Deutschland - Kroatien Bittere Pleite für konfuse Deutsche

Das war nichts! Nach einer desaströsen Leistung hat die deutsche Nationalmannschaft ihr zweites Spiel in der Gruppe B gegen Kroatien verdient verloren. 1:2 hieß es am Ende - und die Art und Weise der Niederlage lässt sogar das Undenkbare möglich erscheinen: ein vorzeitiges Turnier-Aus.

Schock und Ernüchterung statt Viertelfinal- Ticket: Nach einem herben Rückschlag muss die deutsche Nationalmannschaft um den Einzug in die K.o.-Runde der Fußball- Europameisterschaft zittern. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw konnte im zweiten Turnierspiel in Klagenfurt in keiner Phase an die Leistung zum Auftakt gegen Polen anknüpfen und wurde von starken Kroaten mit 2:1 (1:0) abgestraft. In der Nachspielzeit sah der eingewechselte Bastian Schweinsteiger wegen einer Tätlichkeit an Jerko Leko auch noch die Rote Karte. Erst elf Minuten vor dem Ende war Lukas Podolski mit seinem 3. Turnier-Tor der Anschluss gelungen.

DFB-Team benötigt Sieg gegen Österreich

Damit benötigt das DFB-Team am kommenden Montag in Wien gegen Gastgeber Österreich unbedingt einen Sieg, um nicht wie 2000 und 2004 nach der Vorrunde nach Hause fahren zu müssen. Die Treffer für die von Trainer Slaven Bilic taktisch hervorragend eingestellten Kroaten erzielten vor 30 461 Zuschauern im Wörthersee-Stadion Darijo Srna (24.) und der Hamburger Bundesliga-Profi Ivica Olic (62.).

"Wir hatten heute die Chance, vieles klar zu machen, das ist uns nicht gelungen. Aber noch ist es nicht zu spät. Das war sicherlich ein Rückschlag. Wir sind alle tief enttäuscht über dieses Spiel. Es ist schwer, jetzt Einzelkritik zu üben, alle haben unter den Möglichkeiten gespielt, die sie haben", lautete die erste Analyse des sichtlich frustrierten Löw.

"Wir haben uns zu wenig bewegt und uns zu wenig Chancen herausgearbeitet. Vielleicht haben wir nach dem Polen- Spiel gedacht, wir hätten schon etwas erreicht", sagte Kapitän Michael Ballack. "Bitter ist vor allem, dass wir jetzt das letzte Spiel gewinnen müssen." Kroatiens Coach Bilic sprach von einem "verdienten Sieg".

Deutsche fanden kein Rezept

Vier Tage nach dem überzeugenden Turnierstart ließ die deutsche Mannschaft all jene Tugenden vermissen, die sie gegen Polen ausgezeichnet hatten. Statt wie geplant auch dieses Spiel entschlossen an sich zu reißen, fand das Löw-Team gegen die tief stehenden Kroaten mit ihren zwei Vierer-Ketten überhaupt kein Rezept. Ungewöhnlich viele Ballverluste taten ein übriges, um den Spielfluss zu hemmen. Zudem hatte es Bilic verstanden, die Schwachstellen im Spiel der deutschen Mannschaft zu analysieren und sein Team darauf einzustellen.

Als Problemzone erwies sich die Defensive, in der Marcell Jansen auf der linken Seite mit schöner Regelmäßigkeit überlaufen wurde. Da auch Christoph Metzelder im Deckungszentrum Spritzigkeit und Biss fehlten, war es allein Per Mertesacker und dem fehlerlosen Jens Lehmann zu verdanken, dass das Team nicht deutlicher ins Hintertreffen geriet.

Mit der Einwechslung von David Odonkor für Jansen und einer neuen Aufgabenverteilung reagierte Löw in der Halbzeit auf die Schwächen seiner Defensivabteilung. Philipp Lahm übernahm die linke Abwehrseite, Clemens Fritz ging nach hinten rechts. Durch die Maßnahme wurde zwar die Abwehr etwas stabiler, doch die erhoffte Initialzündung für die gesamte Mannschaft blieb aus.

Auch in der Offensive blieb der dreimalige Europameister weit hinter den Erwartungen zurück. In seinem 50. Länderspiel hatte Lukas Podolski zwar erneut viele Ballkontakte, fand für seine Pässe in der Spitze aber keine Abnehmer, da die Harmonie zwischen Miroslav Klose und Mario Gomez nicht stimmte. Auch nach dem Rückstand konnte die deutsche Mannschaft das Spiel nicht an sich reißen, weil Michael Ballack, der das Team zum 40. Mal als Kapitän aufs Feld führte und in dieser Statistik mit Ehrenspielführer Uwe Seeler gleichzog, seine besten Szenen in der Rückwärtsbewegung hatte.

Trauma Kroatien?

Im 3. Pflichtspiel nach den Viertelfinal-Duellen bei der EM 1996 (2:1) und EM 1998 (0:3) erwiesen sich die Kroaten erneut als äußerst unangenehmer Gegner für die deutsche Mannschaft. Bis auf einen zu hoch angesetzten Kopfball von Gomez (26.) drohte dem Tor von Stipe Pletikosa in der ersten halben Stunde keinerlei Gefahr. Dafür schlugen die Kroaten gleich bei ihrer ersten Gelegenheit eiskalt zu. Danijel Pranjic setzte sich auf der linken Seite gegen Lahm und Fritz durch und flankte in die Mitte, wo Jansen Srna aus den Augen ließ. Der Spieler von Schachtjor Donezk bedankte sich mit dem 1:0.

Dieser Treffer wirkte wie ein Schock für die deutsche Mannschaft, die sechs Minuten später beinahe das 0:2 durch Niko Krajncar kassiert hätte. Olic hatte sich im Kopfballduell gegen Metzelder durchgesetzt und dem England-Legionär den Ball aufgelegt. Erst Ballack mit einem Freistoß-Knaller aus fast 30 Metern setzte das erste Achtungszeichen (33.). Dass die DFB-Elf nicht mit einem höheren Rückstand in die Halbzeitpause ging, hatte sie der Reaktionsschnelligkeit von Lehmann zu verdanken. Mit einer tollen Parade gegen Krajncar verhinderte der künftige Stuttgarter das drohende 0:2.

Viel ließen die cleveren Kroaten auch im zweiten Durchgang nicht zu. Das Team zog sich geschickt zurück und ließ auch dem schnellen Odonkor keinen Raum für seine Sprints. Als Podolski in der 62. Minute eine Flanke des Schalker Profis Ivan Rakitic unglücklich abfälschte, prallte der Ball unerreichbar für Lehmann an den Pfosten. Olic reagierte schneller als Mertesacker und Fritz und staubte zum 2:0 ab. Eine große Chance, dem Spiel noch eine Wende zu geben, verpasste Schweinsteiger (73.) aus spitzem Winkel, dann sorgte Podolski mit seinem 28. Länderspiel-Tor am Ende doch noch einmal für Hoffnung.

DPA DPA

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