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DFB-Pokal Mönchengladbach schaltet Hertha im Viertelfinale aus


BVB-Trainer Jürgen Klopp beschwerte sich nach dem Sieg in Kiel über die Platzverhältnisse und hätte lieber nicht gespielt. In Berlin war der Platz wesentlich besser, dafür sahen die Zuschauer ein extrem niveauarmes Spiel mit einem schauspielerischen Höhepunkt. Für die Hertha wäre eine Absage wohl besser gewesen.

Borussia Mönchengladbach steht im Halbfinale des DFB-Pokals und schwimmt weiter auf einer Erfolgswelle. Bei Hertha BSC siegte die Elf von Trainer Lucien Favre mit 2:0 nach Verlängerung, Filip Daems erzielte mit einem verwandelten Foulelfmeter (101.) die Führung, Oscar Wendt erhöhte mit seinem ersten Tor für die Borussia in der Nachspielzeit.

Im Olympiastadion sahen die Zuschauer aber eine insgesamt sehr schwache Partie und das Zustandekommen des Elfmeters passte zum Niveau. Schiedsrichter Felix Brych fiel auf eine schauspielerische Leistung von Igor de Camargo ein, nicht nur deshalb war es ein glücklicher Erfolg für die Gäste.

Favre siegt bei der Rückkehr

Bei seiner zweiten Rückkehr nach Berlin – in der Hinrunde siegte der Schweizer mit der Borussia nach einem Doppelpack von Marco Reus mit 2:1 im Olympiastadion – blieben personelle Sorgen in der Heimat, einzig Martin Stranzl fehlte und wurde wie schon in Wolfsburg durch Roel Brouwers ersetzt.

Auf Berliner Seite gab es nach den drei Pleiten in der Rückserie mehr Handlungsbedarf, Trainer Michael Skibbe beließ es aber bei zwei Änderungen. Für den angeschlagenen Adrian Ramos rückte Hoffnungsträger Raffael in die Startelf und auch Kapitän Andre Mijatovic meldete sich fit für einen Einsatz in der Innenverteidigung. Raffael begann aber nicht hinter der einzigen Spitze Pierre-Michel Lasogga, Skibbe setzte den Brasilianer auf der linken Seite ein.

In der Anfangsphase fiel beiden Teams aber nur wenig ein. Die Berliner waren bemüht, ihr schlechtes Karma der letzten Wochen abzuschütteln, der Respekt vor den konterstarken Gladbachern war aber stets spürbar. Hertha mied das Risiko, aber auch bei den Gästen waren viele Unkonzentriertheiten im Spiel. Frühe Ballverluste waren an der Tagesordnung, eine echte Torchance der Borussia gab es im ersten Durchgang nicht zu bestaunen.

Raffael belebt das Spiel der Hertha

Das machte die Hertha nach einer halben Stunde etwas besser. Nach einem groben Fehlpass von Brouwers hatte Raffael freie Bahn, sein Schuss ging aber ans Außennetz (30.). Nach einer schnellen Kombination über Raffael und Patrick Ebert kam auch Lasogga zu seinem ersten Abschluss, wieder ging der Ball ans Außennetz (37.). Das Comeback von Raffael belebte das Berliner Spiel, trotzdem ging es mit einem torlosen Remis in die Kabine.

Nach der Pause wurde das Niveau zunächst noch schlechter, beide Teams boten keine Leistung, die einem Pokal-Viertelfinale würdig war. Plötzlich war es aber wieder die Hertha, die die Führung auf dem Fuß hatte. Nachdem Raffael abgeblockt wurde, schob Peter Niemeyer den Ball mit viel Übersicht von der Strafraumgrenze auf das Gladbacher Tor, für den geschlagenen Marc-André ter Stegen rettete aber der Pfosten (61.).

Die Borussia wirkte nach sieben Punkten in der Rückrunde ungewohnt gehemmt, das Kombinationsspiel über Reus, Mike Hanke, Patrick Herrmann und Juan Arango funktionierte in Berlin überhaupt nicht. In der Schlussphase merkten die Gladbacher dann aber doch, dass die Skibbe-Elf ebenfalls sehr fahrig spielte – die Gäste erhöhten das Risiko. Der eingewechselte Igor de Camargo hatte dann auch die erste echte Chance, Thomas Kraft war aber zur Stelle (78.). Folgerichtig bekamen die 47.500 Zuschauer im Olympiastadion dann 30 weitere Minuten – eine Belohnung sieht wahrlich anders aus.

Unwürdig

Vielleicht waren aber auch ein paar Cineasten im Stadion, zumindest die kamen in der Verlängerung auf ihre Kosten. In der 99. Minute lief de Camargo gemeinsam mit Roman Hubnik auf Torhüter Kraft zu, der Belgier rempelte ein wenig, der Pfiff von Schiedsrichter Felix Brych blieb aber aus. Hubnik machte seinem Ärger Luft und lief zu de Camargo, die Köpfe berührten sich ohne eine aktive Bewegung – de Camargo fiel wenige Wochen vor der Oscar-Verleihung trotzdem Hollywood reif.

Der Gladbacher Joker hatte zuvor schon eine Gelbe Karte wegen einer vermeintlichen Schwalbe gesehen, hier hätte es durchaus Gelb-Rot geben können. Doch zum Entsetzen aller Berliner Anhänger holte Brych für Hubnik den Roten Karton heraus, der Referee entschied auf Tätlichkeit und gab zudem Foulelfmeter. Als sich die Gemüter wieder beruhigt hatten, verwandelte Filip Daems sicher (101.).

Damit war das Spiel entschieden, auch wenn der eingewechselte Adrian Ramos kurz vor Spielende noch die große Chance zum Ausgleich hatte. Die Gladbacher machten nun das, was sie am besten können, sie konterten. Einer dieser Konter brachte auch das 2:0, Oscar Wendt nutzte eine tolle Vorarbeit Arango zu seinem ersten Tor für seinen neuen Club.

Marcus Krämer

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