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Champions League Expertenrunde - So läuft die Champions League


Die Champions League geht los! Wird auch Zeit, denn man will ja nicht immer 7:0-Siege sehen, oder? Unsere Fußballexperten freuen sich so sehr, dass wir sie gebeten haben, fünf Fragen zur neuen Saison zu beantworten. Wer gewinnt? Wer wird der Star? Und wen wollen wir eigentlich gar nicht in der Königsklasse sehen?

Vor dem Start der neuen Saison im wichtigsten Clubwettbewerb des Weltfußballs haben wir unseren Fußballredakteuren fünf Fragen gestellt. Natürlich sind die Kollegen nicht immer der gleichen Meinung. Aber einig sind sie sich darin, dass Barcelona seinen Titel nicht verteidigt. Schöne Experten! Aber lesen Sie selbst...

1) Wer wird der Star dieser Saison?

Malte Asmus: Lionel Messi, Andres Iniesta, Cristiano Ronaldo … eigentlich sind es immer die gleichen Namen, die bei der Suche nach dem zu erwartenden großen Dominator der neuen Spielzeit genannt werden. Kaum genannt wird Zlatan Ibrahimovic. Dabei könnte der Schwede in Diensten von Milan in der eigentlich schon weitgehend entschiedenen Gruppe H gegen Viktoria Plzen und BATE Borisov einiges für sein Torkonto tun. Wenn er dazu noch gegen Barca sein altes Phlegma, in großen und wichtigen internationalen Spielen unterzutauchen, endlich ablegt und nicht nur mit Worten, sondern auch Toren auftrumpft, wäre er für mich ein heißer Kandidat.

Daniel Raecke: Diego Forlán wäre es zu gönnen, dass er bei Inter noch einmal ganz groß raus kommt. Hulks Weltklasse wird vermutlich angesichts der schwachen Porto-Gruppe nicht sehr viel Beachtung finden, und viel weiter als bis ins Achtelfinale sehe ich die Dragoes nicht kommen. Auf Mario Götzes Rolle auf der großen Bühne bin ich sehr gespannt, aber auch Dortmund ist eigentlich kein Kandidat fürs Halbfinale. Wer von den Topteams wird also zum Star? Ashley Young ist für Manchester United eine exzellente Verstärkung, Mesut Özil könnte in Madrid noch mehr Akzente setzen als in seiner Debütsaison. Das Zeug zum ganz großen Star der Champions League hat für mich aber vor allem Sergio Agüero. Mit seinem Wechsel zu Manchester City hat dieser fantastische Fußballer endlich die nächste Karrierestufe gezündet. Kuns Form in der Premier League ist bisher phänomenal und verspricht einiges für die Gruppenphase der Champions League.

Marcus Krämer: Es wurden schon eine Menge Namen genannt und sicher muss man sich auf einen Spieler der Topteams fest legen, die Finalteilnahme ist schon die Bedingung, um als der große Star der Saison gekürt zu werden. Lionel Messi hat deshalb sicher wieder beste Chancen, aber ich glaube an den nächsten Karriereschritt von Mesut Özil. Ein Deutscher als Topstar der Champions League? Muss ich etwa eine nationale Brille abnehmen? Nein, denn der Spielmacher von Real Madrid hat bereits an seiner Torgefährlichkeit gearbeitet, seine Qualitäten als Vorbereiter und Schwungrad und Drehscheibe einer gesamten Offensive hat er bereits in der vergangenen Saison gezeigt.

2) Wie schneiden die deutschen Teams ab?

Malte Asmus: Konservieren die Bayern ihre derzeitige überragende Form und bleiben sie langfristig von Verletzungen insbesondere ihres Flügelduos Robben/Ribéry verschont, werden sie trotz der Hammergruppe in der Vorrunde weit kommen. Ob es letztlich für das Finale im eigenen Stadion reichen wird, bezweifel ich allerdings dann doch. Obwohl Dortmund mich bisher anders als in der Vorsaison noch überhaupt nicht überzeugen konnte, traue ich den Klopp-Jungs genau wie Leverkusen zu, die Gruppenphase zu überstehen und ins Achtelfinale zu kommen. Dort dürfte dann aber für beide Schluss sein.

Daniel Raecke: Dortmund sollte in Normalform das Achtelfinale erreichen, braucht dann aber Losglück, um noch mehr zu erreichen. Leverkusen hat die starke Defensive, die man in der Champions League braucht und ist gegenüber Valencia leicht favorisiert, die Gruppe hinter Chelsea als Zweiter zu überstehen. Das Ausscheiden für Bayer 04 ist jedoch auch denkbar und wäre keine Schande.

