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Champions League: Leverkusen und Valencia - Dominanz zur Jahrtausendwende

Bayer Leverkusen und der FC Valencia waren Anfang des neuen Jahrtausends zwei der Mannschaften, denen man zugetraut hatte, national wie international eine dominante Rolle zu spielen. Nach insgesamt drei verlorenen Finalspielen in der Königsklasse war das Kapitel allerdings schnell und auf lange Zeit beendet. 

Anfang des neuen Jahrtausends schickten Bayer Leverkusen und der FC Valencia sich an, die Champions League zu erobern. Drei Jahr in Folge stand jeweils ein Team im Finale, der große Coup wollte jedoch nicht gelingen. Danach wurde es ruhiger um beide Teams und wir haben uns auf die Suche nach den Gründen gemacht.

Schaut man sich im Duden das Wort Effizienz an, findet man höchstens beim Querverweis (Substantiv, f / zusammengesetzt aus in- (nicht) und Effizienz - siehe auch Leverkusen und Valencia) die beiden abschreckenden Beispiele. Zwischen 2000 und 2002 stand jeweils eins der beiden Teams im Finale des wichtigsten Wettbewerbs auf Clubebene, ohne die Trophäe mit nach Hause nehmen zu dürfen.

Valencia verlor zunächst gegen Real Madrid, um danach auch den Bayern – die noch gepusht von der Niederlage 99 gegen Manchester United agierten – im Elfmeterschießen zu unterliegen. Ein Jahr später ereilte Bayer dasselbe Schicksal, als die Truppe von Klaus Toppmöller sich ebenfalls Real Madrid geschlagen geben musste.

Natürlich gibt es Gründe, warum beide Clubs nicht mehr an die Erfolge in der Champions League anknüpfen konnten und es zudem auch auf nationaler Ebene – nach den Meisterschaften 2002 und 2004 später auch beim FC Valencia – nicht zu der Dominanz reichte, dessen Potenzial sicherlich abrufbar gewesen war. In unserer Analyse untersuchen wir die Situationen in vier Bereichen, konzentrieren uns dabei auf die Trainerfrage, die Transferpolitik, die finanzielle Situation und die Ausgangslage in beiden nationalen Ligen.

Die Trainer als Erfolgsgaranten – oder auch nicht

Christoph Daum (seit Anfang 1996 in Leverkusen) darf durchaus als Vater der ersten Erfolge angesehen werden. Unter seiner Führung spielte Leverkusen einen sehr offensiv ausgerichteten und schön anzusehenden Fußball. Die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte war in greifbarer Nähe und mit Platz drei – bei drei Vizemeisterschaften - in der Saison 1997/98 erreichte die Ehe ihren durchaus zu verkraftenden Tiefpunkt. Auch schaffte Leverkusen es in der Zeit, erstmals die Teilnahme an der CL zu realisieren.

Doch nach der positiven und nicht minder legendären Kokainprobe musste Daum den Verein verlassen. Einem kleinen Intermezzo mit Rudi Völler als Interimslösung und Berti Vogt als falschem Schritt folgte Klaus Toppmöller, der die Arbeit von Daum fortführte. In diesen Jahren war Bayer ein ständiger und auch gern gesehener Gast, wenn die Elite des europäischen Spitzenfußballs sich traf. Bedingt durch einige Verletzungen und diverse Spielerabgänge, wurde Toppmöller letztendlich entlassen, als der Verein sich in der Liga auf Talfahrt befand – ein im Endeffekt wohl falscher Schritt.

Thomas Hörster, Klaus Augenthaler, nochmals Rudi Völler, Michael Skibbe und Bruno Labbadia waren die Erben, die – abgesehen von einer CL-Teilnahme 2004/05 – allesamt in irgendeiner Form scheiterten und keine langfristige Kontinuität mitbrachten. Erst unter Jupp Heynckes kam der Erfolg zurück und mit ihm einmal mehr eine Vizemeisterschaft – zudem die Qualifikation für die Champions League.

Doch Heynckes ging zu den Bayern, und ob sein Nachfolger Robin Dutt den geebneten Weg weiterführen kann, darf zumindest bezweifelt werden und es prasselt schon viel Kritik von allen Seiten auf ihn ein. Erst kritisierte er seinen Vorgänger, ob des angeblich falschen Trainings, dann gab es Unstimmigkeiten bei der Torwartfrage und auch der Umgang mit Michael Ballack scheint problembehaftet.

