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Ende der Winterpause Keine guten Nachrichten für Gladbach: Fünf gewagte Prognosen zur Bundesliga

Bundesliga
Die Bundesliga nimmt den Betrieb wieder auf - und Borussia Mönchengladbach sucht immer noch einen Weg aus der Krise
© Maja Hitij/Bongarts/Getty Images
Endlich wieder Fußball: Die Bundesliga startet ins Jahr 2017 und die Klubs kommen mit großen Erwartungen aus der Vorbereitung. Wie wird der Rest der Saison wohl verlaufen? Ein Ausblick in fünf gewagten Thesen.

Im Fußball ist alles möglich, heißt es. Na gut, in Zeiten wachsender finanzieller Ungleichheit hat diese Phrase womöglich ein bisschen Wahrheitsgehalt eingebüßt. Trotzdem gibt es im Verlauf einer Bundesliga-Saison immer wieder Überraschungen, mit denen vorher kaum ein Fan gerechnet hätte. Es geht schon heute Abend los: Wenn der SC Freiburg zum feierlichen Ende der fußballfreien Zeit den FC Bayern München empfängt, käme ein Sieg der sicher nicht chancenlosen Freiburger trotzdem einer kleinen Sensation gleich.

Aber was ist sonst so von der zweiten Hälfte der Bundesliga-Saison 2016/17 zu erwarten? Welche großen Geschichten könnten geschrieben werden? Mit welchen Wendungen müssen wir rechnen? Welche Rekorde werden gebrochen? Der stern wagt einen Ausblick in fünf steilen Thesen - denn im Fußball ist alles möglich, zum Beispiel auch das hier:

1. Der BVB holt RB Leipzig noch ein

Das Fachmagazin "Kicker" stellt in seinem Rückrunden-Check über den BVB großzügig fest: "Die Qualität im Kader reicht allemal, um Dritter zu werden." Ja wie?! Was gönnerhaft klingt, verkauft die Dortmunder Borussia eigentlich unter Wert, denn wenn es wirklich explizit um die Qualität des Kaders geht, müsste sie sogar für Platz 2 reichen. Und warum sollte der Vize-Platz an der Sonne nicht tatsächlich noch drin sein für das Team von Trainer Thomas Tuchel? Sicher, die nachlässige Defensive macht ebenso unverändert Sorgen wie das anhaltende Verletzungspech - aber wenn der BVB mit seiner beispiellosen Offensivpower erstmal (über ein paar Wochen) ins Rollen kommt, geht noch was. Schließlich wäre RB Leipzig nicht die erste Mannschaft, die eine überraschend starke Hinrunde nicht bestätigen kann. Da sind neun Punkte Rückstand schnell aufgeholt. Und weil auch die Dortmunder Tabellennachbarn aus Berlin und Frankfurt ihre Fähigkeit zur Konstanz erst noch beweisen müssen, könnte der BVB die Konkurrenz am Ende links überholen. Bis auf die Bayern, versteht sich. So steil sind unsere Thesen dann auch wieder nicht ...

2. Borussia Mönchengladbach steigt ab

... Oder sind die Thesen doch so steil? Verbietet es der Fußball-Sachverstand oder gar die grundsätzliche Zurechnungsfähigkeit nicht, einen Verein wie Borussia Mönchengladbach als ernsthaften Abstiegskandidaten einzuschätzen? Eine Mannschaft, die in der Champions League sehr gute Spiele abgeliefert hat und wohl in jeder anderen Gruppe die Vorrunde überstanden hätte? Ein Kollektiv, das aufgrund seiner individuellen Qualität zu den Top 5 der Liga gezählt werden muss? Nein, denn insbesondere der letztgenannte Punkt ist das klassische Problem: Wenn sich eine Mannschaft auf Platz 14 immer noch auf ihre vermeintliche Klasse verlässt, ist ganz schnell alles zu spät. Der neue Trainer Dieter Hecking ist deshalb besonders im mentalen Bereich gefordert: Er muss filtern, wer dem Ernst der Lage gewachsen ist. Sonst könnte es der Borussia noch schlimmer ergehen als Bayer Leverkusen, das in der Saison 2002/03 als Champions-League-Teilnehmer auf Platz 15 der Abschlusstabelle landete und erst am letzten Spieltag den Klassenerhalt sicherstellte. Das Auftaktprogramm mit Darmstadt, Leverkusen und Freiburg dürfte richtungsweisend sein.