Und der FC Bayern? Niemand weiß, wie lange City seine überragende Form halten kann, aber anders als Philipp Lahm meint, ist Bayern nicht wirklich der klare Favorit in der Gruppe A. Dennoch wäre das Scheitern in der Gruppenphase für die Münchner natürlich eine Riesenenttäuschung. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Platz eins in der Gruppe wichtig ist, um Barcelona, Real Madrid oder Manchester United im Achtelfinale zu vermeiden. Diese drei Teams sollten im Normalfall über zwei Spiele für Bayern zu stark sein, so dass mich das Erreichen des Endspiels im eigenen Stadion überraschen würde.

Marcus Krämer: Auf die Gefahr hin, mich im Süden der Republik unbeliebt zu machen, sage ich das Vorrundenaus für den FC Bayern voraus. Die Gefahr dieser Gruppe A scheint noch nicht wirklich angekommen zu sein. Konserviert Manchester City die bisherige Form, ist der Gruppensieg vergeben. Und dahinter sehe ich drei Teams auf Augenhöhe. Sicherlich wird die Tagesform zwischen den Bayern, Napoli und Villarreal entscheiden. Aber da die Münchner es noch nie ins Finale geschafft haben, wenn es vor der eigenen Haustür stattfindet, ist diesmal halt besonders früh Schluss. Dortmund und Leverkusen werden es dagegen ins Achtelfinale schaffen, bei günstiger Auslosung könnte es sogar ins Viertelfinale gehen - weiter aber auch nicht.

3) Welches Team hat hier am wenigsten verloren?

Malte Asmus: Also, ich finde, alle Teams, die sich für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren konnten, haben es auch verdient hier zu stehen ... Okay, lassen wir mal das politisch korrekte Geschleime ... Ich für meinen Teil könnte gut auf Otelul Galati verzichten. Zwar muss man den Hut davor ziehen, was Coach Dorinel Munteanu dort ohne einen reichen Mäzen und mit vielen namenlosen, jungen Kickern in der letzten Saison auf die Beine gestellt hat. Doch in der Champions League favorisiere ich persönlich große Namen und Europapokal-Traditionen. Über beides verfügt der Club jedoch bisher nicht und auch eine Reise in die von Schwerindustrie und Maschinenbau geprägte siebtgrößte Stadt Rumäniens verspricht in erster Linie erhebliche Reisestrapazen.

Daniel Raecke: Auch ich sehe gerne große Teams in der Champions League. Vor allem ist es eine Farce, dass Michel Platini mit seinen Reformen zugunsten der kleinen Ligen noch mehr Gruppen geschaffen hat, in denen keinerlei sportliche Spannung herrscht. Was Otelul Galati angeht, muss ich allerdings etwas widersprechen, denn das ist immerhin der rumänische Meister und als solcher nicht ganz zu Unrecht direkt qualifiziert.

Viel ärgerlicher finde ich die Clubs, die sich über den sogenannten Meisterpfad qualifiziert haben, in dem anders als überall sonst im Fußball so gesetzt wird, dass gerade möglichst viele Kleine weiter kommen. So musste BATE Borisov nur gegen Linfield, Ekranas Panevezys und Sturm Graz gewinnen, um in die Gruppenphase einzuziehen. Für APOEL hießen die Gegner Skenderbeu Korce, Slovan Bratislava und Wisla Krakau. Ich befürchte einen neuen Fall  MSK Zilina. Die Slowaken waren im Vorjahr in der Gruppenphase (null Punkte, 3:19 Tore) und schieden in diesem Sommer in der Europa League-Quali gegen KR Reykjavík aus. Warum verwässert man mutwillig das Niveau im wichtigsten Clubwettbewerb der Welt?

Marcus Krämer: Über den Modus, der es Teams wie Borisov oder Plzen ermöglicht, an der Gruppenphase der Champions League teilzunehmen, wurde schon viel geschrieben. Als klassischer Freund von K.o.-Spielen würde ich ja schon die Gruppen abschaffen, wenn am ersten Spieltag aber der FC Basel auf Otelul Galati trifft, so wende ich mich uninteressiert ab. Wie prickelnd dürfte stattdessen die Gruppe A werden. Festlegen will ich mich deswegen nicht, aber mein Rotstift würde locker acht Teams finden und 24 Teams reichen doch auch, wenn es denn weiter Gruppen geben soll.

