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Champions-League-Finale: Lehmann stürzt Arsenal ins Verderben

Nach 18 Minuten war für die deutsche Nummer 1 alles vorbei: Arsenals Torwart sah wegen einer Notbremse Rot. Die "Gunners" gingen gegen Barcelona trotzdem in Führung - und standen am Ende doch mit leeren Händen da.

Statt der erhofften Krönung seiner erfolgreichsten Saison beim FC Arsenal hat Jens Lehmann ausgerechnet im Champions-League-Finale einen rabenschwarzen Abend erlebt. Nach einer Roten Karte für den deutschen WM-Torhüter in der 18. Minute endete die Erfolgsstory der Londoner in Paris im 51. Landesmeister-Finale mit dem 1:2 (1:0) gegen das Starensemble des FC Barcelona. Vor 77.500 Zuschauern im ausverkauften Stade de France sorgte ein Doppelschlag durch Samuel Eto'o (76.) und Juliano Belletti (80.) für die Entscheidung zu Gunsten des frisch gebackenen spanischen Meisters, nachdem Sol Campbell (37.) die "Gunners" per Kopfball in Führung gebracht hatte.

Nach 995 Minuten fiel das Bollwerk

Während die Katalanen nach 14 Jahren auf Europas Fußball-Thron zurückkehrten, muss der FC Arsenal weiter auf den ersten internationalen Titel seit dem Gewinn des Pokalsieger-Wettbewerbs 1994 warten. Nach insgesamt 995 Champions-League-Minuten ohne Gegentor konnte die Abwehr der Engländer dem Druck des in Überzahl spielenden Gegners am Ende nicht mehr Stand halten.

Während sich seine Nationalmannschafts-Kollegen im Regenerations-Trainingslager auf Sardinien von der Strapazen der Saison erholen und für die WM einstimmen, wurde Lehmann im WM-Endspiel-Stadion von 1998 zur tragischen Figur. Der in der europäischen Königsklasse bis dahin 12:44 Stunden unbezwungene Torhüter holte knapp außerhalb des Strafraums Barcelonas Torjäger Eto'o von den Beinen und sah wegen der "Notbremse" die Rote Karte vom norwegischen Schiedsrichter Terje Hauge. Für den UEFA-Pokal-Gewinner von 1997, der bis zu seinem Ausschluss erst zwei Ballkontakte bei Schüssen von Ludovic Giuly (9.) und Deco (17.) hatte und völlig konsterniert den Rasen verließ, ging Ersatzkeeper Manuel Almunia zwischen die Pfosten.

"Einen Tick zu spät"

"Ich habe mich verschätzt und bin einen Tick zu spät gekommen, das war nicht gut, das ist klar", schilderte Lehmann die wahrscheinlich Spiel entscheidende Szene in der 18. Minute. "Das ist ein Moment, über den man sich ärgern muss. Trotzdem hatten wir noch Chancen. Barcelona ist sehr spielstark, aber irgendwann wussten auch die nicht mehr weiter", sagte der enttäuschte Schlussmann. "Ich glaube nicht, dass er einen großen Fehler gemacht hat", nahm Arsenal-Trainer Arsene Wenger seinen Keeper in Schutz. "Er hat eine großartige Champions-League-Saison gespielt. Ich glaube nicht, dass er sein Selbstvertrauen verloren hat."

50 Jahre nach dem ersten, ebenfalls in Paris ausgetragenen Landesmeister-Finale stand das Duell der beiden einzigen in dieser Champions-League-Saison ungeschlagenen Teams zunächst ganz im Zeichen von Arsenal, das sofort die Offensive suchte. Schon in der 3. Minute musste Barca-Keeper Victor Valdes Kopf und Kragen riskieren, um das 0:1 durch Thierry Henry zu verhindern, der Rafael Marquez mit einer Körpertäuschung ausmanövriert hatte. Nach dem anschließenden Eckball prüfte der französische Nationalstürmer Valdes erneut mit einem Knaller aus 16 Metern.

Joker Larsson stellte Weichen

Unter den Augen von Spaniens König Juan Carlos fand das Team um den zweifachen Weltfußballer Ronaldinho erst in Überzahl allmählich seinen Rhythmus. Allerdings entpuppten sich die von den Fans bejubelten Kunststücke des Brasilianers häufig als brotlose Kunst. Der FC Barcelona wirkte zwar ballsicher, fand aber nur selten ein Mittel gegen die Defensive des Gegners, der nach 37 Minuten überraschend in Führung ging. Nach einem fragwürdigen Freistoß flankte Henry den Ball nach innen, wo der als Ersatz für Philippe Senderos in die Mannschaft gekommene Abwehrspieler Campbell zum 1:0 traf.

Bei einsetzendem Regen erhöhte Barcelona nach dem Seitenwechsel zwar den Druck auf das Tor der Engländer, allerdings fehlten der Elf von Frank Rijkaard auch weiterhin die Ideen. Erst die Einwechslung von Henrik Larsson stellte die Weichen zum Sieg. Dabei blieb Arsenal bei seinen Kontern stets torgefährlich. In der 67. Minute parierte Valdes einen Schuss von Fredrik Ljungberg, anschließend verhinderte der Barca-Keeper das 50. Europacup-Tor von Henry (70.). Als schon kaum noch jemand im Stadion damit rechnete, traf Eto'o auf Zuspiel von Larsson doch noch zum Ausgleich. Der Schwede, der nach der Saison in seine Heimat zurückkehrt, war vier Minuten später auch Passgeber für Belletti, der für die Entscheidung sorgte.

Arne Richter/DPA / DPA

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