Deutschland - Türkei Countdown für das Fußballfest


500.000 vor dem Brandenburger Tor, 100.000 in Basel, Millionen vor den Großbildschirmen und TV-Geräten: Das EM-Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei (ab 20.45 Uhr im stern.de-Liveticker) soll zu einem friedlichen deutsch-türkischen Volksfest werden - das zumindest ist die Hoffnung der Politiker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird heute Abend (Anpfiff: 20.45 Uhr) wie schon beim Nachbarschaftsduell gegen Österreich live beim EM-Halbfinale der deutschen Nationalmannschaft gegen die Türkei in Basel dabei sein. "Ich möchte erst mal ein schönes Spiel, ein faires Spiel und dann drück' ich natürlich der deutschen Mannschaft die Daumen. Ich bin dabei und werde mitfiebern", sagte Merkel. Neben der deutschen Regierungschefin wird der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan im St. Jakob-Park auf der Tribüne sitzen.

Zahlreiche Politiker riefen die Fans zu einem friedlichen Fest im Sinne der deutsch-türkischen Freundschaft auf. "Fußball bietet eine exzellente Möglichkeit, um Vorurteile abzubauen, Integration zu fördern und gemeinsam zu feiern", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble den "Stuttgarter Nachrichten". Dem "Tagesspiegel" sagte der CDU-Politiker: "Möge nicht nur die bessere Mannschaft gewinnen, sondern auch die deutsch-türkische Freundschaft."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach im TV-Sender N24 die Hoffnung aus, dass "keiner den Versuch unternimmt, ein fröhliches Fußballfest zu stören". Gesine Schwan, Kandidatin der SPD für das Amt des Bundespräsidenten, sagte: "Ich hoffe, dass sich alle freuen und dass es nicht zu irgendwelchen Feindseligkeiten kommt. Das ist mir in der Tat viel wichtiger als der einzelne Sieg." Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) appellierte an alle Fans, "während des Spiels und danach gegenseitigen Respekt zu zeigen, ganz egal wie die Begegnung in Basel verläuft und wie sie ausgeht".

Sieg wichtig für türkisches Selbstwertgefühl

Nach Meinung des Vorsitzenden der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, würde ein Einzug der türkischen Elf in das EM-Finale das Selbstwertgefühl der Türken in Deutschland stärken. "Viele Türken erfahren gesellschaftliche Ablehnung in Deutschland. Eine Finalteilnahme könnte symbolisch dafür stehen, dass sie erfolgreich sind und auf Augenhöhe mit den Deutschen stehen", sagte Kolat in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die Fans forderte er auf: "Schaut euch das Spiel Hand in Hand an, schwingt die Fahnen beider Länder und habt einfach Spaß zusammen."

Der Türkei-Experte Harun Gümrükcü glaubt, dass das Ansehen der Türkei in Europa verbessert werden kann. "Wenn die Türken gewinnen, dann haben sie bei den Menschen ein paar Pluspunkte", sagte der Leiter des Hamburger Institutes für Türkisch-Europäische Studien.

Der türkische Botschafter in Deutschland, Ahmet Acet, erhofft sich ein Symbol der Gemeinsamkeit. "Es ist die einzigartige Gelegenheit für Deutsche und Türken, sich aus einer anderen Perspektive zu betrachten", sagte Acet dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er hoffe, dass Deutsche und Türken "gemeinsam genießen". Langfristig handele es sich um eine "Win-Win-Situation". Die Botschaft für die Türken in Deutschland sei, "dass sie Teil dieses Landes sind und sich ihm noch stärker zugehörig fühlen. Dieses Land ist Deutschland." Die Deutschen wiederum bekämen laut Acet "ein besseres Verständnis dafür, dass die Türken ein Teil Deutschlands sein wollen."

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker