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Champions League: Bordeaux macht die Bayern nervös

Endspielatmosphäre in München. Im Champions-League-Spiel gegen Girondins Bordeaux (ab 20.45 im stern.de-Liveticker) geht es für den FC Bayern bereits um die Qualifikation für das Achtelfinale. Auch ein anderer deutscher Verein steht vor einer entscheidenden Partie.

Bei Bayern München beginnt in der Champions League schon frühzeitig das große Nervenflattern. Bereits im vierten Gruppenspiel der Königsklasse geht es für den deutschen Fußball-Rekordmeister um alles oder nichts. Nur bei einem Sieg am Dienstag (ab 20.45 Uhr im <stern.de</i>-Liveticker) gegen Girondins Bordeaux ist das angestrebte Minimalziel Achtelfinale noch realistisch, ansonsten droht der Absturz in die Europa League. Selbst Daueroptimist Uli Hoeneß gestand deshalb vor dem richtungweisenden Duell mit den Franzosen eine besondere Anspannung ein. "Das ist fast schon ein Endspiel. Wenn du da nicht gewinnst, wird es extrem schwer. Ich bin ziemlich nervös, zumal wir ja auch gegen Juventus nicht gewonnen haben", sagte Hoeneß.

Auch Trainer Louis van Gaal unterstrich die Bedeutung des bisher wichtigsten Saisonspiels. "Wir wollen weiterkommen, das ist für den FC Bayern sehr wichtig. Deshalb müssen wir gewinnen. Wir müssen das wahrmachen", betonte der Niederländer. Den hohen Druck sieht er allerdings nicht unbedingt als Nachteil an: "Spannung ist nicht verkehrt. Das ist eine gute Herausforderung für die Spieler und für mich."

"Wir stehen mächtig unter Druck"

In Bordeaux hatten die Münchner das Hinspiel vor zwei Wochen mit 1:2 verloren. In der Gruppe A stehen sie deshalb mit nur vier Zählern auf Platz drei hinter Bordeaux (7) und Juventus Turin (5). Für den besseren direkten Vergleich mit Bordeaux brauchen die Bayern ein 1:0 oder einen Sieg mit zwei Toren Unterschied. Nach der Pleite in Frankreich hatte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bereits unmissverständlich "eine Reaktion der Mannschaft" gefordert: "Wir müssen in den beiden Heimspielen in der Champions League sechs Punkte einfahren." Auch Torwart Jörg Butt verdeutlichte noch einmal, "dass es für uns um sehr, sehr viel geht. Wir stehen mächtig unter Druck."

Gegen den Tabellenführer der französischen Ligue 1 muss van Gaal jedoch neben den verletzten Franck Ribery und Ivica Olic auch auf die gesperrten Thomas Müller (Gelb-Rot) und Abwehrchef Daniel van Buyten (Rote Karte) verzichten. Für den Belgier rückt der wiedergenesene Martin Demichelis in die Startformation. Wer Aufsteiger Müller auf der rechten Seite ersetzt, ist offen. Eine Alternative wäre Hamit Altintop.

Robben als Waffe von der Bank

Einen Einsatz von Arjen Robben von Beginn an schloss van Gaal aus. "Er wird sicher nicht anfangen, vielleicht 30 oder 35 Minuten spielen. Er ist wieder ein Joker, da hat er immer ein Tor gemacht", sagte der Bayern-Coach. Auch Hoeneß verspricht sich von dieser Variante einiges: "Wenn du Robben als Waffe auf der Bank hast, kannst du immer noch was biegen."

Der niederländische Stareinkauf hatte wochenlang nach einer Knie-Operation gefehlt und ist noch nicht wieder im Vollbesitz seiner Kräfte. Am Samstag beim 0:0 in Stuttgart gehörte Robben nicht einmal zum Kader. Ansonsten wird Weltmeister Luca Toni in die Mannschaft zurückkehren, nachdem 30-Millionen-Mann Mario Gomez bei seinem Ex-Klub Stuttgart über 90 Minuten eine Bewährungschance erhalten hatte, diese aber nur bedingt nutzen konnte.

"Druck gehört dazu"

Die Bayern sind seit acht Europapokalspielen daheim ungeschlagen, mussten sich dabei aber auch mit fünf Remis begnügen. Um am Dienstag den benötigten Sieg einzufahren, forderte Kapitän Mark van Bommel seine Kollegen auf, im Gegensatz zum Hinspiel "besser und schlauer" zu spielen: "Wir dürfen nicht so viele Freistöße und Ecken weggeben, da sind sie stark."