Cuper, erfolgloser Erfolgstrainer

Beim FC Valencia begann die wirklich erfolgreiche Ära mit der Verpflichtung von Hector Cuper im Jahr 1999. Der Argentinier hatte zuvor Real Mallorca auf der Landkarte Fußball-Spaniens etabliert. In Valencia traf er auf eine Mannschaft, die in den 90er Jahren international eigentlich nichts erreicht hatte. Einzig die legendäre 0:7-Niederlage beim Karlsruher SC ist vielen Menschen wahrscheinlich noch gut im Gedächtnis.

National hatte man den Copa del Rey gerade gewonnen und schickte sich an, zusammen mit Deportivo la Coruna in die Phalanx der beiden Spitzenteams Real Madrid und FC Barcelona einzudringen. Cuper gewann direkt den spanischen Supercup gegen Barca und ließ den FC Valencia eine geordnete kontrollierte Offensive spielen. Bei den Fans stieß er damit spätestens in seinem zweiten Jahr aber auf taube Ohren und galt nicht unbedingt als Liebling der Massen.

"Irgendetwas stimmt hier nicht“, erklärte Cuper, als er das Viertelfinale der CL 2001 erreicht hatte. Sein Team hatte vor dem Finale gegen die Bayern in 16 Spielen gerade einmal acht Treffer einstecken müssen. "Die Fans hier fordern mehr Risiko und mehr Entertainment. Ich mag es, wenn mein Team offensiven Fußball spielt, aber ich stehe nicht auf Selbstmord und bin auch kein Geschenke-Onkel für die Gegner“, so der Trainer auf worldsoccer.com.

Cuper ging nach dem zweiten verlorenen Finale entnervt zu Inter Mailand. Es folgte Rafael Benitez, der zwar in der CL keine Erfolge feiern konnte, es aber schaffte, zwei Meistertitel in der Primera Division sowie einen Titel im UEFA-Pokal zu gewinnen. Es folgten Claudio Ranieri, Antonio López Habas, Quique Sánchez Flores, Óscar Fernández, Ronald Koeman, Salvador González und Unai Emery. Der Baske ist seit 2008 im Amt und soll nun endlich wieder für Kontinuität und Erfolg sorgen, die nach Cuper und Benitez schmerzlich vermisst wurde.

Fatale Transferpolitik

Die Trainerentscheidungen hatten sicherlich ihre Wirkung auf die Erfolge beider Teams, doch auch die Transferpolitik sorgte dafür, dass auf beiden Seiten nicht an alte Erfolge angeknüpft werden konnte. Anfang des Jahrtausends hatte Bayer Leverkusen vielleicht die beste Mannschaft in der Bundesliga.

Spieler wie Jens Nowotny, Zé Roberto, Emerson, Michael Ballack, Roberto Kovac, Diego Placente und Ulf Kirsten bildeten das Gerüst der Elf. Doch leider musste sich auch die eingetragene Marke "Vizekusen“ den Gesetzen des Lebens beugen und dort gilt die Faustregel, dass Erfolg, Geld und ein großer Verein mehr Sexappeal haben als ein Club mit dem Makel des ewigen Zweiten.

Emerson hatte sich bereits AS Rom für eine Ablöse von 20 Millionen Euro angeschlossen, im Jahr darauf ging Kovac zu den Bayern, die sich nur eine Saison später auch Zé Roberto und Michael Ballack, der zu der Zeit einer der besten Mittelfeldspieler der Welt war, holten. Als sich dann auch Nowotny am Kreuzband verletzte und die Neuzugänge um Franca, Chris, Jan Simak und Hanno Balitsch nicht einschlugen, eilte Europa mit großen Schritten davon.

Mendieta folgt auf Cuper

Ähnlich sah es beim FC Valencia aus, der in seiner Blütezeit, als man die Lücke zu Barca und Real praktisch geschlossen hatte, über eine mit Stars gespickte Mannschaft verfügte. José Santiago Cañizares hütete das Tor und dazu bildeten Spieler wie Jocelyn Angloma, Mauricio Pellegrino, Kily González, Gaizka Mendieta und auch Claudio López das Herz des Teams.

Nach und nach verließen die Akteure aber den Club und zunächst konnte der Aderlass noch mit guten Transfers kompensiert werden. So holte man Spieler wie Roberto Ayala, Pablo Aimar und John Carew. Doch nach dem verlorenen Finale verließ mit Mendieta auch das Herz der Mannschaft den Verein in Richtung Lazio Rom. Auf nationaler Ebene war es Benitez zu verdanken, der mit guter Arbeit zwei Meisterschaften möglich machte. In der Champions League war die große Zeit vorbei und spätestens mit dem Abgang von David Villa und David Silva (Sommer 2010) verlor man zwei wichtige Eckpfeiler für internationale Aufgaben.