3. Der HSV marschiert in den internationalen Wettbewerb

Hahaha, der HSV. Was haben wir in den letzten Jahren nicht schon gelacht über den schlafenden Dino aus dem hohen Norden! Zu Recht, denn wie sich der Verein auf und außerhalb des Platzes präsentierte, entbehrte nicht selten einer gewissen Komik. Auch in der Hinrunde war lange keine Besserung zu erkennen. Was soll also jetzt anders sein? Ein wichtiger Faktor ist Trainer Markus Gisdol, der nach seinem verheerenden Start tatsächlich einen Hauch von Stabilität etablieren konnte. Die oft indisponierte Defensive ist mit Mergim Mavraj und Kyriagos Papdopoulos (statt Emir Spahic und Cleber) qualitativ jetzt besser besetzt, offensiv ist von Bobby Wood und Michael Gregoritsch nach guten Andeutungen in der Hinrunde noch einiges zu erwarten. Sollte der Start ins Jahr 2017 mit zwei Auswärtsspielen bei der direkten Konkurrenz (in Wolfsburg und Ingolstadt) erfolgreich verlaufen, könnte sich an der Elbe eine Eigendynamik entwickeln wie vor genau zehn Jahren: Da kletterten die Hamburger in der Rückrunde von Platz 17 auf 7 - und eine Verbesserung um zehn Plätze würde als momentan 16. nicht weniger als die Teilnahme an der Europa League garantieren. 

4. Ein Kölner wird Torschützenkönig

Pierre-Emerick Aubameyang oder Robert Lewandowski - wer wird Torschützenkönig? In der letzten Saison hatte Aubameyang bis zur Winterpause satte 18 Treffer erzielt, wurde in der Rückrunde aber noch von Lewandowski überholt. Auch diesmal hat der Knipser des BVB mit 16 Toren ordentlich vorgelegt, der Bayern-Stürmer traf bisher 12-mal. Aber wenn zwei sich streiten, freut sich Anthony Modeste, der mit 13 Treffern im Ranking zwischen den beiden Superstars lauert. In Köln genießt er uneingeschränktes Vertrauen und zeigt sich dauerhaft in Topform. Beim FC sind sie auf seine Treffer angewiesen, und der loyale Franzose lässt sich bisher nicht lumpen: "Im Moment haben wir einen Stürmer, der jede Fliege vom Pfosten schießt", sagte Sportdirektor Jörg Schmadtke nach Modestes Hattrick über den HSV im Oktober. Sollte der 28-Jährige weiter so genau zielen, könnte er im Rennen um die Torjägerkanone am Ende der lachende Dritte sein.

5. Ein Oldie bricht alle Rekorde

Eigentlich ist die Bundesliga ohne Claudio Pizarro nicht mehr vorstellbar. Die peruanische Sturmlegende ist inzwischen 38 Jahre alt, aber immer noch ein Hoffnungsträger für Werder Bremen im Abstiegskampf. Zusammen mit Serge Gnabry, Max Kruse und Fin Bartels bildet Pizarro eine Offensive, die das Thema Abstiegskampf an der Weser theoretisch schnell beenden müsste. Sollte Pizarro auf seine alten Tage daran großen Anteil haben, könnte der treffsicherste Bundesliga-Ausländer aller Zeiten noch einmal Geschichte schreiben: In der Rückrunde der letzten Saison traf er zwölfmal - sollten ihm diesmal mindestens zehn Tore gelingen, hätte er als fünfter Spieler der Liga-Historie die 200-Tore-Marke geknackt (und als erster seit Manfred Burgsmüller, dem dieser Meilenstein 1987 ebenfalls im Bremer Trikot gelang). Außerdem hätte Pizarro dann in 13 Saisons zweistellig getroffen. Das hat bisher nur Gerd Müller geschafft.


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