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Confed-Cup: Endstation Halbfinale

Trotz einer starken Leistung gegen Weltmeister Brasilien hat Deutschland den Sprug ins Finale des Confed-Cups verpasst. Mann des Spiels für die Samba-Kicker war Doppeltorschütze Adriano.

Der überragende Adriano hat den Einzug der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ins Finale des Confederations Cups verhindert. Trotz einer großartigen kämpferischen Leistung verlor das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann in Nürnberg in der Neuauflage des WM-Endspiels von 2002 gegen Brasilien mit 2:3 (2:2) und spielt nun am Mittwoch (17.45 Uhr) in Leipzig gegen den Verlierer des zweiten Halbfinals zwischen Argentinien und Mexiko. Vor 42.088 Zuschauern im Frankenstadion erzielte der kaum zu bremsende Adriano in der 76. Minute das Tor zum etwas glücklichen Erfolg für die Südamerikaner. Zuvor hatten Lukas Podolski (22.) und Michael Ballack (45.+3/Foulelfmeter) die zweimalige brasilianische Führung durch Adriano (21.) und Ronaldinho (43./Foulelfmeter) wettgemacht, doch zum ersten Erfolg gegen den Rekord-Weltmeister seit fast zwölf Jahren reichte es nicht.

Mit der knappen Niederlage in einer wahren Hitzeschlacht verpasste es die deutsche Mannschaft zwar auch im 14. Anlauf, ihre schwarze Serie gegen die Großen des Weltfußballs zu beenden, imponierte aber dennoch mit einer tollen und vom Publikum begeistert gefeierten Leistung. In Michael Ballack besaß das DFB-Team erneut einen vorbildlichen Kapitän. Der Münchner, der gegen Argentinien pausiert hatte, imponierte als Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft, deren Selbstbewusstsein mit jedem Turnierspiel weiter gewachsen ist.

Verteidiger Robert Huth wirkte erneut nicht immer sicher. Sollte Jürgen Klinsmann dennoch weiter auf ihn setzen?

Zu den Aktivposten im deutschen Team zählten mit Bernd Schneider und Torsten Frings auch die beiden einzigen, die schon im WM-Finale 2002 auf dem Platz gestanden hatten. Der Leverkusener Schneider, für den zuletzt wenig überzeugenden Thomas Hitzlsperger in die Elf gekommen, imponierte auf der linken Seite mit seiner läuferischen Stärke. Frings überzeugte mit viel Übersicht und hielt Weltfußballer Ronaldinho die meiste Zeit in Schach. Erst am Ende ging den deutschen Akteuren auch angesichts hoher Temperaturen die Puste aus.

Per Mertesacker strahlte in der Abwehr trotz seiner erst 20 Jahre enorm viel Ruhe aus, dagegen wirkte der zuletzt in seiner Form stabiler gewordene Robert Huth gegen die beweglichen Brasilianer erneut nicht sicher. Weil Podolski zurückgezogen agierte, hatte Kevin Kuranyi als einzige Spitze einen schweren Stand. Der Neu-Schalker musste nach 64 Minuten Gerald Asamoah weichen.

Vor dem Anstoß verlasen Ballack und sein brasilianischer Kapitänskollege Ronaldinho eine Erklärung, in der sie jeglicher Form von Diskriminierung eine Absage erteilten. Es müsse alles getan werden, "um Rassismus aus dem Fußball zu verbannen", sagte Ballack. Die Aktion erfolgte auf Initiative der FIFA.

Bei schweißtreibenden Temperaturen von mehr als 30 Grad nahm die auf fünf Positionen veränderte deutsche Mannschaft nach einer Viertelstunde des respektvollen Abtastens das Heft in die Hand. Mit einem Drehschuss aus 16 Metern setzte Schneider (17.) das erste Achtungszeichen. Vier Minuten später gingen die Gäste überraschend in Führung. Nach einem Foul von Frings an Robinho verwandelte Adriano den fälligen Freistoß aus gut 30 Metern aber nur deshalb, weil Sebastian Deisler den Ball unhaltbar abfälschte. Doch die deutsche Elf zeigte sich nicht geschockt und reagierte mit dem sechsten Länderspiel-Tor von Podolski postwendend. Der Kölner traf nach einer Ecke des wieder sehr laufstarken Deisler.

Zwei durchaus harte Elfmeter-Entscheidungen des Unparteiischen Carlos Chandia sorgten kurz vor der Halbzeit für Diskussionsstoff. Nach einem rustikalen Einsatz von Huth gegen Adriano an der Torauslinie zeigte der Chilene erstmals auf den Punkt. Ronaldinho ließ Lehmann keine Chance. Als wenig später Roque Junior im Strafraum Huth mit einem Catchergriff umklammerte, roch Chandias erneute Strafstoß-Entscheidung nach Konzession. Davon unbeeindruckt jagte Ballack den Ball zum umjubelten Ausgleich an Dida vorbei - der 27. Länderspiel-Treffer des Kapitäns.

Um nicht erneut in Rückstand zu geraten, wurde Schneider nach der Pause als linkes Glied der Viererkette zurückbeordert. Die erste Möglichkeit nach Wiederbeginn bot sich den Gästen durch Gilberto. Doch der Schuss des Hertha-Akteurs (57.) ging am deutschen Tor vorbei. Szenenapplaus erhielt die deutsche Elf fünf Minuten später nach einem schnellen Konter über Kuranyi und Ballack, dessen Torschuss abgeblockt wurde. Erst 14 Minuten vor Schluss war Lehmann doch geschlagen, nachdem sich Adriano gegen Huth durchgesetzt hatte. In der Schlussphase vereitelte der Arsenal-Schlussmann eine höhere Niederlage.

Oliver Hartmann und Jens Mende/DPA

Aufstellungen:

Deutschland:

Lehmann - A. Friedrich, Mertesacker, Huth, B. Schneider - Deisler (83., Hanke), Frings, Ballack, F. Ernst (87., Borowski) - Kuranyi (63., Asamoah), Podolski - Trainer: Klinsmann

Gelbe Karten:

Deisler (25.), F. Ernst (86.)

Brasilien:

Dida - Maicon (46., Cicinho), Lucio, Roque Junior, Gilberto - Emerson, Zé Roberto - Ronaldinho, Kaka (78., Renato) - Robinho (87., Julio Baptista), Adriano - Trainer: Parreira

Gelbe Karten:

Roque Junior (13.), Cicinho (47.), Emerson (66.), Adriano (72.)

Schiedsrichter: Carlos Chandia Alarcon (Chile)
Zuschauer: 41.926 (ausverkauft)
Spielort: Nürnberg (Frankenstadion)

Tore:

0:1 Adriano (21.), 1:1 Podolski (23.), 1:2 Ronaldinho (43., Foulelfmeter), 2:2 Ballack (45.+3., Foulelfmeter); 2:3 Adriano (76.)

Besondere Vorkommnisse:

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