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Werder Bremen: Ideenlos Richtung Liga Zwei

Werder Bremen kassierte mit einem uninspirierten Auftritt eine krachende Niederlage gegen Wolfsburg. Wenn den Bremern nicht schnell etwas einfällt, droht ein Neuaufbau eine Liga tiefer.

Ein Kommentar von Thomas Krause

Die Chance war groß für Werder Bremen: Die Konkurrenz aus Düsseldorf, Augsburg und Hoffenheim hatte nicht gepunktet, mit einem Sieg im Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg hätte man vier Spieltage vor Saisonende acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz gehabt. Der Abstieg wäre wohl kein Thema mehr gewesen. Was die Mannschaft dann aber auf dem Platz zeigte, war derart ideenlos, dass Trainer Thomas Schaaf am Spielfeldrand die Hände vors Gesicht schlug. "Wir haben nicht ins Spiel gefunden, nicht die Zweikämpfe angenommen, die es braucht", sagte Schaaf nach Abpfiff dem Fernsehsender Sky.

Das ist eine recht wohlwollende Umschreibung angesichts dessen, dass seiner Mannschaft kaum etwas gelang. Symptomatisch waren zwei Szenen von Marko Arnautovic: Der Stürmer schaffte es in der 59. Minute, eine Flanke von de Bruyne aus einem Meter Torentfernung noch am Pfosten vorbeizuschieben. Als Arnautovic 20 Minuten später doch noch ins Tor traf, hatte er vorher mit einem Fuß im Abseits gestanden - der Treffer zählte nicht. Einen Unterschied hätte höchstens die erste Szene noch machen können. Schon zur Halbzeit lag Wolfsburg 2:0 in Führung, den dritten Treffer hatte Werder in der 67. Minute nach einem dummen Foul von Özkan Yildirim an Vierinha per Elfer kassiert. Beim Abseitstor lag Werder also bereits hoffnungslos zurück.

Alte und neue Probleme

Weil das Geld aus dem internationalen Wettbewerb fehlt, müssen die Bremer seit Jahren oft ihre besten Spieler ziehen lassen. Letzte Saison traf Claudio Pizarro in 29 Spielen 18 Mal für die Bremer. Dann wechselte er zu den Bayern, obwohl klar war, dass er sich häufig auf der Bank wiederfinden würde. Aktuell steht Leihspieler Kevin de Bruyne - einer der besten Bremer diese Saison - vor dem Absprung zu einem Verein, der kommende Saison international spielt. Bayer Leverkusen soll an dem Belgier, der beim FC Chelsea unter Vertrag steht, Interesse haben.

Doch eine beliebtere Adresse für Bremer Spieler ist ausgerechnet der VfL Wolfsburg, der mit dem Geld des Volkswagen-Konzerns etwa Diego und Naldo aus Bremen weglocken konnte. Vor dem Spiel im Weserstadion fand die offizielle Verabschiedung Naldos statt. Früher konnte Sportdirektor Klaus Allofs die Abgänge meist noch durch Zugänge junger und billiger Talente kompensieren, die sich unter Schaafs Ägide weiterentwickelten. Doch Allofs wechselte im Winter Hals über Kopf - nach Wolfsburg, wo er frei von Bremer Sparzwängen schalten und walten kann. Ob sein Nachfolger Thomas Eichin eine ähnlich gute Spürnase wie Allofs hat, wird er erst noch beweisen müssen.

Ideenlosigkeit allerorten

Doch Werder hat auch noch ein neues Problem: Thomas Schaaf gelingt es nicht mehr, eine Mannschaft zu formen, die ihre individuellen Fähigkeiten auch auf den Rasen bringt. Spieler wie Marko Arnautovic - österreichischer Nationalspieler -, Clemens Fritz - ehemaliger Nationalspieler - oder der hoch talentierte Mehmet Ekici - wegen Adduktorenproblemen gegen Wolfsburg nicht im Kader - spielen zu oft unter ihren Möglichkeiten. Der Ex-Bremer Naldo sagte nach dem Spiel bei Sky, es tue ihm "im Herzen weh" wie Werders Mannschaft sich präsentiert habe. Was wohl als kleine Liebeserklärung gemeint war, muss vielen Werder-Fans wie ein Schlag ins Gesicht vorgekommen sein. Es war nicht der einzige an diesem Abend. Schon vor Abpfiff hatten Wolfsburger Fans im Weserstadion skandiert: "Zweite Liga, Werder ist dabei!"

Dass angesichts von nur fünf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz der Trainer in der Kritik steht, weiß Thomas Schaaf auch selbst: "Wenn ich im Weg stehen sollte, gehe ich gerne zur Seite." Da nützt auch das Lob nichts, das Klaus Allofs vergangene Woche im "Weser-Kurier" seinem ehemaligen Weggefährten Schaaf aussprach: "Werder kann sich glücklich schätzen, einen der besten Trainer Deutschlands zu haben", sagte der Sportdirektor des VfL Wolfsburg. "Einen besseren Trainer, was die Identifikation mit dem Klub angeht, was die tägliche Arbeit in allen Bereichen angeht, den kann man sich bei Werder nicht wünschen."

Werder ist nicht dafür bekannt, in Aktionismus zu verfallen. Doch so langsam muss man sich wohl fragen, ob die Vereinsführung an Schaaf festhält, weil sie an seine Arbeit glaubt oder weil sie schlicht keine Idee hat, wer die Mannschaft erfolgreicher trainieren könnte. Viele solcher Auftritte wie gegen Wolfsburg darf sich Werder jedenfalls nicht mehr erlauben. Sonst führt die Ideenlosigkeit von Vorstand, Trainer und Mannschaft den Verein in die zweite Liga.

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