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Der Bundesliga-Check: Schalke 04: Jugendstil statt Größenwahn

Schalke 04 bastelt schon an der Zukunft. Auch wenn es dieses Jahr noch nicht für den ganz großen Erfolg reicht - mit dieser Elf wird zu rechnen sein. Das Erfolgsrezept stammt vom Revier-Rivalen.

Von Carsten Heidböhmer

Nach 55 Jahren ohne Meistertitel wächst bei den Königsblauen die Lust, am Ende der Saison mal wieder ganz oben zu stehen. Dem entgegen steht eine nach wie vor angespannte Finanzlage. Manager Horst Heldt und Vereinsboss Clemens Tönnies wählen geschickt den Mittelweg: Sie gehen keine Abenteuer ein, haben den Verein dennoch in der Spitzengruppe der Liga fest etabliert.

Was ist neu?


Schalke 04 hat aus der Vergangenheit gelernt: Anstelle spektakulärer Leihgeschäfte mit großen Namen wie Barcas Ibrahim Affelay oder dem Brasilianer Raffael, die den Verein auf Dauer nicht weitergebracht haben, setzen die Königsblauen diese Saison auf sinnvolle Verstärkungen. Mit dem brasilianischen Verteidiger Felipe Santana vom Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund und dem aus Mainz kommenden Stürmer Ádám Szalai, der in der vergangenen Saison 13 Mal traf, hat Manager Horst Heldt zwei gestandene Profis geholt. Dazu kommen zwei Talente, an denen die Schalker in Zukunft wohl noch viel Freude haben werden: der Kölner Christian Clemens (21) und das Bochumer Juwel Leon Goretzka (18).

Was ist gut?


Hinter den Transfers ist ein klares Konzept erkennbar, das vom Revierrivalen Borussia Dortmund abgekuckt sein könnte: Der Verein will eine junge Mannschaft aufbauen, die mittelfristig um Titel mitspielen kann. Während Leon Goretzka und Christian Clemens sicher noch eine Weile brauchen werden, sind mit Sead Kolasinac, Joel Matip und Julian Draxler bereits eine ganze Reihe junger Spieler fest in der Mannschaft etabliert. Daneben hat der Club Leistungsträger wie Klaas Jan Huntelaar, Jefferson Farfan und Benedikt Höwedes halten können. Der Kader ist damit noch stärker als in der Vorsaison.

Was ist schlecht?

Zwei potenzielle Unruheherde schleppt der Verein aus der alten Saison mit in die neue. Da ist die Trainerfrage: Bereits kurz nach seiner Verpflichtung im vergangenen Dezember wackelte der Stuhl von Jens Keller gewaltig, als der schnelle Erfolg ausblieb. Echte Rückendeckung von Vereinsboss Clemens Tönnies und Manager Horst Heldt genoss Keller nicht. Sollte Schalke in der kommenden Saison erneut eine Schwächeperiode durchlaufen, könnte die Diskussion schnell wieder losgehen.

Daneben gibt es einen zweiten Punkt, der für Ärger sorgen könnte: die Torwartfrage. Bereits im Dezember gab es bei den Königsblauen eine Torwartdiskussion. Der damalige Trainer Huub Stevens ersetzte Lars Unnerstall durch den elf Jahre älteren Timo Hildebrand, was zunächst nicht die nötige Ruhe brachte. In der Rückrunde hat sich Timo Hildebrand dann mit guten Leistungen seinen Stammplatz verdient und ist von Jens Keller für die neue Saison als klare Nummer eins bestätigt worden. Doch seit er vor einigen Wochen im Testspiel gegen Red Bull Salzburg einen Gegentreffer aus 60 Metern kassierte, gilt Hildebrand bei manchen Medien als angezählt. Mit Unnerstall und Ralf Fährmann stehen zudem zwei deutlich jüngere Rivalen in den Startlöchern.

Was ist möglich?


Auch wenn Jermaine Jones bereits von der Meisterschaft träumt und Julian Draxler die Bayern "wie Spiderman" jagen will - realistisch ist maximal Platz 3 oder 4. Zu mehr reicht die Qualität des Kaders (noch) nicht aus, einige Spieler brauchen noch Zeit. Zu groß auch die Gefahr, dass die Torwart- oder Trainerfrage Unruhe in den Verein bringt. Doch das Potenzial für die direkte Champions-League-Quali ist bei den Königsblauen schon jetzt da. Eine gute Basis, um in der Saison 2014/15 nach Höherem zu streben.

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