte, seine Arbeit beim Sportclub fortzusetzen und die Erstliga-Rückkehr anzustreben ("wir werden wiederkommen"), zog sich schluchzend in die Kabine zurück. (...) Es war nicht allein der bittere Sturz auf Rang 17 am 34. Spieltag oder die Aussicht auf mindestens ein Jahr ohne Bundesliga-Luft, die Streich am Ende einer nervenaufreibenden Saison aus der Bahn warf. Was Streich besonders schmerzt, ist der wohl zwangsläufig anstehende Abschied einiger Leistungsträger. "Es wird einen Umbruch geben, keine Frage. Das tut mir wahnsinnig weh. Die Mannschaft war sehr talentiert", ergänzte der Trainer: "Aber bei uns schüttet keiner Millionen rein."

"Hannoversche Allgemeine":

Der Verein kann sich bei Michael Frontzeck bedanken. Der Trainer, der viel zu spät für den überforderten Tayfun Korkut kam, hat eine Mannschaft am Abgrund zur 2. Liga mit kleinen taktischen Kniffen, mutigen Personalien und ganz viel Ruhe gerettet. Jede Diskussion darüber, ob er bleiben soll oder nicht, ist überflüssig. Frontzeck, geholt als Fünf-Spiele-Trainer, muss bleiben. Alles andere wäre die nächste personelle Fehlentscheidung – und davon hat es bei (Hannover, Anm. d. Red.) 96 zuletzt viel zu viele gegeben.

tis

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