Van Bommel will die angespannte Lage beim FC Bayern indes nicht überbewerten. Die Nervosität von Hoeneß sei "ein gutes Zeichen. Das zeigt, dass wir ein wichtiges Spiel haben. Natürlich wissen wir, dass wir gewinnen müssen. Wir sind auch nervös, aber nicht mehr als sonst", behauptete der Niederländer. Und überhaupt: "Druck gehört dazu. deshalb spielt man auch Champions League."

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich der VfL Wolfsburg auf seine Champions-League-Partie in Istanbul vorbereitet.

"Wölfe" wollen Weichen auf Achtelfinale stellen

Der Top-Torjäger gesperrt, die Abwehr verunsichert und der Trainer unter Beschuss: Als sich der deutsche Meister VfL Wolfsburg am Montag noch vor Morgengrauen auf den Weg zum möglicherweise vorentscheidenden Gruppenspiel in der Champions League bei Besiktas Istanbul machte, waren reichlich Sorgen mit im Gepäck. Zwar könnten die Niedersachsen mit einem Erfolg in der Türkei einen großen Schritt Richtung Achtelfinale der europäischen Königsklasse machen, doch angesichts von zuletzt drei Pflichtspielen in Folge ohne Sieg ist das Selbstbewusstsein der "Wölfe" angekratzt. "Wenn wir unsere Chance aufs Weiterkommen wahren wollen, sollten wir bei Besiktas zumindest nicht verlieren", sagte der in die Kritik geratene Trainer Armin Veh.

Zwei Wochen nach dem mageren 0:0 in Wolfsburg warnt der Coach seine Spieler für das Gastspiel beim türkischen Double-Gewinner vor einem "Hexenkessel" im Inönü-Stadion. Volle Offensive, wie zuletzt beim 3:3 in der Bundesliga gegen den FSV Mainz 05 wäre da die falsche Marschroute. "Wir werden eher aus einer geordneten Defensive agieren", so Veh. Dennoch hofft der VfL insgeheim auf den zweiten Sieg in vierten Gruppenspiel, der die Ausgangsposition für die beiden verbleibenden Partien bei ZSKA Moskau (25. November) und gegen Manchester United (8. Dzember) erheblich verbessern würde. "Vielleicht können wir ja in Istanbul das nachholen, was wir zu Hause gegen Besiktas versäumt haben", sagte Spielmacher Zvjezdan Misimovic mit Blick auf die vergebenen Chancen im ersten Aufeinandertreffen.

Probleme in der Abwehr

Das Problem könnte dabei aber weniger der Sturm, sondern vielmehr die Abwehr sein, die gegen Mainz deutliche Schwächen offenbarte. "Wir dürfen uns in der Defensive nicht wieder so lässig verhalten, sondern müssen viel aggressiver auftreten", erklärte Veh. Und auch Misimovic rief seine Teamkollegen zu mehr Disziplin auf: "Gegen Mainz haben wir uns dumm angestellt. Das betrifft alle, nicht nur die Abwehr."

Vorne sollen es derweil Edin Dzeko und Obafemi Martins richten. Während der Nigerianer Martins seine Qualitäten erst am Wochenende durch seinen Doppelpack gegen Mainz unter Beweis stellte, zeigte Dzeko zuletzt ungewohnte Ladehemmungen. Der Bosnier wartet seit vier Spielen auf einen Torerfolg und scheint nach einer Oberschenkel-Zerrung noch nicht wieder hundertprozentig fit zu sein. Doch die Alternativen sind nach Grafites Aussetzer im Hinspiel rar.

Besiktas zuletzt mit Siegesserie

Der Torschützenkönig der vergangenen Saison hatte sich im ersten Spiel gegen Besiktas zu einer Tätlichkeit hinreißen lassen und wurde von der UEFA für zwei Spiele gesperrt. "Es war ein Fehler, und ich hoffe, dass ich der Mannschaft dadurch nicht nachhaltig geschadet habe und dass wir trotzdem die nächste Runde erreichen", meinte der Rotsünder. Bei den Türken, die voraussichtlich erneut mit dem deutschen Mittelfeld-Duo Fabian Ernst/Michael Fink antreten werden, zeigte die Formkurve in den letzten Spielen derweil nach oben.

Beim 1:0-Sieg gegen MKE Ankaragücü gab es den vierten Sieg in Folge. "Gegen Wolfsburg wartet eine weitere Partie von großer Bedeutung auf uns. Aber ich habe das Gefühl, dass wir langsam in Fahrt kommen", sagte Trainer Mustafa Denizli.

sid/feh

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