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Confed-Cup: Viel Krampf, wenig Glanz

Die deutsche Fußballnationalmannschaft ist mit einem mühsamen Sieg gegen Australien in die Mini-WM gestartet. Besonders die Abwehr offenbarte dabei große Schwächen.

Der unermüdliche Offensivgeist hat der deutschen Fußball-Nationalmannschaft das erhoffte Erfolgserlebnis zum Auftakt des Confederations Cups beschert. Trotz erneuter Probleme in der Defensive liegt das Team von Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach dem 4:3 (2:2)-Erfolg in Frankfurt gegen Australien auf Halbfinal-Kurs. Mit einem weiteren Sieg in Köln gegen Tunesien dürfte das Minimalziel Vorschlussrunde bereits erreicht sein. Das 25. Länderspiel-Tor von Michael Ballack (60./Foulelfmeter) und der fünfte DFB-Treffer von Lukas Podolski (88.) verhalfen der deutschen Elf zum ersten Gruppensieg. Vor 48.500 Zuschauern in der Commerzbank-Arena hatten Josip Skoko (21.) und John Aloisi (31.) die zweimalige deutsche Führung durch Kevin Kuranyi (17.) und Per Mertesacker (23.) jeweils ausgleichen können. In der Nachspielzeit bestrafte Aloisi eine weitere Unachtsamkeit sogar noch mit dem 4:3.

"Das war mehr Licht als Schatten. Es war für uns ganz wichtig, mit drei Punkten in dieses Turnier hineinzugehen", sagte Klinsmann, dem jedoch auch die Schwächen in seiner Mannschaft nicht verborgen geblieben waren. "Im Mittelfeld hatten wir in der ersten Halbzeit Abstimmungsprobleme. Wir müssen viel kompakter stehen und dichter am Gegner." Kapitän Ballack forderte: "Wir müssen die Fehler abstellen." Überrascht von der Stärke der Australier war der erstmals im Nationaltrikot erfolgreiche Mertesacker: "Zum Glück haben wir vier Tore gemacht, das hat gerade so gereicht."

Im ersten Pflichtspiel unter der Regie von Klinsmann spielte die DFB-Elf lange Zeit ohne große Linie und offenbarte erneut eklatante Mängel in der Defensivarbeit. Im Duell gegen die Kicker vom Fünften Kontinent wurde erneut deutlich, dass dem Team bei Ballbesitz des Gegners eine ordnende Hand fehlt. Torsten Frings war in seiner zentralen Rolle vor der Abwehr lange Zeit völlig überfordert. Erst im zweiten Durchgang wurden die Aktionen der Mannschaft geordneter, doch souverän wirkte das Team zu keiner Phase.

Die Viererkette, in der Arne Friedrich nach den zuletzt schwachen Vorstellungen von Andreas Hinkel und Patrick Owomoyela erstmals auf der rechten Seite zum Zuge kam, wies erhebliche Lücken auf. Der Berliner begann nervös, steigerte sich dann aber erheblich und holte mit entschlossenem Antritt den Strafstoß zum 3:2 heraus. In der Schlussphase erwies sich auch der leicht angeschlagene Mertesacker als stabilisierender Faktor der wankenden Defensive. Als Sicherheitsrisiko entpuppte sich dagegen Robert Huth.

Michael Ballack war in seinem 54. Länderspiel weit davon entfernt, dem deutschen Spiel ein Ideengeber zu sein, übernahm beim Elfmeter aber Verantwortung und traf zum siebten Mal im DFB-Trikot vom Punkt aus. Zu den Pluspunkten im deutschen Team zählten Podolski und Kuranyi, die erstmals gemeinsam das Sturmduo bildete. Nach seinem Vertragsabschluss in Schalke wirkte der 23-Jährige sichtlich befreit und unterstrich mit seinem 13. Treffer im DFB-Trikot, dass er bei Klinsmann ein Torgarant ist. Nach dem schönsten Spielzug der Partie gelang Podolski auf Zuspiel von Ballack der vierte Treffer.

Die deutsche Elf war von Beginn an bemüht, das Publikum mitzureißen. Nach nur 37 Sekunden suchte Podolski mit schnellem Antritt den direkten Weg zum Tor, schoss aber aus spitzem Winkel knapp vorbei. Danach nahmen die "socceroos" das Heft in die Hand. Erst ein Glückstor von Kuranyi half dem DFB-Team aus der Verlegenheit. Der künftige Schalker fälschte einen Distanzschuss von Friedrich unhaltbar ab. Nur vier Minuten später leitete ein Foul von Robert Huth den raschen Ausgleich ein. Den fälligen Freistoß aus 18 Metern jagte Skoko unter der hochspringenden deutschen Abwehrmauer hindurch zum 1:1 ins Netz.

Keine 120 Sekunden später brachte Mertesacker die Gastgeber nach Flanke von Bernd Schneider im Stile eines Torjägers aus der Drehung erneut in Führung. Doch die Klinsmann-Elf schaffte es nicht, den Vorsprung in die Pause zu bringen. Als die Abstimmung zwischen Frings und Ballack wieder einmal nicht funktionierte, passte Skoko auf Aloisi, der sich gegen Huth durchsetzte und Kahn an dessen 36. Geburtstag zum zweiten Mal überwand.

Mit einem nun zentraler spielenden Schneider und deutlich mehr Angriffsschwung startete die deutsche Elf in die zweiten 45 Minuten. Chancen für Schweinsteiger (49.) und Frings (52.) gingen der erneuten Führung voraus, für die Friedrich verantwortlich zeichnete. Der Berliner wollte nach spektakulärem Solo einen Elfmeter und bekam ihn nach dem ungestümen Rempler von Ljubo Milicevic. Ballack verwandelte eiskalt.

Jens Mende und Oliver Hartmann/DPA

Aufstellungen:

Deutschland:

Kahn - A. Friedrich, Mertesacker, Huth, Hitzlsperger - B. Schneider (76., Deisler), Frings, Ballack, Schweinsteiger (83., Ernst) - Kuranyi, Podolski - Trainer: Klinsmann

Gelbe Karten:

Huth (20.), Schweinsteiger (52.), A. Friedrich (69.)

Australien:

Schwarzer - Muscat, Moore, Popovic (57., McKain), Neill - Emerton, Cahill (74., Culina), Milicevic, Skoko - Aloisi, Chipperfield (83., Thompson) - Trainer: Farina

Gelbe Karten:

Milicevic (38.), McKain (87.)

Schiedsrichter: Carlos Amarilla Demarqui (Paraguay)
Zuschauer: 48.000 (ausverkauft)
Spielort: Frankfurt (Commerzbank-Arena)

Tore:

1:0 Kuranyi (18.), 1:1 Skoko (21.), 2:1 Mertesacker (23.), 2:2 Aloisi (31.), Ballack (60., Foulelfmeter), 4:2 Podolski (88.), 4:3 Aloisi (90.)

Besondere Vorkommnisse

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