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DFB-Elf: Lehmann lauert auf seine Chance

Bundestrainer Joachim Löw gehen für die Asien-Reise die Torhüter aus, die Personal-Probleme werden immer größer. Doch an einer hektischen Diskussion in der Torwart-Debatte will sich Löw nicht beteiligen. Kommt jetzt die ehemalige Nummer eins zum Einsatz?

"Wir werden das in aller Ruhe analysieren und dann entscheiden", sagte Bundes- Torwartcoach Andreas Köpke am Donnerstag zu den neuen Sorgen für den ohnehin schon problematischen Fernost-Trip zum Saisonende. Nach dem Einzug von Werder Bremen und Bayer Leverkusen ins DFB-Pokalfinale stehen mit Bremens Elfmeter-Held Tim Wiese, Leverkusens René Adler und dem Schalker Manuel Neuer (U21-EM) gleich drei der vier Torhüter für die Länderspiele am 29. Mai in China und am 2. Juni in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht zur Verfügung, die als erste Kandidaten für die WM 2010 gelten. Köpke stellte jedoch den sportlichen Erfolg und das Endspiel-Erlebnis für Wiese und Adler in den Vordergrund: "Das ist doch eine Supersache für die Jungs."

Wahrscheinlich hat Löws Assistent dabei auch schon die nächste Saison im Blick. Denn zumindest einer der WM-Kandidaten Wiese und Adler darf nun mit seinem Club in den Monaten vor Südafrika auch internationale Spielpraxis sammeln. So könnte zwar Robert Enke, zuletzt bei den Siegen gegen Liechtenstein und Wales die Nummer 1 im deutschen Tor, kurzfristig seine Position auf der Asien-Reise festigen. Langfristig gesehen aber haben Wiese oder Adler im Uefa-Cup zusätzliche Gelegenheiten, auf sich aufmerksam zu machen.

Lehmann steht bereit

Richtig kompliziert wird es für Löw und Köpke allerdings, wenn Enkes Club Hannover 96 noch in die Abstiegs-Relegation rutschen würde, die ebenfalls Ende Mai/Anfang Juni ausgespielt wird. Dann müsste sogar eine neue Nummer 1 für die Länderspiele in Shanghai und Dubai gesucht werden. Der 39-jährige Jens Lehmann, der gern ins DFB-Team zurückkehren würde, hat schon Bereitschaft signalisiert. "Wenn die Nationalmannschaft Bedarf hat, einen Torwart wie mich auf die Reise mitzunehmen, dann wird man auf mich zukommen", übermittelte der Stuttgarter am Donnerstag via "Bild"-Zeitung.

Köpke sieht in den Debatten zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur "reine Spekulation" und keinen Grund zum Aktionismus: "Wir werden eine andere Lösung finden. Mehr gibt es jetzt dazu nicht zu sagen", bemerkte der ehemalige DFB-Schlussmann. Der Bielefelder Dennis Eilhoff (26), Dortmunds Roman Weidenfeller (28) oder vielleicht sogar der vor der EM 2008 ausgemusterte Timo Hildebrand (30/Hoffenheim) könnten im Sommer plötzlich zu Länderspiel-Ehren kommen. Für Lehmann, der sein Comeback-Ziel als Motivation für ein weiteres Jahr beim VfB Stuttgart sieht, wird ohnehin erst in zwölf Monaten abgerechnet: "Was heute gesagt wird, wird Jogi Löw in einem Jahr wenig interessieren."

Das Dutzend ist voll

Insgesamt sind es nun schon mehr als ein Dutzend Nationalspieler, auf die Löw in Asien nicht zurückgreifen kann. DFB-Kapitän Michael Ballack tritt am 30. Mai mit dem FC Chelsea im englischen Pokalfinale gegen Everton an. Adler, Simon Rolfes, Patrick Helmes und Stefan Kießling stehen ebenfalls am 30. Mai mit Leverkusen im deutschen Cup- Endspiel. Für Bremen sind in Berlin außer Wiese auch Torsten Frings, Per Mertesacker, Clemens Fritz und Mesut Özil dabei. Christoph Metzelder ist mit Real Madrid bis Ende Mai im Meisterschafts-Einsatz.

Für die U21-Europameisterschaft vom 15. bis 29. Juni in Schweden sind außer Neuer und Özil noch der Gladbacher Marko Marin und der Stuttgarter Sami Khedira eingeplant. Ob auch Serdar Tasci (Stuttgart) und Andreas Beck (Hoffenheim) von U21-Trainer Horst Hrubesch angefordert werden und dann am 26. Mai auch nicht mit dem A-Team nach Asien reisen könnten, muss noch mit Löw geklärt werden.

Jens Mende und Klaus Bergmann/DPA / DPA

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