HOME

stern-Logo Alles zum Coronavirus

Pandemie: Gehaltsverzicht und Charity-Aktionen: Wie Profi-Fußballer in der Corona-Krise vorangehen

Das Coronavirus bedroht die Existenz der Fußball-Bundesliga. Die Spieler scheinen das verstanden zu haben. Sie verzichten auf Millionen und starten Charity-Aktionen. Zur Beginn der Krise sah das noch ganz anders aus.

Corona-Krise: Wie Profi-Fußballer jetzt vorangehen

Die Bundesliga-Profis Joshua Kimmich (l.), Leon Goretzka und Marco Reus riefen in den vergangenen Tagen Charity-Aktionen ins Leben 

Picture Alliance

Marco Reus guckt konzentriert in die auf ihn gerichtete Kamera. Er holt einmal tief Luft. Dann fängt sein einminütiger Monolog an: "Die Corona-Krise betrifft uns alle", sagt er mit ruhiger Stimme. "Das gesellschaftliche Leben steht still. […] Vor allem kleine und alteingesessene Betriebe sind davon betroffen."

Aus diesem Grund haben seine Frau Scarlett und er die Initiative "Helpyourhometown" ins Leben gerufen. "Wir spenden 500.000 Euro, um kleinen und mittelständischen Unternehmen in Dortmund zu helfen." Er wolle damit uns alle dazu ermutigen, die lokalen Betriebe in unserer Heimatstadt zu unterstützen, die unter der aktuellen Krise leiden. Er betont: "Es geht nur gemeinsam – mehr denn je."

Vor vier Tagen startete der deutsche Fußball-Nationalspieler seine Charity-Aktion. Der Zuspruch war groß. Endlich zeige sich der Fußball solidarisch, so der Tenor. Zu Beginn der Corona-Krise hatte sich das noch ganz anders angehört. Dafür hatte ausgerechnet Marco Reus’ Chef BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gesorgt. Entschlossen forderte er in einer "Sportschau"-Sondersendung in der ARD, sobald wie möglich "zur Normalität zurückkehren" zu können. "Wir sollten es auch nicht übertreiben", sagte Watzke. "Die Gesundheitsgefahr für eine Profi-Mannschaft würde ich als nicht so gravierend einstufen. Wir sollten nicht das Kind mit dem Bade ausschütten."

DFL: "Ohne Geisterspiele wird es keine 18 Profiklubs mehr geben"

Mittlerweile zeigte sich Watzke selbstkritisch: "Ich habe mir diese Sendung noch einmal genau angesehen und muss sagen, dass jeder Satz, den ich gesagt habe, inhaltlich korrekt war. Ich hätte es allerdings freundlicher und empathischer ausdrücken können. Mea culpa!" sagte er in einem Interview der "Bild am Sonntag". Seine Mitarbeiter wüssten, "dass ich auch mal impulsiv werden kann".

Klar ist aber auch: Der BVB-Chef ist tief besorgt. Die Corona-Krise bedroht die Bundesliga in ihrer Existenz. Würden in der laufenden Saison gar keine Spiele mehr stattfinden können, könnten sich die Einnahmeverluste auf bis zu 750 Millionen Euro addieren. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), rief deshalb Mitte März den Kampf ums Überleben aus. "Ohne Geisterspiele wird es keine 18 Profiklubs mehr geben", betonte Seifert auf einer Pressekonferenz.

Auf staatliche Hilfe brauchen die Vereine aufgrund ihrer Millionärsdichte nicht hoffen. Das stellte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits vor Wochen klar: "Ganz ehrlich: Es ist nicht die wichtigste und vordringlichste Aufgabe jetzt, dafür zu sorgen, dass die Profivereine wirtschaftlich überleben können", sagte er in einem Live-Interview der "Bild"-Zeitung. Stattdessen fände es der CSU-Politiker in Ordnung, wenn viele derjenigen Spieler, "die ganz große Gehälter bekommen", ihren Arbeitgebern gegenüber nun etwas zurückhaltender wären.

Bundesliga-Spieler verzichten auf Millionen

Derweil scheint Söders Verzichtvorschlag die neue Devise zu sein. Von den Bayern über Schalke, den BVB, Mainz, Gladbach bis zu Paderborn: Überall nehmen die Profis nun Gehaltseinbußen in Kauf. Dass sie keine andere Wahl haben, sei mal dahingestellt. Tatsache ist, die Fußballer zeigen sich solidarisch.

Denn eines wird oft vergessen: Neben den hochbezahlten Profis gibt es rund 55.000 ganz normal bezahlte Angestellte wie beispielsweise Zeug- und Platzwarte. Hinzu kommen noch Dienstleister oder Lieferanten, die von der Industrie des Fußballs abhängig sind. Dementsprechend ist dieser Gehaltsverzicht mehr als kollegial.

Darüber hinaus starten Top-Verdiener wie Marco Reus oder auch Joshua Kimmich und Leon Goretzka eigene Charity-Aktionen. Die beiden Bayern-Spieler haben mit ihrer Initiative "#WeKickCorona" inzwischen mehr als vier Millionen Euro eingesammelt. "Joshua und ich hatten das Gefühl, dass viele zu Hause sitzen und nicht wissen, wie sie helfen können. Dann haben wir uns entschieden, diese Initiative zu starten, um all den Leuten die Möglichkeit zu geben, zu helfen, ohne das Haus verlassen zu müssen", erklärt Goretzka die Entstehung der Idee.

Zwangspause: Klopapier-Tennis und Putzen: Womit sich Fußballer die Zeit vertreiben

Das viele Geld soll karitativen, sozialen oder medizinischen Einrichtungen helfen, die im Moment Bedürftige unterstützen oder denen durch die Corona-Pandemie wichtige Spendengelder ausbleiben. Bisher konnten laut dem Pressesprecher von "#WeKickCorona" 100 soziale und karitative Vereine und Organisationen unterstützt werden. "Jeder kann helfen, im Kleinen wie im Großen", sagte Kimmich. Der Profi-Fußball scheint nach anfänglichen Schwierigkeiten seine Rolle gefunden zu haben, wie er in Zeiten des Coronavirus Verantwortung übernehmen kann.

Wissenscommunity