Das liebe Geld

Im modernen Fußball geht es natürlich auch um Geld, ansonsten hätte man Silva und Villa nicht abgeben müssen. Die Vereine sind fast schon als Konzerne anzusehen und zumindest Bayer Leverkusen ist mit der Bayer AG, die dem Club immerhin ein schickes Stadion hinstellte, nicht wirklich weit davon entfernt. Dennoch muss man sagen, dass Leverkusen am Rad der Zeit gedreht hat und wieder einen ähnlichen Kurs fährt, wie Rainer Calmund es seinerzeit getan hat.

Es werden Südamerikaner verpflichtet, alternde Stars geholt und junge Talente ausgebildet oder verliehen. Dennoch gibt es den großen Unterschied, dass die Bücher scheinbar ordentlicher geführt werden, als zu der Zeit, in der Calmund wegen Veruntreuung von Geldern vernommen wurde. Dennoch sind die richtig großen Transfers und Gehälter, wie sie die Bayern oder Teams wie Manchester, Barcelona, Madrid oder Mailand tätigen, nicht die Kragenweite von Rudi Völler. Somit geht der Club immerhin den richtigen Weg und setzt auf junge Talente.

Schuldenberg, oder doch eher ein Massiv?

Der FC Valencia war nach der finanziellen Schieflage in der Saison 1985/86, nach der man in die zweite Liga gehen musste, eigentlich gut aufgestellt. Doch es folgte die Weltwirtschaftskrise und infolge dessen auch ein Einbruch im Immobilienmarkt. Nahezu jeder spanische Verein hatte einen Bauunternehmer im Vorstand sitzen und so nahm das Unheil seinen Lauf. Denn Valencia hatte mit dem Bau eines neuen Stadions begonnen und wollte das Gelände des Mestalla-Stadions für mindestens 300 Millionen Euro verkaufen – der Bau, der neuen Arena, hatte natürlich längst auf Pump begonnen.

Da es aber keinen Abnehmer für das Gelände gab, standen auf einmal Schulden in Höhe von 650 Millionen Euro im Raum, auch, da man sich zwischen 2006/07 und 2007/08 ein Transferminus von satten 100 Millionen Euro gönnte. Die Folgen sind nicht schwer auszumalen: Auflagen im Transfergeschäft, Verkäufe der besten Spieler und eine schwindende Attraktivität bei großen Problemen, überhaupt die Gehälter zu bezahlen. Zudem herrscht seit Anfang 2009 natürlich auch ein Baustopp beim Nou Mestalla.

Die Dominanz der Anderen

Zusammengefasst muss man feststellen, dass beide Clubs nicht zu den Teams in Europa gehören, die regelmäßig bis ins Finale der Champions League kommen können. Die Qualifikation sollte aber nahezu als Pflicht angesehen werden – auch für Leverkusen, da die Bundesliga gerade ebenfalls einen vierten Startplatz erhalten hat. 

Die Meisterschaft ist beim FC Valencia allerdings ein großer Wunschtraum. Denn mit Real Madrid und dem FC Barcelona gibt es zwei zu dominante Teams in der Primera Division. In der Bundesliga sieht es da anders aus - der Titel in Deutschland ist für Leverkusen nicht in allzu großer Ferne, zumindest mit den Ansprüchen, die sich der Club selbst gibt. 

Die Probleme liegen bei Valencia ganz klar im finanziellen Bereich und diese sind nur durch regelmäßige Teilnahmen in der CL zu lösen. Ansonsten muss ein Investor gefunden werden, der die Fertigstellung des Stadions realisieren kann. Denn nur so würde auch die Attraktivität, die der Club Anfang 2000 besaß, wiederbelebt werden. Mit Emery hat man einen ausgezeichneten Trainer, der den Club auf mittelfristige Sicht zumindest als dritte oder vierte Kraft in Spanien etablieren kann.

Leverkusen hat mehr das Problem, keine Kontinuität in der Führungsetage zu haben. Die Mannschaft ist ordentlich aufgestellt und die finanziellen Mittel sind gegeben. Der Fahrplan ist in diesem Bereich optimal. Es liegt an Dutt, die Fußstapfen von Heynckes auszufüllen und dabei die Standort- und Prestigenachteile mit solider und guter Arbeit auszugleichen. Dann kann auch die Werkself – wie Anfang des Jahrtausends – wieder der geschätzte Gast in der Königsklasse werden, der damals in die G14 aufgenommen wurde.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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