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BVB gewinnt 3:0 gegen Donezk: "Unglaublich, wie geschnitten Brot"

Dortmund hat in der Königsklasse erneut mit einer großartigen Leistung geglänzt. Gegner Donezk war ohne Chance. Jetzt wartet das Viertelfinale. Und Dortmund mausert sich immer mehr zum Titelfavoriten.

Von Tim Schulze

Vor dem Spiel gegen Shakhtar Donezk hatte Jürgen Klopp noch mit feiner Ironie das Aus gegen Bayern München im DFB-Pokal kommentiert. "In München haben wir clevererweise nicht alles gezeigt, was wir drauf haben", hatte der Dortmunder Coach mit einem leisen Lächeln gesagt. Was seine Mannschaft dann im Rückspiel des Achtelfinales gegen den ukrainischen Serienmeister auf dem Rasen des Signal Iduna Parks zeigte, ließ sein Statement nicht mehr ironisch erscheinen, sondern wie eine sachlich korrekte Aussage. Denn sein Team zeigte beim souveränen 3:0-Sieg gegen Donezk ein weiteres Glanzstück in der Königsklasse. Und spielte weitaus stärker als bei der Niederlage gegen Bayern. Der Einzug in das Viertelfinale machte endgültig deutlich, dass sich die Dortmunder zu einer europäischen Spitzenmannschaft entwickelt haben.

"Das ist für uns alle ein außergewöhnlicher Moment. Die ganze Champions-League-Saison läuft bisher wie geschnitten Brot. Die Mannschaft spielt außergewöhnlich. Das war ein unglaubliches Spiel von uns", schwärmte Klopp nach dem Schlusspfiff mit einem diesmal seligen Grinsen im Gesicht. Es war ein historischer Erfolg, schließlich steht der BVB nach langen 15 Jahren das erste Mal wieder in der Runde des letzten Acht. Das machte auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke deutlich: "Es ging für uns um die Ehre. Finanziell geht's uns gut. Aber das Gefühl, ins Viertelfinale einzuziehen, ist durch nichts zu ersetzen."

Ausgerechnet Santana erzielt den Führungstreffer

Die Sätze von Watzke kamen von Herzen. Endlich haben die Dortmunder wieder ein sportliches Ausrufezeichen gesetzt. In den vergangenen Tagen und Wochen hatten sie sich in unsägliche Nebendiskussionen verzettelt oder verzetteln lassen: Da ging es um Plagiatsvorwürfe, um einen Transfer von Angreifer Robert Lewandowski oder die offensichtliche Enttäuschung, dass sie sowohl in der Meisterschaft wie im Pokal den Titel verloren haben. Die Leistung gegen Donezk war eine starke Reaktion zum richtigen Zeitpunkt.

Dabei gab es vor dem Spiel, in das die Dortmunder durch das 2:2 im Hinspiel mit einer guten Ausgangsposition gingen, die nächste schlechte Nachricht - Abwehrchef Mats Hummels musste wegen eines Infektes passen. Das galt angesichts der Leistungen von Ersatzmann Felipe Santana, der in den vergangenen Spielen schon Neven Subotic ersetzt hatte, als Hiobsbotschaft. Der brasilianische Verteidiger war zu oft ein Unsicherheitsfaktor, so dass sein erneuter Einsatz bei manchem BVB-Anhänger ein mulmiges Gefühl in der Magengegend auslöste.

Umso erstaunlicher war es, dass ausgerechnet Santana das wichtige 1:0 gegen Donezk erzielte. In der 31. Minute schraubte sich der Hummels-Ersatz mit seinen 194 Metern bei einem Eckball von Mario Götze in die Luft und wuchtete den Ball präzise ins Tor. Überhaupt zeigte Santana wie die gesamte Mannschaft über 90 Minuten eine hochkonzentrierte und entschlossene Leistung. Klopp hatte sich für seinen vielkritisierten Ersatzverteidiger eine besondere taktische Variante einfallen lassen. Zu Spieleröffnung ließ sich Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan fallen, um den ersten Pass zu spielen. So war eine der Schwächen Santanas eliminiert. Das hatte zur Folge, dass Gündogan sich kaum in die Offensive einschaltete und sich voll auf seine Aufgaben im defensiven Zentrum konzentrierte, während sein Nebenmann Sven Bender zunächst die meisten Ballkontakte hatte. Bender musste allerdings in der Halbzeit verletzt aufgeben, für ihn kam Sebastian Kehl zum Einsatz, der eine angebrochene Rippe hat. "Es war nicht geplant, dass ich so lange spiele. Bei Manni (Bender) war es dann doch ein bisschen schlimmer, er musste raus. Das ist bitter, ich hatte echt Schmerzen", sagte Kehl.

Götze ist bester Dortmunder

Doch trotz gedehnter Bänder und angeknackster Rippen - alles, was im Spiel gegen die Bayern und in vielen Bundesliga-Partien nicht funktionierte, lief diesmal nahezu perfekt. Donezk hatte kaum Räume, Pressing und Umschaltspiel griffen ineinander. Dortmund spielte wie aus einem Guss. Marco Reus fiel dadurch auf, dass er brav Defensivarbeit verrichtete und im Mittelfeld als Ballverteiler fungierte. Dortmund stand in der Abwehr sicher und vorne wirbelte Mario Götze, der bester Dortmunder Spieler an diesem Abend war. Der 20-Jährige erhöhte fünf Minuten nach dem Führungstreffer auf 2:0 – damit war eine Vorentscheidung gefallen. Die Vorlage kam von Robert Lewandowski, der oft nur durch Fouls zu stoppen war.

Nach Wiederanpfiff deutete Donezk seine Klasse an. Für eine kurze Phase übernahmen die Ukrainer das Kommando. Die Gastgeber brauchten ein wenig, um wieder zu ihrem Spiel zu finden. Nach einigen brenzligen Situationen war es Schachtjors Keeper Pjatow, der den starken Jakub Blaszczykowski mit einem schweren Patzer zum dritten Tor einlud. Es war die endgültige Entscheidung.

"Heute war wieder die richtige Borussia zu sehen. Sie gehören für mich zum absoluten Favoritenkreis", lobte Ottmar Hitzfeld den Club, den er in neunziger Jahren zwei Mal zur Meisterschaft und 1997 zum Champions League geführt hatte. So weit wollen sie in Dortmund trotz der erneuten Sternstunde nicht denken. Klopp wiegelte derartige Gedankenspiele schnell ab: "Es sind schon einige Mannschaften rausgeflogen, die vorher stark gespielt haben. Es sind keine Traumlose mehr dabei, es sind alles harte Brocken, auf die wir uns einstellen müssen."

Ein deutsches Duell im Viertelfinale ist möglich

Zeit zum Durchschnaufen bleibt nicht. Am Samstag steht das Derby gegen Schalke an, das für viele in seiner Bedeutung mindestens auf einer Stufe mit einem Champions-League-Achtelfinale steht. Oder sogar darüber. Am 15. März folgt die Auslosung für das Viertelfinale in der Champions League. Es ist nicht auszuschließen, dass Dortmund dann das Derby in der Königsklasse noch einmal spielen kann. Oder es geht gegen die Bayern. Auch das ist möglich.

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