4) Was wird das Überraschungsteam?

Malte Asmus: Dass ein krasser Außenseiter sich in den Vordergrund spielen wird, glaube ich nicht. Daher wäre für mich schon eine Überraschung, wenn eins der etablierteren Teams eventuell in die Phalanx von Barca, Real und Manchester United einbrechen und deren zu erwartende Vormachtstellung beenden könnte. Neben Bayern halte ich dafür am ehesten Manchester City oder den FC Chelsea für geeignet. Gerade von den Blues unter ihrem neuen Trainer André Villas-Boas erwarte ich bei günstiger Auslosung einiges.

Daniel Raecke: Ich glaube, dass die meisten Gruppen relativ klare Favoritenstellungen haben. Überraschend wäre es, wenn eine Mannschaft in den KO-Spielen weit kommt, wie in der Vorsaison Schalke 04 ins Halbfinale, 2010 ZSKA Moskau oder 2008 Fenerbahce ins Viertelfinale. Außerhalb der großen vier Ligen traue ich eine solche Rolle in dieser Saison am ehesten Lyon oder ZSKA Moskau zu.

Marcus Krämer: Ich bin davon überzeugt, dass es wieder einen überraschenden Halbfinalisten geben wird, wie es eben die Knappen im vergangenen Jahr waren. Schafft es Trainer Mircea Lucescu aus dem deutlichen Ausscheiden gegen den FC Barcelona im vergangenen Viertelfinale (1:5 und 0:1) die richtigen Schlüsse zu ziehen, wird Shakhtar Donetsk diese Rolle spielen können. Mit St. Petersburg, Porto und Nikosia haben die brasilianisch geprägten Ukrainer eine leichte Gruppe erwischt, die mit dem Gruppensieg abgeschlossen werden kann. Dann spielt wieder das Losglück eine Rolle, aber Shakhtar hat mich schon in der vergangenen Saison beeindruckt.

5) Wer wird Champions League-Sieger?

Malte Asmus: So sehr ich es den Bayern wünschen würde – entgegen der Vorwürfe von aufgebrachten Usern nach einem kritischen Spielbericht zu Saisonbeginn sympathisiere ich nämlich durchaus mit den Münchnern – gehe ich doch davon aus, dass am Ende wieder die spanischen Teams und Manchester United dominieren werden. Und diesmal wird sich am Ende José Mourinho mit Real Madrid durchsetzen.

Die Königlichen, die trotz "nur" eines Pokalsieges auf eine hervorragende Saison zurückblicken, haben sich gut verstärkt. Außerdem wird der Coach aus seinen wenigen Fehlern der letzten Saison lernen bzw. bereits gelernt haben. Die Momentaufnahme aus der Primera Division – Real erstmals seit drei Jahren zwei Punkte vor Barca – könnte ich mir am Ende der Saison auch auf europäischer Ebene vorstellen.

Daniel Raecke: Die zentrale Frage ist sicher: Kann Barcelona als erster Club seit 1990 seinen Titel verteidigen? Glaubt man den Quoten der Buchmacher, dann kann nur ein Wunder das verhindern. So riesig, wie er im Finale gegen Manchester United aussah, muss der Klassenunterschied aber nicht ausfallen. Sowohl Real Madrid als auch United ist es zuzutrauen, die Blaugrana in dieser Saison zu schlagen. Manchester City hat zwar eine tolle Mannschaft, aber speziell gegen Barcelona vielleicht nicht die taktischen Möglichkeiten im Kader, um so defensiv zu spielen wie notwendig. Sir Alex Ferguson wird den Fehler, mit zwei Stürmern gegen die Katalanen zu spielen, wohl nicht noch einmal machen. José Mourinho ohnehin nicht. Wenn ich mich auf einen Sieger fest legen muss, sage ich Manchester United.

Marcus Krämer: Ich oute mich als Fan von José Mourinho, auch wenn für mich Finger ins Auge anderer Co-Trainer stecken sicher nicht zu den Qualitäten eines guten Trainers gehört. Aber die für Madrider Verhältnisse konservative Transferpolititk in diesem Sommer war die richtige Entscheidung. Real Madrid ist eingespielt, findet immer mehr Zutrauen zu den eigenen Qualitäten in der Offensive und wird mit Cristiano Ronaldo und Mesut Özil die beiden entscheidenden Spieler in seinen Reihen haben. Und das letzte Quäntchen Motivation wird die Möglichkeit liefern, Erzrivale Barcelona die Titelverteidigung zu vermiesen.

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