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Champions League: Kahn-Patzer kostet Bayern den Sieg

Trotz einer Klasseleistung erreicht der FC Bayern nur ein 1:1 gegen Real Madrid: Ein haarsträubender Kahn-Patzer lässt die Chancen auf ein Weiterkommen in der Champions League schwinden.

Ein kapitaler Fehler von Torhüter Oliver Kahn hat den FC Bayern München um die Champions-League-Sensation gegen Real Madrid gebracht. Beim 1:1 (0:0) im Achtelfinal-Hinspiel ließ der Kapitän, der trotz Rückenbeschwerden spielte, in der 83. Minute einen unspektakulären 30-Meter-Freistoß von Roberto Carlos unter dem Körper durchrutschen. Fassungslos verfolgten die 59 000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion und Trainer Ottmar Hitzfeld am Spielfeldrand Kahns Fehlgriff. Acht Minuten zuvor hatte Roy Makaay mit seinem sechsten Tor im siebten Champions-League-Spiel den Bundesliga-Zweiten nach einer Fülle vor Torchancen in Führung geköpft.

"Das ist bitter"

"Das ist bitter und bedauerlich für Oliver Kahn. Wir hätten den Sieg verdient gehabt", sagte Hitzfeld: "Wir haben trotzdem eine Chance in Madrid und können stolz auf die Leistung sein." Für Real Madrid war es nach sieben Europacup-Niederlagen in München das erste Unentschieden.

Bayern war Madrid mehr als ebenbürtig

Die Partie verlief von Beginn an in Bahnen, die kaum jemand erwartet hatte. Der FC Bayern war nicht der "adäquate Spielpartner", wie es sich Präsident Franz Beckenbauer erhofft hatte, sondern die klar spielbestimmende Elf. Und diese präsentierte sich gegenüber den zuletzt teilweise jämmerlichen Darbietungen auf nationaler Ebene endlich wieder als Mannschaft. Angeführt vom wieder genesenen Michael Ballack, der in etlichen harten Zweikämpfen Präsenz demonstrierte, kauften die Münchner den «Königlichen» mit enormem Einsatz und großer Disziplin den Schneid ab. Zum ersten Mal in diesem Jahr präsentierte sich der Bundesliga-Zweite als Team mit Format.

Zudem zahlte sich Hitzfelds taktischer Schachzug aus, mit der Hereinnahme von Martin Demichelis anstelle von Hasan Salihamidzic das zentrale Mittelfeld zu stärken. Der Argentinier engte als Staubsauger vor der Abwehr die Kreise von Raul ein. Da auch Owen Hargreaves das Duell gegen den französischen Superstar Zinedine Zidane für sich entschied, kam das Aufbauspiel von Real nicht auf Touren. Zudem zeigten sich David Beckham und Luis Figo beeindruckt von der körperbetonten Spielweise des FC Bayern.

Mangelhafte Chancenauswertung

Allerdings versäumte es der Bundesliga-Zweite, seine Feldüberlegenheit frühzeitig in Zählbares umzumünzen. Zwar brachten die Hausherren die alles andere als sattelfest wirkende Real-Abwehr immer wieder ins Schwimmen, doch fehlte es im Abschluss an der letzten Konsequenz. Nach einem Fast-Eigentor von Roberto Carlos (2.), der einen rabenschwarzen Tag erwischte, verfehlte zunächst der spielfreudige Claudio Pizarro (15. und 19.) zweimal sein Ziel. Danach scheiterten Ze Roberto (24.) und Owen Hargreaves (36.) am reaktionsschnellen Torhüter Iker Casillas. Real Madrid hatte seine erste nennenswerte kurz vor der Pause, als Ronaldo aus spitzem Winkel Keeper Oliver Kahn prüfte.

Auch in der zweiten Halbzeit, in der Salihamidzic für den verletzten Bixente Lizarazu (Muskelfaserriss im Oberschenkel) auf die ungewohnte linke Seite rückte, waren die Bayern die bessere Elf und erhöhten sogar noch der Druck. Doch der ersehnte Führungstreffer wollte trotz Chancen im Minutentakt nicht fallen. Beim Kopfball von Makaay nach toller Flanke von Ze Roberto (56.), bei Pizarros Aufsetzer (57.) und Ballacks Fernschuss (58.) fehlte nur wenige Zentimeter. In der 63. Minute rettete zudem Iker Casillas gegen Salihamidzic.

Als Makaay nach toller Flanke von Pizarro endlich das 1:0 gelang, schienen die Bayern für ihren Aufwand belohnt. Auch danach hatte Madrid keine echte Chance und machte dank Roberto Carlos und Kahn doch noch das 1:1.

Klaus Bergmann und Andrea Wimmer, DPA / DPA

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